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Papst im Eichsfeld Papstbesuch: Ansturm Zehntausender Gläubiger
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18:50 22.07.2011
Wallfahrtsfeld füllt sich: Das Konzept für die Papstmesse auf dem Islinger Feld 2006 stammt ebenfalls von Peter Kittel. Quelle: Veranstaltungsservice Regensburg Peter Kittel
Heiligenstadt

Das schmale Teerband von Steinbach zur Kapelle muss frei sein für den Notfall oder falls Benedikt XVI. am 23. September nicht, wie geplant, mit dem Hubschrauber zur Marienvesper kommt, sondern auf dem Landweg. Wie löst Kittel dieses Problem? Durch ein ausgeklügeltes Verkehrskonzept, dessen spektakulärster Aspekt die Vollsperrung der Autobahn 38 für 29 Stunden ist. Sie wird zum Parkplatz umfunktioniert (Tageblatt berichtete).

Spiritueller Anlass und örtliche Gegebenheiten fügen sich im Verkehrskonzept zusammen. Letztlich ist das Kapellengelände nur zu Fuß zu erreichen, aber schließlich – so wird im Bistum Erfurt argumentiert – sei die Teilnahme an der Marienvesper ja auch eine Wallfahrt. So wird aus der Not eine Tugend. Kittel formuliert die Folge mit Blick auf die Pilger pragmatischer: „Autofahrer, Du hast es unbequem.“ Diese Devise hat der 52-Jährige Veranstaltungsprofi ausgegeben, weil die Leistungsfähigkeit der Verkehrswege rund um die Kapelle einem Massenansturm von Gläubigen nicht gewachsen ist und die Einrichtung von Großraumparkplätzen einen immensen, finanziell und ökologisch unverantwortbaren Flächenverbrauch bedeutet hätte.

Die Folge ist, dass das Umfeld rund um die Wallfahrtskapelle Etzelsbach weiträumig für Autos abgeriegelt wird. „Verdrängung des PKW-Aufkommens“, heißt das in der Sprache Kittels. Wer mit dem Auto zur Marienvesper anreist, wird auf Großraumparkplätze in Heiligenstadt und Leinefelde – zehn Kilometer entfernt von der Kapelle – geleitet. Näher liegende oder zusätzliche Stellflächen beispielsweise für Pilger aus Norden, aus Richtung Untereichsfeld, wird es nicht geben. Das ist die konsequente Umsetzung der Kittel-Devise, „Autofahrer, Du hast es unbequem.“.

Aber der Regensburger bietet Alternativen. Mit einem ausgeklügelten System und mit großem Aufwand wird die Anreise zur Marienvesper ermöglicht und gesteuert. Die Möglichkeiten zur An- und Abreise im Einzelnen:

  • mit dem Bus: Die A38 wird zum Parkplatz für bis zu 1000 zuvor registrierte Busse. Von dort geht es auf ausgeschilderten Wegen zu Fuß zur Kapelle. Diese Wege werden noch ausgebaut oder zum Teil sogar erst geschaffen. Die Entfernung zur Kapelle beträgt zwischen 2,5 und fünf Kilometer;
  • mit dem Zug: Zwischen Leinefelde und Kassel wird ein Pendelverkehr eingerichtet. Die Züge fahren im Viertelstundentakt. Die der Kapelle nächstgelegenen Bahnhöfe Bodenrode und Wingerode werden für den Massenansturm aufgerüstet. Die Entfernung beträgt zirka vier Kilomete;;
  • mit dem Rad: Mit dem Fahrrad kommt man bis auf 2,5 Kilometer an die Kapelle heran. Um Mischverkehr zu vermeiden ist dann auch für Radfahrer Schluss. Am Rand dieser Sperrzone werden Fahrradparkplätze eingerichtet;
  • zu Fuß: Keine Beschränkung gibt es für Wallfahrer zu Fuß. Mit etlichen hundert Gläubigen wird beispielsweise der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle von Duderstadt aus nach Etzelsbach pilgern (siehe Grafik, weitere Informationen im Internet unter jugendpastoral-hildesheim.de). Für sie und andere Pilger werden die Wege zur Kapelle sogar ausgebaut und befestigt.

Der Ausbau der Wanderwege ist ein Aspekt, der Kittel geradezu begeistert. „Das wird die Gegend verändern. Das ist nachhhaltig.“ Zum Teil gebe es jahrhundertealte, vergessene Pilgerwege. „Die werden reaktiviert“, freut sich der gläubige Katholik.

Schwerstbehinderte kommen bis zur Kapelle

Zwei Pilgergruppen bereiten Regionalkoordinator Peter Kittel (Foto) noch Kopfzerbrechen. So soll Schwerstbehinderten die Teilnahme an der Marienvesper ermöglicht werden. Dafür werde gemeinsam mit den Maltesern ein Verfahren entwickelt, Schwerstbehinderte direkt bis an das Kapellengelände heran zu bringen. „Ziel ist, das für bis zu 1000 Schwerstbehinderte zu realisieren“, so Kittel. Das werde durch die Zahl der verfügbaren Spezialfahrzeuge definiert, die aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen gezogen würden.

Und auch für Pilger, die noch keine Platz in einem der registrierten Busse gefunden haben, soll eine Anreisemöglichkeit geschaffen werden. Dafür plant Kittel, mit dem internationalen Bustouristikverband zusammen zu arbeiten. Werde hier eine Lösung gefunden, werde das veröffentlicht.

Ein komplexes System hat Kittel für den 23. September entwickelt. Hält es dem Ansturm der Gläubigen stand? „Die Verkehrskonzeption funktioniert prächtig – wenn es nicht zum Infarkt kommt“, räumt der Organisator ein. Kittels Albtraum sind „militante Quersteller“, uneinsichtige Autofahrer, die am oder im Sperrgebiet stranden. Das sei unsozial und gefährlich, appelliert er an die Vernunft der Pilger. Letztlich ist der Regensburger aber zuversichtlich, den Infarkt vermeiden zu können: Die Polizei werde mit sehr großem Aufwand den Verkehr im Fluss halten, begründet er seine Zuversicht.