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Papst im Eichsfeld Papstbesuch: Kraftakt mit Daueradrenalin
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19:59 18.07.2011
Von Ulrich Lottmann
„Völlige Fassungslosigkeit“: Von der Idee, die A 38 zum Busparkplatz zu machen – wie hier 2006 bei Regensburg – musste Peter Kittel die Behörden erst überzeugen.
„Völlige Fassungslosigkeit“: Von der Idee, die A 38 zum Busparkplatz zu machen – wie hier 2006 bei Regensburg – musste Peter Kittel die Behörden erst überzeugen. Quelle: EF
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Die Antwort des Regionalkoordinators für den Papstbesuch im Eichsfeld ist symptomatisch, in Inhalt und Stil. Er organisiert die Marienvesper mit Benedikt XVI. an der Wallfahrtskapelle Etzelsbach. „Was hier passieren wird, kann man sich nicht vorstellen“, sagt der 52-Jährige mit Blick auf den 23. September. Gleichzeitig vermittelt er allein durch Körpersprache, dass er selbst eine sehr genaue Vorstellung davon hat, was passieren wird und muss.

Die Aufgabe ist riesig, Kittel geht sie mit großer Energie und unerschütterlicher Ruhe an. Die geplante Sperrung der A 38 ist dafür ein Beispiel. Schon das sei ein „logistischer Kraftakt, ein Spektakel an sich. Hier ist es nur eine Randerscheinung“, erklärt er. Auf dem zehn Kilometer langen Teilstück zwischen Heiligenstadt und Leinefelde wird ein Parkplatz für 1000 Busse eingerichtet. Innerhalb kürzester Zeit müsse dort alles aufgebaut werden, „von der Ausschilderung der Parkzonen bis zum Toilettenhäuschen. 40 sogenannte Lichtgiraffen für die Ausleuchtung werden installiert“, so Kittel. Zudem müsse die Anreise der 1000 Busse koordiniert werden, „das alleine würde eine normale Agentur über Monate still legen.“ Kittels Veranstaltungsservice hat bereits den Papstbesuch in Regensburg 2006 organisiert, 260 000 Menschen haben damals an der Messe auf dem Islinger Feld teilgenommen. Deshalb hat das Bistum Erfurt dem gelernten Journalisten die Koordination der Marienvesper an der Wallfahrtskapelle Etzelsbach übertragen. Für den gläubigen Katholiken ein hoch emotionaler Auftrag, gerade weil er das schon einmal erlebt habe „diese intensive Gläubigkeit, diese Spiritualität auf dem Islinger Feld“.
Der Planungsaufwand sei für Etzelsbach noch eine Nummer größer, weil es dort „null Infrastruktur“ gebe. Stromversorgung, Verpflegung, Unterkünfte, sogar Wege und Straßen sowie Landeplätze für acht Hubschrauber werden neu geschaffen. „Wir bauen die Infrastruktur für eine Kleinstadt auf“, bringt es Kittel auf den Punkt.

Nach der Zahl der erwarteten Gläubigen gefragt sagt er: „50 000 plus X“. Spielen 10 000 mehr oder weniger eine Rolle? „Überhaupt nicht.“ Das seien technische Dinge, „das ist Handwerk, da sind wir trainiert“. Die eigentliche Herausforderung sei die Verantwortung für die Menschen. „Pilger sind keine Rockkonzertbesucher“, sagt er mit Blick auf Altersstruktur und Haltung zur Veranstaltung. „Diese Menschen kommen mit einem hohen spirituellen Anspruch, sie brauchen besonders viel Fürsorge“, so der Regensburger. Er ist harter Arbeiter und Visionär in einem.

Vor vier Wochen wurde er zum Regionalkoordinator berufen. Die knappe Zeit bis 23. September nennt der charismatische Gründer von vier Firmen ein „sportliches Zeitfenster“. Um das stemmen zu können, hat er in Heiligenstadt ein Büro eingerichtet. Seine zehnköpfige Mannschaft bearbeite wie eine Eliteeinheit alle Facetten der Aufgabe: „Wir müssen Dutzende von Bällen gleichzeitig in der Luft halten – und keiner darf runterfallen. Das ist Daueradrenalin.“ Wann ist der Moment gekommen, an dem er durchatmen kann? „Wenn die Autobahn wieder frei ist und alle Pilger heil in ihren Fahrzeugen sitzen.“