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Papst im Eichsfeld Popstar der Weltkirche
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19:42 23.08.2011
Von Ulrich Lottmann
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Ich bin kein gläubiger Mensch, kein Katholik, betrachte die Dinge nüchtern, rational. Und gerade deshalb verstehe ich sie nicht, die Kritik am Papstbesuch. Ich lade die Kritiker ein zu einem Gedankenexperiment: Stellen sie sich vor, Barack Obama käme in die Region. Keiner würde zweifeln, dass 50 000 Menschen eine angemessene Kulisse für den Staatsmann wären. Sind sie Radsportfan? Waren sie einmal auf einem Rockfestival? Dann können sie nachvollziehen, dass man tagelang irgendwo zeltet, viele Mühen auf sich nimmt, um seine Stars zu sehen, und sei es nur im Vorbeirauschen oder weit entfernt auf einer Bühne. Wie stehen sie zum Dalai Lama? Das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus wird in der aufgeklärten, säkularen Welt über alle weltanschaulichen Grenzen hinweg als moralische Instanz respektiert, verehrt.

Benedikt XVI. ist nun alles in einer Person: Staatsoberhaupt, Popstar einer Weltkirche, Religionsführer. Sein Auftritt in der Region, der Besuch des deutschen Papstes im Eichsfeld, ist ein Jahrhundert-, vielleicht ein Jahrtausendereignis. Das anzuerkennen muss man kein gläubiger Katholik, kein kritikloser Kirchenfan sein. Ganz nüchtern, ganz rational betrachtet, kann man die Dimensionen des Ereignisses und die unbestreitbaren Belastungen akzeptieren mit der Erkenntnis: Der Papst kommt.