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Rathaus-Umbau Rathaus vom Keller bis zum Turm erlebbar
Die Region Duderstadt Themen Rathaus-Umbau Rathaus vom Keller bis zum Turm erlebbar
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19:46 21.05.2012
Langer Schatten: Die Einbindung und zentrale Bedeutung des Rathauses wird beim Blick aus dem Rathausturm, gut 22 Meter über der Marktstraße, deutlich.
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Duderstadt

Das Große Mausohr fühlt sich wohl im Duderstädter Rathaus, dem Lebensraum der Feldermaus-Art. 500 Tiere sollen derzeit hinter einer Wand im sanierten Gebäude ihr Sommerquartier haben – trotz monatelangen Baulärms und nun per Film, Video-Liveschaltung sowie Infrarotkameras für Besucher erlebbar.

Startpunkt: Gelbe Pfeile führen durch die Ausstellung.

Das Rathaus als Naturschutzgebiet (FFH-Gebiet) ist nur ein Randaspekt der neu eröffneten Ausstellung, aber er steht exemplarisch für die weitsichtige Sanierung des Gebäudes und die clevere Umsetzung der Ausstellung.

Das Rathaus ist dank architektonischer Lösungen und multimedialer Technik nicht nur als Fledermausdomizil zu erleben. Mit der gleichen spannenden Mischung aus Authentizität des Gebäudes, thematischer Schwerpunktsetzung und überraschender Präsentation werden die Funktion des Rathauses im Mittelalter, seine Einbindung in die Entwicklung der Stadt und die mittelalterliche Bürgerschaft vermittelt.

Großes Mausohr: Das Rathaus ist als Fledermausdomizil erlebbar.

„Es war die tragende Idee, Verborgenes für die Besucher erlebbar zu machen“, machte der Berliner Architekt Rolf Gnädinger zu Beginn eines Rundgangs deutlich. Frei gelegte Balken, neu erschlossene Räume, neun begehbare Ebenen vom Kellergeschoss bis in die Turmspitze machen das Rathaus selbst zum beherrschenden Exponat der Ausstellung.

Verborgenes sichtbar: Fachwerk-Rathaus ist umfassend saniert.

Die auf das Wesentliche reduzierte Schau sei medial und analog aufgearbeitet, erklärte Andreas Wiek, Vorstand der Berliner Firma Art+Com, die zusammen mit dem Duderstädter Ehepaar Maria und Reinhard Hauff die Ausstellung konzipierte. „Die gelben Pfeile führen Sie durch die Ausstellung, die sich selbst erklärt“, gab er den ersten Besuchern mit auf den Weg.

Anna Hauff, mit Tim Horntrich bei Art+Com für das Projekt verantwortlich, erläuterte, das Rathaus werde als Verwaltungs- und Repräsentationsbau, als Ort des Handels und der Rechtssprechung im Mittelalter sicht- und begreifbar. Weitere Aspekte wie Natur, Schützengesellschaft oder Folterkammer ergänzten dieses Grundschema der Schau, fügte Horntrich hinzu. Auch die Baugeschichte des Rathauses selbst ist anhand von Modellen und erläuternden Texten nachvollziehbar.

Auf neun Ebenen begehbar: Plexiglas-Modell des Rathauses.

Neben beispielhaften Exponaten und sparsam eingesetztem Text sind Filmsequenzen, Lichtprojektionen, interaktive Installationen, optische Geräte oder auch Dioramen weitere Elemente der Präsentation. Sie setzen in der Rathaus-Ausstellung Akzente, fesseln immer wieder die Aufmerksamkeit der Besucher. Das wurde beim ersten Rundgang deutlich.

Auf architektonische Zugaben oder besucherfreundliche Einbauten wie zusätzliche Böden oder rollstuhlgerechte Rampen und Fahrstuhl wiesen Manfred Bause und Christian Zöpfgen hin, die Sanierung und Umgestaltung bei der Stadtverwaltung Duderstadt koordinierten.

Das Rathaus als Teil der „Erlebnisstationen einer mittelalterlichen Stadt“ ist montags bis freitags von 9.30 bis 16.30 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Einen Tag der offenen Tür gibt es am Sonntag, 3. Juni, 11 bis 17 Uhr.

Von Ulrich Lottmann