Tiftlingeröder im Glück: Dicke Baumgabel schlägt kurz hinter ihm auf
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Tiftlingeröder im Glück: Dicke Baumgabel schlägt kurz hinter ihm auf

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17:16 13.08.2021
Herbert Witzke aus Tiftlingerode hatte Glück im Unglück: Er hatte geistesgegenwärtig das Areal verlassen, als die schwere Baumgabel herabstürzte.
Herbert Witzke aus Tiftlingerode hatte Glück im Unglück: Er hatte geistesgegenwärtig das Areal verlassen, als die schwere Baumgabel herabstürzte. Quelle: Rüdiger Franke
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Tiftlingerode

Eine Stammgabelung einer alten Weide an der Muse in Tiftlingerode ist am Sonnabend abgebrochen. Dabei hatte ein Anwohner Glück, dass er von dem herunterstürzenden Geäst nicht getroffen wurde. Die Bäume an der Muse sind bereits seit Jahren ein Thema, für das der Ortsrat eine Lösung fordert.

Es war am Sonnabendmorgen, als an der Muse in Tiftlingerode die Erde bebte. „Ein Donner war das“, beschreibt es Herbert Witzke, als nur wenige Meter entfernt von ihm eine fast einen Meter dicke Baumgabelung abbrach und auf den Boden krachte. Und der 63-Jährige hatte Glück. Nur wenige Momente zuvor hatte er an der Stelle noch gestanden.

„Ich war wie jeden Morgen rausgegangen, um die Hühner rauszulassen und die Kaninchen zu füttern“, erzählt er. Gegen 8 Uhr war er unten am Hühnerstall, am westlichen Ende seines Grundstücks, das an der Friedensstraße angesiedelt ist. Und wie so oft öffnete er die Gartenpforte und ging an die nur wenige Meter hinter der Grundstücksgrenze vorbeifließende Muse.

Fünf Meter Umfang

Die alte Weide, die ungefähr fünf Meter im Umfang misst, wächst nur gut zehn Meter entfernt. „Es war windig an dem Morgen“, erzählt Witzke. Er hörte das Knacken im Baum. „Ich habe gedacht, hier darf keiner mehr hin“, erinnert er sich an den Moment. „Das ist zu gefährlich.“ Denn immer, wenn es in der Vergangenheit stürmisch war, lagen hinterher zahlreiche Äste auf seinem Grundstück. Und weiter oben in der Krone war bei einem Sturm schon ein Ast gebrochen und drückte auf die eine Gabelung des Stamms. Der 63-Jährige dachte dabei auch an seine Enkelkinder, die direkt neben dem Hühnerkäfig ihr Spielhaus stehen haben.

Das Knacken wurde lauter. „Ich bin nur schnell in Richtung Haus gelaufen“, berichtet Witzke. Und dann sei es schon richtig laut geworden. „Die Erde hat beim Aufschlag richtig gebebt“, so Witzke. „Und es hat gekracht, dass es in der ganzen Nachbarschaft zu hören war.“ Dann habe er hinter sich geschaut und „gesehen, was für ein dickes Ding das ist“. Und an einer Stelle hatte sich ein Ast der Baumgabelung in den Boden gebohrt – etwa dort, wo er zuvor noch gestanden hatte.

Ein Ast der Stammgabel hat sich in den Boden gebohrt. Quelle: Rüdiger Franke

Das Ereignis hat Witzke noch für längere Zeit innerlich stark aufgewühlt. „Um ein Haar wärst Du Witwe gewesen“, sagte er später zu seiner Frau, die zum Zeitpunkt des Baumbruchs nicht zu Hause weilte. Doch der 63-Jährige hat Glück gehabt, ebenso wie die Hühner, bei denen ein Teil der Krone auch ins Gehege einschlug. Schaden gab es nur am Zaun um das Gehege. Auch das Spielhaus der Kinder blieb unversehrt. Die freuten sich sogar: „Jetzt ist es ein richtiges Baumhaus“, sagten sie und wollten, wie ihr Großvater erzählt, auch gleich losklettern. Das durften sie natürlich nicht.

Das sind die Bilder:

Herbert Witzke aus Tiftlingerode hatte Glück im Unglück: Eine schwere Baumgabel stürzte herab auf die Stelle, an der er sich kurz zuvor noch aufhielt.

Bäume stehen zu dicht

Die alten kaputten Bäume an der Muse wollen sie in Tiftlingerode schon lange entfernen lassen. „Das Thema schwelt bereits sei vielen Jahren“, sagt Tiftlingerodes Ortsbürgermeister Gerd Goebel (CDU). „Die Bürger in der Friedensstraße sind maßlos enttäuscht, dass die Gefährdung nicht gesehen wird. Bei jedem Sturm kann ein Ast in ein Schlafzimmer geschleudert werden.“ Auch stünden die Bäume so dicht, dass sich durch Sperrgut das Wasser stauen könnte, verweist er auf den Hochwasserschutz. „Wir haben vor 40 Jahren eine Flut hier erlebt“, so der Ortsbürgermeister.

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Bei der letzten Wasserschau vor einigen Jahren habe man bereits über die Bäume gesprochen. Es sei gesagt worden, dass man dafür sorgen wolle, dass der Durchfluss gewährleistet sei, so Goebel. Der damalige Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Rhume, Hans-Jürgen Kreuzkam, habe ihm dann aber einige Tage später gesagt, dass die Naturschutzbehörde des Landkreises dagegen gewesen sei. In einem Schreiben der Landkreisverwaltung an den Rhumeverband, über das das Tageblatt Anfang 2020 berichtet hatte, wurde darauf hingewiesen, dass Abschnitte der Muse als Biotop gekennzeichnet seien. Das Entfernen von Bäumen entlang gesetzlich geschützter Bachabschnitte sei nach Auffassung des Landkreises „als eine erhebliche Beeinträchtigung des geschützten Biotops zu werten“ und somit nicht zulässig.

Das könne er nicht verstehen, erklärt der Ortsbürgermeister. Im Dorf werde schließlich viel für die Ökologie getan. „Wir haben zum Beispiel Bäume und Tulpen gepflanzt und Insektenhotels aufgestellt.“ Naturschutz sei ein wichtiges Thema, aber man dürfe es nicht über das Wohl der Menschen stellen. „Als Ortsbürgermeister denke ich nun über eine Strafanzeige wegen Unterlassung nach“, sagt Goebel.

Bild vor Ort machen

Pflege und Unterhaltung des Gewässerlaufs der Muse befinden sich nicht in der Zuständigkeit der Stadt, wie Désirée Kinkartz, Verwaltungssprecherin der Stadt Duderstadt, mitteilt. Eigentümerin sei die Feldmark Tiftlingerode. Der Gewässereigentümer wiederum teile dementsprechende Hinweise dem dafür zuständigen Unterhaltungsverband Rhume mit. Claudia Leps, aktuelle Geschäftsführerin des Unterhaltungsverbandes, trifft sich Anfang der Woche mit dem Verbandsvorsitzenden, um sich vor Ort ein Bild von der Situation zu machen. „Danach muss man mit der Naturschutzbehörde sprechen und auch die Stadt mit ins Boot nehmen, um mit allen Beteiligten eine gemeinsame Lösung zu finden.“ Die Landkreisverwaltung werde sich ebenfalls in der kommenden Woche zu der Situation äußern, erklärte Verwaltungssprecher Ulrich Lottmann.

Von Rüdiger Franke

13.08.2021
13.08.2021