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Duderstadt Tanzverbot am Karfreitag – richtig oder veraltet?
Die Region Duderstadt Tanzverbot am Karfreitag – richtig oder veraltet?
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11:53 29.03.2018
Umfrage des Kirchenkreises Harzer Land zu Karfreitag und dem dazu geltenden Tanzverbot: Nils Janssen aus Duderstadt Quelle: r
Duderstadt

Das Tanzverbot sei ein in ganz Deutschland geltendes Gesetz, in Niedersachsen sogar ganztägig, erklärt Dolle. Er zitiert aus dem Niedersächsischen Gesetz über die Feiertage (NFeiertagsG), dass alle „Veranstaltungen in Räumen mit Schankbetrieb, die über den Schank- und Speisebetrieb hinausgehen; öffentliche sportliche Veranstaltungen; alle sonstigen öffentlichen Veranstaltungen, außer wenn sie der geistig-seelischen Erhebung oder einem höheren Interesse der Kunst, Wissenschaft oder Volksbildung dienen und auf den ernsten Charakter des Tages Rücksicht nehmen“ verboten seien.

Regelung unbekannt

Viele der Befragten wussten nichts vom Tanzverbot. Vor allem Jüngere hätten eher an den gleichnamigen Youtuber gedacht, berichtet Dolle. Selbst in Kneipen hätte nicht jeder Angestellte davon gehört. Die Meinungen zum Tanzverbot seien deutlich auseinandergegangen, wie Dolle und Spillner in der Umfrage für den Kirchenkreis Harzer Land herausfanden. Manche akzeptieren es, andere finden es überholt.

Umfrage des Kirchenkreises Harzer Land zu Karfreitag und dem dazu geltenden Tanzverbot: Passanten, Passanten, Gastronome und auch Geistliche haben sich geäußert. Hier eine Auswahl der Befragten.

Zeit genießen

Nils Janssen, 28 Jahre, aus Duderstadt sagte: „Es ist schön, dass wir an Karfreitag frei haben und die Zeit für uns genießen können.“ Das Tanzverbot habe auch vor einigen Jahren keine Rolle für ihn gespielt. „Dann habe ich mich eben zu Hause mit Kumpels getroffen – uns hat das nichts ausgemacht.“

Kein Fleisch und keine Süßigkeiten

Kathrin Malorny, 40 Jahre, ebenfalls aus Duderstadt, erklärte: „Bei uns wurde der Kreuzigungstag immer traditionell, mit Bedacht und Ruhe gemeinsam in der Familie verbracht. Es gab kein Fleisch und keine Süßigkeiten – und das behalte ich bis heute so bei. Nur den Verzicht auf Musik und Fernsehen kann ich bei meinen Kindern irgendwie nicht durchsetzen …“ In ihrer Jugend habe ihr das Tanzverbot aber doch etwas ausgemacht. „Dann haben wir uns getroffen und Mitternacht entgegengefiebert, damit wir losziehen konnten.“

Respekt vor anderen Religionen

Wenn Christen im Gedenken an Jesu Tod am Kreuz an diesem Tag nicht tanzen, dann gebiete es der Respekt vor anderen Religionen, sich daran zu halten, sagen die Clausthaler Studenten Ata und Dogukan. Gastronom Khali Jouini, 47 Jahre, aus Bad Lauterberg hat für das Tanzverbot an Karfreitag kein Verständnis: „Ich halte davon als Muslim nichts – so wie die Mehrheit meiner Gäste.“

Entschleunigung

Der Duderstädter Propst Bernd Galluschke aus Duderstadt findet deutliche Worte für seine persönliche Bedeutung von Karfreitag: „Karfreitag ist für mich der stärkste Beweis der Liebe Gottes zu mir: Er stirbt für mich und nimmt alle Sünde auf sich.“ Welche Rolle das Tanzverbot für ihn spielt? „Ich meine der Gesellschaft tut Entschleunigung gut! Ein stiller Tag könnte dies spüren lassen. Noch sind wir knapp mehr als 50 Prozent Christen. Aber schon heute ist es schwierig mit dem Karfreitag ein Tanzverbot zu begründen. Daher bräuchte es eine mehrfache Begründung für eine Akzeptanz. Also grundsätzlich Ja zum Tanzverbot.“

Menschen für Stille begeistern

Auch Pastorin Sybille Fritsch-Oppermann aus Clausthal-Zellerfeld nennt den Karfreitag als wichtigsten kirchlichen Feiertag, auch „ganz persönlich und emotional“. Das Tanzverbot sei allerdings „eine ungute Vermischung von Kirche und Staat“. „Es wäre schön, wenn man Menschen für Stille begeistern kann, ohne ein Verbot auszusprechen. So ist es ein ‚Zwangschristentum’“, sagt sie.

Umfrage des Tages

Der Karfreitag zählt zu den gesetz­lich geregelten „stillen Feiertagen“ – was unter anderem das Tanzen an diesem Tag verbietet.

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Das sagen deutsche Musiker

(Bitte drehen Sie die Lautstärke am Karfreitag nicht auf)

Von Rüdiger Franke

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