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Duderstadt „Und stopp!“ – Vorcasting für Schutzengel
Die Region Duderstadt „Und stopp!“ – Vorcasting für Schutzengel
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19:01 23.08.2011
Von Ulrich Lottmann
Gestellte Kneipenszene in der Volksbank: Adrian Schulze (2.v.l.) und Christiane Aschoff (r.), beide Azubis bei Otto Bock, spielen den Gegenpart zu den Casting-Kandidaten Maren Pollmeier (l.) und Fabian Hartmann.
Gestellte Kneipenszene in der Volksbank: Adrian Schulze (2.v.l.) und Christiane Aschoff (r.), beide Azubis bei Otto Bock, spielen den Gegenpart zu den Casting-Kandidaten Maren Pollmeier (l.) und Fabian Hartmann. Quelle: Walliser
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Duderstadt

Ein nüchterner Konferenzraum im Tiefparterre der Volksbank. Die Aufgabe: zwei Freunde – gespielt von ... – davon abzubringen, betrunken Auto zu fahren. Die Jury: ein Polizist, ein Unternehmer, ein Fahrlehrer und seine Tochter im Discoalter, ein Kabarettist. Hier geht es nicht um die publikumswirksame Demütigung durch schnodderige Pop-Titanen. Hier geht es um die ernsthafte Prüfung von Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft durch ernsthafte Menschen. Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren konnten sich bewerben, um an dem Kinospot mitzuwirken, der für den Verein und seine Ziele werben soll. Sie sind an diesem Sonnabend in die Volksbank gekommen, weil sie Verkehrsunfälle vermeiden, Freunde vor Schaden bewahren, Spaß bei den Dreharbeiten für einen Kinospot haben wollen.

„Du willst doch nicht etwa fahren?“, steigt einer der Cas-ting-Teilnehmer in das Rollenspiel ein. ... hat drei leere Flaschen Bier vor sich stehen, die Autoschlüssel in der Hand. Er ist hartnäckig, will immer wieder aufstehen. „Warum soll er nicht fahren? Es passiert schon nichts“, assistiert ... . Die Casting-Kandidaten argumentieren, beruhigen, beschwören. „Und stopp“, ruft Dierk Falkenhagen, Präventionsbeauftragter der Duderstädter Polizei und Jury-Mitglied, mitten in die Szene. Er lenkt das Vorcasting und hat genug gesehen. Die nächsten Kandidaten warten.

Zügig füllen die Jury-Mitglieder den vorbereiteten Bewerbungsbogen aus. Artikulation, Mimik, Kreativität, Improvisationsfähigkeit gilt es auf einer Skala von dreifach Plus bis dreifach Minus anzukreuzen. Fahrlehrer Martin Post ist schnell durch. Er kennt seine Pappenheimer, die Jugendlichen sind sein Klientel, er weiß um ihre Überzeugungskraft bei ihren Altersgenossen. Seine Tochter Franziska nimmt sich mehr Zeit, überlegt kurz bei jedem Bewertungskriterium. Eine überzeugende Vorstellung der ersten Kandidaten, da sind sich die Jurymitglieder sicher. Die Messlatte liegt hoch.

Die nächsten Kandidaten kommen in den Konferenzraum. Die gleiche Aufgabe, der gleiche Ablauf: Vorstellung, kurzes Sammeln, Einstieg in die Spielszene, „und stopp“. Jurymitglied Peter Pawlowski, Inhaber einer Werbeagentur und Kabarettist, achtet besonders auf die Spontanität der Kandidaten, will sehen, wie sie reagieren. Er hat Erfahrung, hat gerade in der Jury eines anderen Castings gesessen. Leander Goldmann hingegen, Geschäftsführer eines Autohauses, macht das um ersten Mal. Mit „gesundem Menschenverstand“ will er die Bewerber beurteilen. Dabei ist ihm als Arbeitgeber die prüfungsähnliche Situation nicht fremd, er weiß, wie junge Menschen in solchen Situationen reagieren.

Vier Stunden dauert die Prozedur, stellen sich Kandidaten der Jury in immer neuen Rollenspielen vor. Eingestimmt werden sie von Klaus Kunstmann, dem Vorsitzenden des Vereins „Ich bin dein Schutzengel“. Eindringlich macht er das Ziel des Kinospots deutlich: „Sie sind diejenigen die - bildlich gesprochen- die Flügel ausbreiten sollen.“ Auch zum Schluss des Vorcastings ergreift Kunstmann das Wort. „Sie alle haben eine starke Leistung abgeliefert. Alle waren gut, manche waren etwas besser“, bereitete er die Enthüllung der Gewinner vor. Jaqueline Langer, Franziska Domeier, Maren Ballhausen, Elisabeth Goldmann, Kristina Gepfner und Maria Grobecker sowie Hayk Arakelyan, Fabian Hartmann, Adrian Schulze und Fabian Hebig gehen in die Endrunde am 26. August. Lena-Marie Diederich, Franziska Faßhauer, Oliver Beuleke und Niklas Kurth halten sich als Ersatzkandidaten bereit.

Am Freitag, 26. August, treten sie im Casting an, um eine der vier Hauptrollen und eine Nebenrolle zu ergattern. Um 18 Uhr geht es auf der Bühne an der Oberkirche beim Bürgerfest der Lebenshilfe los. Dann werden Dialoge eingeübt, die im Drehbuch der Göttinger Hochschule HAWK stehen, die das Projekt begleitet. Die anderen Bewerber können als Statisten teilnehmen. „Alle sind beim Film dabei“, verspricht Falkenhagen beim Vorcasting.