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Duderstadt Einsatzkräfte proben den Ernstfall
Die Region Duderstadt Einsatzkräfte proben den Ernstfall
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12:15 27.03.2018
Übung für die Rettungskräfte aus dem Landkreis Göttingen auf dem Pferdeberg.
Übung für die Rettungskräfte aus dem Landkreis Göttingen auf dem Pferdeberg. Quelle: Swen Pförtner
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Gerblingerode

Um 11.02 Uhr startet der Alarm. Unfall zwischen Gerblingerode und Tiftlingerode, rund 20 Verletzte. Was die Einsatzkräften nicht wissen: Sie werden zu einer Übung gerufen, die geheim geplant worden war. Das Ziel: Retter aus den Altkreisen Göttingen und Osterode sollten erstmals zusammenarbeiten.

Die Szenerie ist gespenstisch. Auf der alten Zollstraße am Pferdeberg steht ein Anhänger, darauf drei offenbar alkoholisierte junge Frauen, zwei von ihnen reglos. In unmittelbarer Nähe liegen zwei weitere Opfer. „Larissa heiratet“ steht auf einem Transparent an dem Hänger zu lesen. Hier sind die Teilnehmerinnen eines Junggesellinnenabschieds unterwegs. Blutüberströmt steht Larissa inmitten des Infernos. Wenige Meter weiter ist ein Pkw frontal gegen einen Baum gekracht. Darin zwei Frauen, die Fahrerin ganz still, die Beifahrerin schreiend vor Schmerzen.

Teenager bei Fahrübungen

Ulrich Lottmann, Sprecher des Landkreises Göttingen, steht am Rand und erläutert die Situation. Im Auto zwei Teenager, die Fahrübungen auf der kleinen Seitenstraße unweit des Grenzlandmuseums in Teistungen absolvierten, als ihnen das Fahrzeug mit der Feiergesellschaft entgegenkam. Das geriet ins Schlingern, viele der Frauen wurden herausgeschleudert, teils bis in den Wald und dort von der Straße aus nicht zu sehen.

Tim Hallmann vom Bevölkerungsschutz des Landkreises hat die Übung mit Kollegen der beteiligten Einrichtungen geplant. Eingebunden wurden Beteiligt werden das Deutsche Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter Unfallhilfe, die Firma R+ MediTransport sowie Feuerwehr und Polizei.

„Gezielte Überforderung“

Zehn Minuten nach Auslösen des Alarms trifft das erste Fahrzeug ein, der Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes. Als „gezielte Überforderung“ bezeichnet Lottmann das, was die beiden erste Helfer erwartet. Sie verschaffen sich einen Überblick über die Lage.

11.15 Uhr werden weitere Rettungskräften angefordert. Um 11.22 Uhr kommen zwei Feuerwehrfahrzeuge an der Unfallstelle zum Stehen, eines von jeder Seite. Die nächsten folgen darauf fast im Minutentakt. Ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr parkt direkt neben dem Unfall-Pkw. Schnell ist die Hydraulikschere ausgeladen und einsatzbereit. Währenddessen kümmern sich Sanitäter um die Verletzten.

Bergung vom Aussichtsturm

Später sollte sich die Lage übrigens noch zuspitzen. Auf einem nahegelegenen Aussichtsturm erfahren Larissas Eltern von dem Unfall, der Vater erleidet einen Anfall und muss von den Einsatzkräften geborgen werden.

Um 13.14 Uhr endete die Übung. Die Beteiligten zogen ein positives Fazit. Die Führung und die Zusammenarbeit habe gut funktioniert, teilte Lottmann mit. Alle vermeintlich Verletzten seien versorgt und alle medizinischen Aufgaben gelöst worden. Einige Probleme habe es in der Kommunikation gegeben, und die unzureichende Kennzeichnung der Übungsleitung wurde bemängelt, die das Unterscheiden von Verletzten und Beobachtern erschwert habe. Das allerdings trübte das positive Bild nur unwesentlich. „Ziel erreicht“, waren sich die Organisatoren schließlich einig.

Von Peter Krüger-Lenz

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