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Duderstadt Klosterschätze auf Papier
Die Region Duderstadt Klosterschätze auf Papier
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00:24 16.05.2018
Wertvolle Dachbodenfunde haben die Ursulinen in Duderstadt jetzt restaurieren lassen. Sie präsentierten die Bücher im Kloster. Quelle: Tina Hey
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Duderstadt

Vor drei Jahren hatte die Hamburgerin Elisabeth Sohst mithilfe ihrer jüngeren Schwester, der Geschäftsführerin des Klosters Ingeborg Wirz, mit der Kategorisierung der Bücher begonnen: „Immer, wenn ich hier zu Besuch war, schleppten wir hunderte von Büchern nach unten und stapelten sie in einem Raum.“ Dort wurden zunächst alle Titelseiten fotografiert und später mithilfe von Internetrecherche nach Erscheinungsjahren sortiert. Klosteroberin Barbara Wien nannte es das „Erwachen aus dem Dornröschenschlaf“.

Sohst arbeitete rund zehn Jahre als Bibliothekarin in der Nordelbischen Bibliothek in Hamburg, bevor sie aufgrund ihres Alters aufhören musste. Freunden in Hamburg erzählte sie von dem bedauerlichen Zustand mancher Bücher aus der Sammlung und bekam „überraschend“, wie sie sagt, Unterstützung zweier Stiftungen: Der Gerhard-und-Katharina-Hoffmann- und der Jürgen-und-Monika-Blankenburg-Stiftung. Diese stellten die finanziellen Mittel für die Restaurierung von fünf Büchern zur Verfügung. „Es wird aber weitergehen“, versicherte Wirz.

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Entstanden noch vor dem Buchdruck

Die Restauratorinnen Julia Künzel und Nora Velensek vom Atelier Michael Rothe übernahmen unter anderem die Restauration des ältesten Buches aus dem Buchbestand der Klosterbibliothek: „Missale Basiliense“ von 1488. „Das entstand noch vor dem Buchdruck und ist etwas ganz besonderes“, schwärmt Wirz. Erstaunlich sei zudem, dass nicht genau gesagt werden kann, warum es im Bestand auftaucht, meint Archivarin Bettina Bommer: „Der Ursulinenorden wurde erst 1535 gegründet.“

Den Grundstein für die Klosterbibliothek Duderstadt hatten fünf Ursulinenschwestern aus Erfurt gelegt, die am 20. August 1700 nach Duderstadt kamen, um jungen Frauen Bildung zu ermöglichen. Mit im Gepäck hatten sie laut Bommer 26 Bücher, darunter religiöse Schriften wie die Bibel, aber auch „Die Geheimnisse des geistlichen Lebens“ von 1697, welches noch heute im Besitz des Klosters ist. „Ich bin erstaunt und dankbar, wie gut die Bücher über Jahrhunderte erhalten worden sind“, sagt Bommer.

„Der Buchrücken ist immer problematisch“

„Der Buchrücken ist immer problematisch, da er durch das Aufschlagen immer benutzt wird“, sagt Velensek und erklärt anhand einer Power-Point-Präsentation die Restaurationsarbeiten an den einzelnen Büchern. Bei vier der fünf Bücher sind die Bucheinbände aus Leder. „Ist der Einband beschädigt müssen wir, um die Ästhetik des Buches zu erhalten, Leder finden, das sowohl von der Dicke als auch von der Farbigkeit passt.“ Ein weiteres Problem sei die Hitze auf dem Dachboden gewesen: „Leder und Pergament sind organisches Material und schrumpfen bei Wärme“, erklärt die Restauratorin. „Wir hatten mit Einband und Buchblock zwei Puzzleteile, die nicht zusammenpassten.“ Um das Leder wieder in Form zu bringen, muss es in „einem sehr langen Prozess“ befeuchtet, beschwert und dann gedehnt werden.

Ursulinen präsentieren wertvolle restaurierte Bücher

Bei Pergament sei das nicht so, erklärt Künzel: „Leder ist noch einigermaßen flexibel, aber Pergament ist störrisch.“ Der restaurierte Ganzpergamenteinband des „Hieremiae Drexell“-Bandes von 1662 lag aus. „Heute dürfen Sie das, was sie sonst nie dürfen: Anfassen“, sagte Velensek. Mit vorsichtigen Bewegungen blätterten die Besucher, allerdings mit weißen Stoffhandschuhen, die alten Seiten um. Währenddessen erklärte Künzel unter anderem das Prinzip der Trockenreinigung: Mit Bürste und Radierschwamm werden Staub, Schmutz und Sand entfernt.

„Ich bin beeindruckt und dankbar, dass die Ursulinen sich wieder der Vergangenheit widmen und damit auch die Zukunft gestalten“, sagte Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU), der als Gast eingeladen war. „Hier ergänzen sich die einmaligen Bestände der Stadt mit denen der Ursulinen, und verdeutlichen, dass Kulturgut nicht nur in Bauten und Architektur, sondern auch im Bereich der Kunst und Kultur zu finden ist.“ Ähnlich sah das auch Monika Suchan, Direktorin der Dombibliothek Hildesheim, die in ihrer Rede Bibliotheken als Wissensfundament unserer Gesellschaft bezeichnete: „Nur wer sich erinnert, kann eine Zukunft gestalten.“

Von Madita Eggers

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