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Duderstadt Ausstellung in Duderstadt widmet sich Euthanasie-Opfern
Die Region Duderstadt Ausstellung in Duderstadt widmet sich Euthanasie-Opfern
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15:59 11.08.2018
Gedenkveranstaltung für südniedersächsische Opfer der Kindereuthanasie – hier Stefan Koch, Carola Rudnick mit Edith Wahle und Britta Boden-Wahle (v.l.) Quelle: Eichner-Ramm
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Duderstadt

Vier Opfer der Kindereuthanasie stammen Stefan Koch zufolge aus Südniedersachsen. Die Dokumentation des Journalisten und die Sonderausstellung der Euthanasie-Gedenkstätte Lüneburg geben ihnen ein Gesicht. An der Gedenkveranstaltung am Sonnabend nahmen auch Angehörige der Opfer teil.

Unter den Angehörigen, die am Sonnabendvormittag in die Räume der Sparkasse Duderstadt gekommen waren, waren auch Britta Boden-Wahle, die heute in Weimar lebt, und Edith Wahle aus Göttingen. Ingeborg Wahle ist eines der vier Kindereuthanasie-Opfer aus Südniedersachsen und Bodem-Wahles Tante und Wahles Schwägerin. Dass ihre Angehörige aufgrund ihrer Behinderung in der Kinderpsychiatrischen Anstalt in Lüneburg ihr Leben lassen musste, sei in der Familie lange Zeit ein Tabu gewesen, sagte Edith Wahle. Zur Gedenkveranstaltung nach Duderstadt seien sie nun mit drei Generationen gekommen.

Opfern ein Gesicht geben

Die Ausstellung und die Dokumentation des Journalisten Stefan Koch gibt den Opfern der Kindereuthanasie in Südniedersachsen ein Gesicht. Bei den vier Betroffenen, denen sich Kochs Dokumentation widmet, handelt es sich um Elisabeth Stemme aus Ebergötzen, Ingeborg Wahle aus Göttingen, Heinz Schäfer aus Bovenden und Julius Koch aus Duderstadt. Kochs Dokumentation trägt den Titel „Zur Erinnerung an Elisabeth, Heinz, Ingeborg und Julius“. Den Worten von Gastgeber Uwe Hacke, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Duderstadt, zufolge handle es sich um die Schicksale von vier jungen Menschen aus der Umgebung, die der Kindereuthanasie zum Opfer gefallen sind. Die Veranstaltung solle helfen, „das Unbegreifliche ein bisschen begreifbarer zu machen“.

Das Gedenken an eines der dunkelsten Kapitel der NS-Zeit am Vormittag, am Abend dann die NDR Sommertour und die Stadtwette – das passe Hackes Worten zufolge, „denn positive Ereignisse kann man erst dann genießen, wenn man sensibel dafür ist, dass es auch eine andere Seite gibt“. Und auch die Historikerin und Leiterin der Euthanasie-Gedenkstätte Lüneburg, Carola Rudnick, setzte beide Veranstaltungen in Bezug. Der Zirkus, Thema der Stadtwette, stehe für Diversität und Vielfalt, wo Abweichung von der Norm nicht stigmatisiert sondern wertgeschätzt werde.

Angehörige „tragen schwer“

Stefan Koch war bei den Recherchen in eine, wie er am Sonnabend sagte, „düstere Welt“ eingetaucht. Die Täter von einst hätten nach dem Krieg ihren Beruf unbehelligt weiter ausgeübt oder sogar Karriere gemacht. Rudnick berichtete darüber, wie es zu der Ausstellung mit den Familiengeschichten der zwölf dargestellten Kindereuthanasie-Opfer kam, warum es so schwer gewesen sei, Angehörige zu finden, aber auch über die Täter von einst. Zur Verantwortung gezogen wurden weder der Mediziner, der für die Ermordung der Lüneburger Euthanasie-Opfer verantwortlich zeichnete, noch der Ärztliche Direktor oder die Pflegerin, die damals den Kindern die tödlichen Medikamente verabreicht habe. „Angehörige der Opfer tragen sehr schwer“, sagte Rudnick, „aber die Angehörigen der Täter tragen genauso schwer“ – etwa wenn sie von den Taten des Vaters oder der Tante erfahren oder versuchten deren Handeln zu verstehen.

Lothar Koch, Duderstadts Bürgermeisterstellvertreter, früherer CDU-Landtagsabgeordneter und Vater von Stefan Koch, sagte: „Es gibt kein Wohin, ohne zu wissen woher – gerade bei diesem Thema“. Er betonte, das Thema Euthanasie könne man nicht an der Zahl der Opfer messen, sondern vielmehr „an der unendlichen Unmenschlichkeit“. Auch er wies er darauf hin, dass die Täter nach dem Krieg wie selbstverständlich „in höchster beruflicher Verantwortung“ standen.

Sonderausstellung bis 24. August

Die Sonderausstellung über zwölf Familiengeschichten von Euthanasie-Opfern aus Lüneburg ist erstmals in Südniedersachsen zu sehen. Geöffnet ist die Schau zu den üblichen Öffnungszeiten der Sparkasse Duderstadt in deren Kundenhalle, Bahnhofstraße 41 in Duderstadt noch bis zum 24. August. Kochs Dokumentation ist in der Buchhandlung Mecke in Duderstadt erhältlich.

Von Britta Eichner-Ramm

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