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Duderstadt Dauerthema Fußgängerzone
Die Region Duderstadt Dauerthema Fußgängerzone
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00:24 15.06.2019
Auf der Duderstädter Marktstraße mit historischem Rathaus ist Fußgängerzone. Quelle: Christina Hinzmann / GT
Duderstadt

Der Verkehr in der Fußgängerzone in Duderstadt – ganz gleich ob fließend oder ruhend – ist ein Dauerthema. Die SPD möchte über die Problematik diskutieren und hat zur bevorstehenden Ortsratssitzung einen entsprechenden Antrag angekündigt.

„Wir wollen erreichen“, argumentiert Doris Glahn, Fraktionsvorsitzende der SPD im Ortsrat Duderstadt, „dass die Lenkungsgruppe Fußgängerzone wieder ins Leben gerufen wird“. Ziel sei es, nach vier Jahren, die es die Fußgängerzone in Duderstadt inzwischen gebe, zu überprüfen, was inzwischen geschehen ist und wo gegebenenfalls nachgebessert werden müsse. „Welche neuen Ideen gibt es, die Attraktivität der Innenstadt zu steigern“, führt Glahn aus. Die Wasserspiele und das Trampolin seien Ergebnis der damaligen Arbeitsgruppen gewesen.

„Klagen sind nicht verstummt“

Mit Blick auf den spektakulären Unfall vor einigen Wochen, als eine Seniorin mit ihrem Fahrzeug in gleich zwei Schaufenster gekracht war, sollte nach Auffassung der SPD auch wieder über das Thema Verkehr in der Fußgängerzone nachgedacht werden. „Die Klagen sind nicht verstummt“, sagt Glahn über immer wieder kehrende Kritik an Fahrzeugverkehr insbesondere auf der Marktstraße.

So schlägt die SPD unter anderem vor, zunächst Fakten zu sammeln, beispielsweise durch Verkehrszählungen, die Situation zu bewerten und gegebenenfalls nachzubessern. Auch soll die bestehende Satzung dahingehend überprüft werden, ob „gewisse Dinge griffiger formuliert werden müssen“, so Glahn im Vorfeld der Ortsratssitzung am Donnerstag, 13. Juni. „Berechtigte sollen in die Innenstadt hinein fahren dürfen“, betont die SPD-Fraktionsvorsitzende, aber gegebenenfalls müsse geprüft werden, ob verstärkt zu kontrollieren wäre.

„Stärker reglementieren und kontrollieren“

„In der Fußgängerzone ist viel zu viel Verkehr“, so die Feststellung des Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Ortsrat, Heinrich Schilling. Es müsse weiter reglementiert und stärker kontrolliert werden, fordert er. In Duderstadt seien ja keine Entfernungen zurückzulegen, argumentiert Schilling, und es gebe genügend Parkmöglichkeiten. Den Vorstoß der SPD, das Thema aufzugreifen, unterstütze seine Fraktion. Auch seitens der Wählergemeinschaft Duderstädter Bürger (WDB) signalisiert Unterstützung, wenn es um das Thema Verkehrsberuhigung in der Innenstadt geht. „Wir treten dafür ein, dass die Fußgängerzone bleibt,“ sagt WDB-Fraktionsvorsitzender Thomas Gerlach. Gegebenenfalls müsse die Satzung angepasst werden. Außerdem plädiere die WDB-Fraktion dafür, dass der Verkehr stärker kontrolliert und sanktioniert werde. Insbesondere an Sonntagen führen viele mit dem Auto in die Fußgängerzone, um Brötchen zu holen, nennt Gerlach ein Beispiel. Nicht jeder Ziel- und Quellverkehr in der Innenstadt sei nachvollziehbar.

„Mut zu Veränderungen“ haben

„Die Situation ist seit Jahren dieselbe“, stellt Thorsten Feike, Vorsitzender der FDP-Fraktion fest und sieht in Duderstadt das Problem, „dass wir uns nicht trauen, etwas Neues auszubrobieren“. Er schlägt eine „echte Fußgängerzone zwischen Rathaus und St.-Servatius-Kirche“ vor. Außerdem plädiert Feike für klare Regeln, was zum Beispiel Lieferzeiten angeht. „Wir sollten den Mut haben, eine Veränderung herbeizuführen“, auch auf die Gefahr hin, dass das nicht sofort „der Weisheit letzter Schluss“ sei. Nach einen halben Jahr sollte ein Resümee gezogen werden.

Den Verkehrsunfall der älteren Dame vor einigen Wochen als Anlass für eine Grundsatzdiskussion über Sinn und Zweck einer Fußgängerzone zu nehmen, lehnt CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Rössing-Schmalbach ab. Er sagt aber auch, dass wirklich nachgedacht werden müsse, auf welche Art und Weise die Fußgängerzone genutzt werde. Kernproblem sei, dass alle Interessen berücksichtigt werden müssten – die der Geschäftsleute und der Innenstadtbewohner ebenso wie die derjenigen, die in Ruhe durch die Stadt schlendern wollen. Seine Fraktion habe schon 2014 vorgeschlagen, Zufahrtszeiten zeitlich zu befristen und nach einer Probephase „zu gucken, was läuft gut und was nicht“. „Das ist längst überfällig“, so Rössing-Schmalbach. Er signalisierte Bereitschaft, über das Thema zu diskutieren, allerdings „nicht ohne klare Zielvorgabe“ und „nicht zwischen Tür und Angel“.

Innenstadt muss attraktiv bleiben“

Die Innenstadt müsse weiterhin für Geschäftsleute und Kunden, aber auch für Einwohner attraktiv bleiben, betont Hubertus Werner, Geschäftsführer von Treffpunkt Stadtmarketing. Zu enge Zeitfenster beispielsweise für die Anlieferung der Geschäfte lehnt er ab. „Das muss zu jeder Tageszeit möglich sein“, sagt er mit Blick auf die Aktivitäten von Duderstädter Händlern auch online. Und auch Hotelgästen müssen jederzeit eine Anfahrt möglich sein. Werde das Thema nun noch einmal auf den Tisch gebracht, müsse es sachlich und ohne Lobbyarbeit angegangen werden, fordert Werner.

Würde der Blick auf die Erfahrungen umliegender Kommunen mit ihren Fußgängerzonen helfen? „Da gibt es auch Negativbeispiele“, so Werner. In Herzberg und Osterode zum Beispiel seien die Innenstädte stärker leer gelaufen als Duderstadt, meint er. Werde eine Fußgängerzone „ganz zu gemacht“, glaubt Werner, würden einige Immobilienbesitzer ihre Immobilien verkaufen. Werner könnte sich eine „temporäre Regelung“ der Zufahrtsmöglichkeiten in die Duderstädter Innenstadt „gut vorstellen“. Auch wäre über eine Einbahnstraßenregelung nachzudenken.

Viele Städte in der Bundesrepublik hätten ihre Fußgängerzonen erheblich verkleinert, sagt der Treffpunkt-Stadtmarketing-Geschäftsführer. Auch darüber könnte nachgedacht werden.

Erfahrungen aus Hann. Münden und Osterode

In der Stadt Osterode am Harz ist die Fußgängerzone für den Straßenverkehr gesperrt. „Wir haben feste Anlieferungszeiten für die Anlieger und den Lieferverkehr in der Fußgängerzone von 5 bis 12 Uhr und von 18.30 bis 19.30 Uhr“, teilt Verwaltungsmitarbeiterin Mareike Klostermann mit. „Die Überwachungskräfte kontrollieren diese auch, sporadisch wird mit der Polizei auch der fließende Verkehr überwacht.“ Die Erfahrungen mit den Anlieferungszeiten bezeichnet Klostermann als „überwiegend positiv“.

Auch in Hann. Münden gelten in der Fußgängerzone Lieferzeiten: von 6 bis 11 Uhr, 13 bis 156 Uhr und von 18 bis 22 Uhr. „Außerhalb der Lieferzeiten ist kein Fahrzeugverkehr zulässig“, sagt wie zum Beispiel Poller gebe es nicht. „Die Regelung wurde durch entsprechende Beschilderungen vorgenommen.“ Kontrolliert werde der ruhende Verkehr durch die Stadt Hann. Münden, der fließende Verkehr durch die Polizei. „Die gemeinsam mit der Polizei gemachten Erfahrungen sind positiv. Die Lieferzeiten sind weit gefasst, so dass Gewerbetreibende sehr gut angeliefert werden können und auch Anwohner die Möglichkeit haben, vor Ihre Wohnungen/Häuser zu fahren, um zu be- und entladen. Daneben gibt es die übrigen Zeiten der reinen Fußgängerzone, in denen kein Kraftverkehr in diesem Bereich zulässig ist“, schildert Bytom die Erfahrungen in Hann. Münden.

Erfahrungen in Northeim

Diskussionen um Verkehr in der Fußgängerzone hat es auch in Northeim gegeben. „Die vorhergehende Beschilderung wurde von den Fahrzeugführern massenhaft ignoriert, besonders in den Abend-und Nachtstunden wurde die Fußgängerzone regelmäßig als Abkürzung missbraucht“, berichtet Bürgermeister Simon Hartmann (SPD). Dieser nächtliche Verkehr habe auch zu Beschwerden der Anlieger geführt. „Aus diesem Grund wurden auf Höhe der Alten Poststraße und der Kurzen Straße Absperrpfosten eingebaut, um das Durchfahren in Ost-West Richtung zu verhindern.“ Darüber hinaus sei im Bereich der Mühlenstraße und der Wieterstraße eine Einbahnstraßenregelung eingerichtet worden, um das Durchfahren in Nord-Süd Richtung zu verhindern. Ein Ausfahren aus der Fußgängerzone ist Hartmann zufolge in diesem Bereich nur noch aus der Breiten Straße möglich, welche auch eine Einbahnstraße ist. „Die gewählten Maßnahmen werden positiv aufgenommen und haben nach Aussagen der Anlieger schon zu einer Verkehrsberuhigung geführt“, so die Bilanz des Northeimer Bürgermeisters.

Bestehenden Regelungen in Duderstadt

In Duderstadt gibt es die Satzung über die Sondernutzung mit Fahrzeugen in der Fußgängerzone. Danach hat der Rat der Stadt am 9. Juli 2015 unter anderem beschlossen, dass für gewerblichen Lieferverkehr (durch gewerbliche Transportunternehmer und Gewerbetreibende) „uneingeschränkter Lieferverkehr“ möglich ist. Außerdem ist laut Satzung folgende Sondernutzung erlaubnisfrei: Ein- und Ausfahrt für und durch Anwohner der Fußgängerzone zur Durchführung von Lieferungen und Leistungen ohne zeitliche Beschränkung mit Ausweis.“

Weiterhin dürfen Schwerbehinderte mit „außergewöhnlicher Gehbehinderung und Blinde für die Dauer der Gültigkeit des Schwerbehindertenparkausweises“ in die Fußgängerzone fahren, „sofern die Fahrt dem Transport dieses Personenkreises dient“. Dies „gilt auch für Begleitpersonen oder Beförderungsunternehmen.“ Außerdem erlaubt sind laut Satzung „Taxi- und Mietwagenzielverkehr, dringende private Krankentransporte und Arztbesuche; unaufschiebbare Transporte von zum Beispiel Arzneimitteln, ärztlichen Geräten und Geldsendungen der Kreditinstitute“ sowie Müllabfuhr, Winterdienst, Linien- und Touristenbusse. Schließlich erlaubt die Satzung auch Übernachtungsgästen des „Hotel Zum Löwen“ die Zufahrt zum Be- und Entladen.

Geregelt wird auch, dass Zu- und Abfahrten mit Fahrzeugen in der Fußgängerzone „auf kürzestem Weg durchzuführen sind“ und der Aufenthalt der Fahrzeuge auf die „unbedingt notwendige Dauer zu beschränken“ ist. Als Höchstgeschwindigkeit ist Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben, Fußgänger haben Vorrang vor dem Fahrzeugverkehr.

In den Schlussbestimmungen der Satzung heißt es: „ Die Verkehrsregelungen für die Fußgängerzone werden ebenso wie die übrigen Inhalte des Verkehrskonzeptes für die Innenstadt von Duderstadt regelmäßig überprüft und nötigenfalls in Abstimmung mit Bürgern, anderen Behörden und dem Rat der Stadt Duderstadt weiterentwickelt.“

Sie erreichen die Autorin unter b.eichner-ramm@eichsfelder-tageblatt.de.

Von Britta Eichner-Ramm

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