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Duderstadt Wallfahrt der Sinti und Roma
Die Region Duderstadt Wallfahrt der Sinti und Roma
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18:36 21.07.2009
Wolfgang Patzelt
Wolfgang Patzelt Quelle: CH
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„Warum gibt es in Deutschland keine Wallfahrt für uns?“, beklagten sich Oberhäupter von Sinti- und Roma-Großfamilien bei Wolfgang Patzelt. „Warum eigentlich?“, grübelte der Geistliche nachts im Bett. Am nächsten Morgen stand für ihn fest: „Wir organisieren eine solche Wallfahrt.“ Im Sinti- und Roma-Verein aus Bremerhaven fand er einen Partner.

Als er in Germershausen anfragte, öffneten sich ihm Türen. Patzelt ist im Eichsfeld kein Unbekannter. Einst diente er in Gieboldehausen als Kaplan. Später war er 15 Jahre lang Pfarrer in Bilshausen. Heute ist er bischöflicher Beauftragter für die Sinti und Roma. Als „großes Abenteuer“ betrachte er sein Amt, meint Patzelt.

Mühsam baut Patzelt Kontakte auf. 50000 Kilometer fährt er im Jahr. Wichtig sei es, sich Zeit zu nehmen. Er habe sogar versucht, Romanes zu lernen, die Sprache der Volksgruppe. Er gab auf: „Es gibt keine grammatischen Regeln“, klagt er.

Pfarrer als „Zauberer“

Ein Wort aber beherrscht er: Rashai, „Zauberer“. So nennen die Sinti Pfarrer. Der Rashai segnet Wohnungen und Kinder. Davon gibt es viele, freut sich der Katholik. Beeindruckt zeigt sich Patzelt zudem von der Autorität, die alte Menschen bei den Sinti und Roma genießen. Fasziniert hat ihn auch ihre Freundlichkeit. Die Volksgruppe sei zurückhaltend, freue sich aber, wenn ihr die Mehrheitsbevölkerung Aufmerksamkeit schenke. Traurig mache ihn hingegen die Armut. Häufig würden die Sinti und Roma von Hartz IV leben.

Für den Pfarrer steht fest: „Wir Deutschen haben diese Minorität aufgetragen bekommen und müssen nun ihre menschenwürdige Behandlung sicherstellen.“ Es reiche nicht, bei Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Naziregimes betreten zu gucken. Der Staat müsse sich mehr um die Bildung der Sinti und Roma kümmern. Es gebe viele, die nicht lesen und schreiben könnten. Kluge Kinder würden in der Schule zum Teil ausgegrenzt.

Von Michael Caspar

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