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Duderstadt Wanderreiter aus dem Havelland erkunden deutsch-deutsche Geschichte
Die Region Duderstadt Wanderreiter aus dem Havelland erkunden deutsch-deutsche Geschichte
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07:16 13.09.2019
Die Wanderreitergruppe auf dem Weg zu ihrem Pausenplatz in der Nähe des Grenzlandmuseums in Teistungen Quelle: Garben
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Teistungen

Im November jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal. Das hat eine Gruppe von Wanderreitern zum Anlass genommen, vier Wochen lang am Grünen Band entlang zu reiten. Dabei haben sie viel über das einst geteilte Deutschland gelernt.

Sonne, aber nicht zu heiß, und ein angenehmer Wind – die Bedingungen für eine Mittagspause am Grenzlandmuseum Eichsfeld waren am Donnerstagmittag ideal. Wie jeden Tag bereitete Wanderrittführerin Sabine Zuckmantel einen Salat und regionale Spezialitäten vor, während sich der Rest der Gruppe von Mira Keune durch das Museum führen ließ.

Vor fast vier Wochen sind die ersten Reiter vom ehemals geteilten Dorf Mödlareuth mit 15 Pferden gestartet. Die Teilnehmer wechseln, manche bleiben nur eine Woche, andere den ganzen Monat. Insgesamt werden die Reiter 700 Kilometer hinter sich lassen.

Ein anderer Lebensrhythmus

Bärbel Feltrini ist eine der wenigen, die die gesamten vier Wochen mitreitet. Sich für einen so langen Zeitraum vom Alltag zu verabschieden, sei etwas Besonderes. „Man kommt in einen ganz anderen Lebensrhythmus“, sagt sie. Die Frankfurterin hat das Thema Grünes Band „sehr angesprochen“. Denn zurzeit der Grenzöffnung habe sie in Westberlin Politikwissenschaften studiert. Die riesige Veränderung für Deutschland, die friedlich abgelaufen sei, „hat mich damals sehr berührt“. Ihre 18-jährige Tochter habe sie während der ersten zwei Woche begleitet und es sei spannend gewesen, mit einem jungen Menschen unterwegs zu sein, der „es gar nicht mehr anders kennt als ohne die Grenze“.

Wanderritte wie den entlang des Grünen Bandes bietet Zuckermantel seit 19 Jahren an. 220 Tage im Jahr sind sie und ihr zehnköpfiges Team unterwegs. Pro Tag legen die Reiter zwischen 20 und 30 Kilometer zurück. Einmal in der Woche gönnen sie sich einen Pausentag. Den verbringen sie am Freitag in Duderstadt, wohin es nach ihrer Übernachtung in Nesselröden weitergeht. Um die Stadt kennenzulernen, steht eine Schnitzeljagd auf dem Programm.

Wanderreiter besuchen das Grenzlandmuseum Teistungen

Die meisten Teilnehmer reiten auf einem Pferd, das ihnen gestellt wird. Doch Ludwig, der nur seinen Vornamen nennen möchte, hat sein eigenes Pferd mitgebracht. „Obama“ und er begleiten die Gruppe eine Woche lang. Wanderreiten so wie Zuckermantel es anbietet, sei „Fünf-Sterne-Urlaub mit Pferd“, sagt er. „Wenn man Glück hat, ist man mehrere Stunden am Tag ganz still“, ergänzt Anke Durt. Sie ist die Trossfahrerin der Gruppe und sorgt dafür, dass Gepäck, Equipment und Verpflegung von A nach B kommen. „Man könnte auch hardcore unterwegs sein, nur mit Satteltaschen“, sagt Zuckermantel. Aber das würde bedeuten sowohl das Futter für die Pferde, die eigene Ausrüstung und Verpflegung unterbringen zu müssen. „Da ist die gute Laune schnell dahin.“ Und so haben die Reiter „tagsüber Abenteuer und abends eine ordentliche Dusche, ein ordentliches Bett, ein ordentliches Essen“.

Nicht nur die Natur können die Reiter anders erleben, auch die Begegnungen mit den Menschen vor Ort hinterließen oft einen bleibenden Eindruck, erzählt Mitarbeiterin Jana Hess. Vor wenigen Stunden seien sie beispielsweise auf ein altes Paar getroffen. Der Mann, den sie auf über 80 schätzt, sei blind gewesen und mit seinem Stock durch die bergige Landschaft gewandert. „Wie mutig in dem Alter“, betont sie.

Endstation Brochthausen

Lustig sei es geworden, als sie einmal zufällig die Politiker Gregor Gysi (Die Linke) und Bodo Ramelow (Die Linke) getroffen hätten. Da „haben wir mit den Herren bei brütender Hitze geschnattert“, berichtet Zuckermantel. So hätte Gysi erzählt, was er über Springsport weiß.

Am Sonnabend endet die vierwöchige Tour in Brochthausen. Doch damit ist der Ritt auf den Spuren der deutsch-deutschen Geschichte noch nicht vorbei. 2020, dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung, geht es vom Harz bis an die Ostsee.

Wanderreiten

Unter Wanderreiten werden Wanderungen zu Pferd bezeichnet, die sich häufig über mehrere Tage erstrecken. Es gehört zu den ältesten Formen der Pferdenutzung durch den Menschen. Im Vordergrund stehen dabei das Naturerlebnis, die Verbundenheit zum Tier und die Gemeinschaft der Reiter. Die Teilnehmerzahl kann von nur zwei Personen bis zu einer großen Gruppe stark variieren. Hauptgangart beim Wanderreiten ist der Schritt, meist kommen jedoch – abhängig von den Bodenverhältnissen und der Erfahrung der Reiter – alle drei Gangarten zum Zug. Übernachtet wird in Zelten, im Gasthof oder auf Höfen, die darauf ausgerichtet sind. Proviant und Gepäck führen die Reiter in Satteltaschen entweder selbst mit oder es gibt Packpferde, die das übernehmen. Manche Gruppen lassen sich auch von einem Auto begleiten, das die Ausrüstung zum jeweiligen Tagesziel bringt. Mittlerweile hat sich im Internet ein breites Netzwerk gebildet, auf dem Wanderreiter sich über Routen, Einkehrmöglichkeiten und Ausflugstipps austauschen können.

Von Nora Garben

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