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Duderstadt Was bringen Bus-Scouts? Schüler fragen Fahrer
Die Region Duderstadt Was bringen Bus-Scouts? Schüler fragen Fahrer
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18:43 05.07.2011
Befragen die Fahrer: Die Bus-Scouts Jonas Dornieden und Svenja Maring im Bus von Rainer Hofmeister.
Befragen die Fahrer: Die Bus-Scouts Jonas Dornieden und Svenja Maring im Bus von Rainer Hofmeister. Quelle: Thiele
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„Wenn hier vorne Gedränge ist, sehe ich nicht alles, was hinten passiert“, sagt Busfahrer Lars Ballhausen. Welche Formen Schülerfrust auf der Heimfahrt annehmen kann, entdeckt Ballhausen oft erst nach der letzten Fahrt: beschädigte Sitze, Schmierereien, haufenweise Müll. „Aber insgesamt ist das Problem besser geworden“, stellt er fest. Das liege an den Bus-Scouts, bestätigt sein Kollege Tobias Morick. „Seit die im Einsatz sind, gibt es weniger Müll, weniger Rangeleien, und es ist weniger kaputt“, sagen die Fahrer.

„Mit über 100 Neuzugängen in jedem Jahrgang können wir inzwischen jede Schulbuslinie im Untereichsfeld mit Scouts besetzen“, schildert Polizist Dierk Falkenhagen die rasante Entwicklung des Bus-Scout-Projekts. Zusammen mit Axel Kaldeich vom Busunternehmen Rosenthal schult er die Jugendlichen, die ehrenamtlich Bus-Scout werden möchten.

Aber Ausbildung allein reicht den Schülern nicht, sie wollen auch Ergebnisse sehen. Aus diesem Grund stehen die Scouts von der Heinz-Sielmann-Realschule mit einem Stapel Fragebögen am ZOB und bitten die Busfahrer um ihre Meinung. Fünf Fragen sind mit Kreuzchen zu beantworten, das ist schnell zu erledigen, ohne in Zeitverzug zu kommen.

Fast alle Fahrer erklären sich bereit, Auskünfte zu geben. Das Resultat: Alle Befragten kennen das Konzept der Bus-Scouts, aber nur die Hälfte hat bereits einen Einsatz der Jugendlichen erlebt. Mit den Verhältnissen im Schülerverkehr sind die Fahrer auf den jeweiligen Linien relativ zufrieden, und die Durchführung des Projekts finden alle gut. Auch Tipps konnten die Befragten den Scouts geben. Da hieß es im Konsens: gezielter auftreten, deutlicher werden. Jonas Dornieden kennt als Bus-Scout die Probleme mit der Anerkennung: „Jüngere Schüler finden es o.k., wenn wir sie ermahnen, nicht zu drängeln oder ihren Müll mitzunehmen, bei Älteren ist das manchmal schwieriger“, hat er festgestellt. „Aber wir sind immer mehrere Scouts im Bus, und wenn wir gemeinsam auftreten, sind auch die Älteren meistens einsichtig“, ergänzt seine Kollegin Svenja Maring. In ganz „dramatische Situationen mussten beide noch nicht eingreifen, „meistens geht es um Drängeleien und Sauberkeit“, sagen sie.

Rebecca Frölich sieht eine Entwicklung bei der Anerkennung: „Im ersten Jahr als Scout wurde ich gemobbt, weil sich die Schüler von mir verpetzt fühlten. Jetzt wissen die anderen mehr über die Arbeit der Scouts. Wir sind für viele zum Vorbild geworden, und Jüngere wollen auch gern Scout werden“, schildert sie ihre Erfahrung. „Früher war ich ängstlicher, aber durch die Teamarbeit bei den Scouts werden alle sicherer“, ergänzt Jonanda Schrader.

Dazu sagt Falkenhagen: „Die Schüler beginnen zu verstehen: Wenn man hilft, ist das kein Petzen, sondern Zivilcourage. Es gehört Mut dazu einzugreifen.“ Busfahrer Ballhausen bestätigt, dass oft schon die Anwesenheit der Scouts ausreiche, um Ärger zu vermeiden. „Ich muss einerseits auf den Verkehr achten, andererseits ein Auge auf die Fahrgäste haben. Das ist eine Erleichterung, wenn die Jugendlichen selbst aufeinander achten“, sagt er.

Ein Problem sei allerdings, dass zwar die Schüler wüssten, wer als Scout unterwegs ist, aber die Fahrer nicht, bedenkt Kaldeich. „Wichtig ist die Zusammenarbeit. Die Jugendlichen und die Fahrer können sich gegenseitig unterstützen, aber dazu müssen sie sich kennen“ , sagt er.

„Das Bus-Scout-Projekt gibt es erst seit zwei Jahren. Es entwickelt sich mit jeder neuen Erfahrung weiter. Daher haben wir die Fragebögen in Umlauf gebracht“, erklärt Falkenhagen. Auch Rebecca nimmt an der Aktion teil, um zu überlegen, was noch verbessert werden könnte.

Die Umfrage findet im gesamten Landkreis Göttingen statt. Entwickelt wurde sie in Zusammenarbeit der Polizei, der Schulen und des Verkehrsverbunds Südniedersachsen. In etwa einem halben Jahr sollen die Ergebnisse ausgewertet sein, um Anhaltspunkte und Vorschläge für die Weiterentwicklung des Bus-Scout-Projekts zu bekommen.

Von Claudia Nachtwey