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Duderstadt Den Circus-Clowns ist das Lachen vergangen
Die Region Duderstadt Den Circus-Clowns ist das Lachen vergangen
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17:18 02.04.2020
Carola und Frantisek Urban vom Circus Salino, der wegen der Corona-Krise auf dem Schützenplatz Duderstadt gestrandet ist. Quelle: Eichner-Ramm
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Duderstadt

„Das Leben ist stehen geblieben, ist ein anderes geworden“, sagt Frantisek Urban. Mehr als zwei Wochen schon steht der kleine Familiencircus Salino, dessen Direktor er ist, auf dem Duderstädter Schützenplatz. Nur zwei Tierzelte haben sie aufgebaut, denn in Folge der Corona-Krise dürfen sie ohnehin derzeit keine Vorstellungen geben. Und damit fehlen dem Circus jegliche Einnahmen.

Nach dem öffentlichen Hilferuf des Circus-Direktors vor gut einer Woche im Tageblatt hatte die Stadt Duderstadt dem kleinen Betrieb zugesagt, dass sie erst einmal bleiben dürfen und auch keine Platzgebühr bezahlen müssen. Und es haben bereits einige Landwirte aus dem Eichsfeld Futter und Heu gespendet. Auch erfuhr die Circus-Familie Unterstützung von Privatleuten und beispielsweise der Künstlerinitiative „Kunst bist Du...der Stadt“.

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„Wir bedanken und herzlichst“

Fürs Erste habe das etwas Erleichterung gebracht, sagen Frantisek Urban und seine Frau Carola, doch solange der Circus keine Vorstellungen geben könne, seien sie auch weiterhin auf Spenden angewiesen. Vor ihrem Wohnwagen hat das Paar einen Tisch aufgestellt, darauf eine Spendenbox und ein Schild mit dem Schriftzug „Wir bedanken uns herzlichst.“ Hier können auch kleinere Futterspenden direkt abgestellt werden. „Wir holen das aber auch gerne ab“, sagt das Familienoberhaupt.

Acht Mitglieder zählen zum Familiencircus Salino. Außer Carola und Frantisek Urban sind das die Söhne Dustin (24), Antony (23) mit ihren Frauen Josie (24) und Michelle (25), außerdem Franjo (17) und Neffe Jessie (30). Sie alle versuchen den Alltag ohne Auftritte so gut wie möglich zu meistern. Vor allem kümmerten sie sich um die Tiere, sagt der Direktor. 32 Tiere hat der Circus Salino – Kamele, Lamas, Alpakas, Ziegen, Pferde und Hunde. Sie bekämen täglich Auslauf, nachmittags würden die Dressuren geübt, „damit sie in Bewegung bleiben“, sagt Frantisek Urban. Und damit sie beschäftigt seien, ergänzt er. Die Kamele indes seien noch jung und müssten erst trainiert werden. Das bedürfe viel Geduld und Zuwendung. Sie seien erst seit vier Monaten beim Circus Salino.

Training für die Akrobaten

In Bewegung bleiben müssten auch die Familienmitglieder, die beim Circus Salino ihre Rolle hätten. Schwierig indes sei das Training für die Schwiegertöchter, so erzählen Carola und Frantisek Urban. Die seien nämlich Hochseilakrobatinnen, doch ohne großes Zelt und Manege gebe es auch keine Möglichkeit, das Hochseil aufzuspannen. Etwas einfacher in Form zu bleiben hätten es Handstandakrobat Dustin und Feuerfakir Antony. Und dann seien da noch Franjo und Jessie, die bei den Vorstellungen des kleinen Familiencircus Salino üblicherweise die Clowns geben. Bei der gegenwärtig schwierigen Lage, sei ihnen das Lachen zurzeit jedoch vergangen, sagt Carola Urban.

„Man ist so ausgeliefert, hilflos und machtlos“, ergänzt sie. Das habe ihr nach eigenen Angaben schon manche „schlaflose Nacht“ beschert. Denn Strom, Versicherung, Tierarztkosten liefen ja weiter. „Wir kommen ja sonst schon gerade so über die Runden“, sagt sie. Aber in der jetzigen Situation sorge sie sich sehr, wie die Familie alles bezahlen soll. Umso dankbarer sei sie für die Hilfsbereitschaft, die die Eichsfelder bisher gezeigt hätten.

Weitere Sach- und Geldspenden nimmt der Circus gern an. Wer helfen möchte, kann sich direkt an Frantisek Urban unter Telefon 0162/6943267 wenden oder aber direkt am Schützenplatz in Duderstadt vorbeikommen. Sobald die Behörden wieder Vorstellungen zulassen, will sich der Circus Salino bei den Unterstützern in Duderstadt mit einer Vorstellung bedanken.

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Sie erreichen die Autorin per E-Mail an b.eichner-ramm@eichsfelder-tageblatt.de oder unter Telefon 05527/9499712.

Von Britta Eichner-Ramm