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Duderstadt „Ich finde Kühe cool“: Mit Kuhflüsterer Daniel Wehmeyer beim Weidewechsel
Die Region Duderstadt „Ich finde Kühe cool“: Mit Kuhflüsterer Daniel Wehmeyer beim Weidewechsel
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00:21 01.05.2019
Besucher der Sielmann-Stiftung begleiten Daniel Wehmeyer, der sein Harzer Rotes Höhenvieh von einer auf die benachbarte Weide führt. Quelle: Eichner-Ramm
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Duderstadt

Man nennt ihn auch den Kuhflüsterer. Daniel Wehmeyer, der auf Gut Herbigshagen die landwirtschaftlichen Flächen bewirtschaftet, hat am Sonntag Besuchern demonstriert, wie eine Herde von einer Weide auf die andere gelangt.

Zahlreiche Kuh-Fans, in erster Linie Familien mit Kindern, aber auch einige Tier- und Naturfreunde, nutzten am Sonntagnachmittag die Gelegenheit, um beim Weide-Wechsel des Harzer Roten Höhenviehs am Naturerlebniszentrum Gut Herbigshagen dabei zu sein. Auch Wehmeyer ist Kuh-Fan und sagt von sich selbst: „Ich finde Kühe cool.“ Außer den Rindern, die auf dem Gelände der Sielmann-Stiftung bei Duderstadt auf der Weide stehen, hält Wehmeyer noch etwa weitere 60 Tiere am Hauptsitz seines Biobetriebes in Düna bei Osterode am Harz.

Ganz besondere Rasse

Es ist eine ganz besondere Rasse, die er durch seine Zucht vor dem Aussterben bewahrt hat. Er berichtete den Besuchern am Sonntag auf Gut Herbigshagen unter anderem davon, dass das Harzer Rote Höhenvieh einst in jedem Harzer Haushalt zu finden war und nicht nur Fleisch und Milchlieferant war, sondern auch als Zugtier vor den Karren gespannt wurde. Die Weidehaltung diene zum einen der Erhaltung der Kulturlandschaft und trage darüber hinaus zur Artenvielfalt bei. Beispielsweise sei ein Kuhfladen Lebensraum für Insekten, wie er direkt auf der Weide anschaulich zeigte.

Besucher der Sielmann-Stiftung begleiten Daniel Wehmeyer, der sein Harzer Rotes Höhenvieh von einer auf die benachbarte Weide führt.

Als er mit der Besuchergruppe zwischen den beiden Weiden auf der Höhe oberhalb der Stallungen ankam, lagen die zwölf Kühe und die elf Kälber faul und wiederkäuend im Gras. Das sei ein Zeichen, dass sie sich wohl fühlen, erklärte Wehmeyer. Eine Kuh fresse eine Stunde lang, vier Stunden käue sie wieder, erklärte er den großen und kleinen Kuh-Beobachtern. Seit etwa fünf Wochen befänden sich die Tiere bereits auf der Weide. Weil das Wetter schon so schön war, durften die Kühe ihren Offenstall, in dem sie den Winter verbrachten, bereits verlassen und sich am satten Grün schon gütlich tun. Nun sollten sie die benachbarte Weide abgrasen.

Kuhsprache und Lockmittel

Doch nicht das Gras oder die vielen leuchtend gelben Löwenzahn-Blüten lockten die Kühe und ihre Kälber, sondern die „Koooommt, koooommt“-Rufe Wehmeyers, die ein wenig wie das Muhen der Tiere klangen. Normalerweise würden sie auf diese Kuhsprache reagieren. Und nach anfänglicher Zurückhaltung der Tiere ließen sich diese dann doch noch locken – von den Eimern mit Futter. Wehmeyer machte immer wieder lockere Sprüche. Als die erste Kuh vorweg auf die Nachbarwiese trabte, sagte er scherzhaft: „Eine blöde Kuh läuft immer vorweg.“

Im Umgang mit Kühen bedürfe es Respekt und Fingerspitzengefühl, so lernten die Besucher an diesem Nachmittag. Sie erfuhren zum Beispiel auch, dass Wehmeyers Tiere eben nicht mit einem Stock angetrieben würden und er daher auch nicht von Almauftrieb oder eben Weideumtrieb spreche. Dank „Low-Stress-Stockmanship“ reagierten die Kühe auf Wehmeyers Körpersprache und Signale.

Jüngestes Kalb acht Tage alt

Wehmeyer betonte, dass die Kühe sehr genau auf ihre Kälber aufpassen. Würde er zu nah an eines der Jungtiere herankommen, würde das Muttertier vermutlich dazwischen gehen, sagte er. Jüngstes Tier, das am Sonntagnachmittag zusammen mit den anderen die neue Weide mit Elan erkundete, war ein Kalb, das am 20. April geboren wurde. Eine weitere Kuh aus der kleinen Herde sei noch trächtig, so dass demnächst mit weiterem Nachwuchs in der Familie des Harzer Roten Höhenviehs gerechnet werde, sagte der Landwirt. Die Kälber blieben elf Monate bei ihren Müttern. Dabei lernten sie außer der Sozialkomponente auch Dickköpfigkeit und den Umgang mit Menschen.

Die Gruppe erfuhr von Wehmeyer viel Wissenswertes über Kühe und respektvollen Umgang mit Tieren. Besonders interessiert lauschten René Hunold mit seiner Partnerin Kerstin Dittrich und Sohn Oskar (18 Monate) den Ausführungen des Kuhflüsterers. Die Breitenbacher halten selbst ein paar Kühe. Die Sielmann-Stiftung als Ausflugsziel besuchten sie nicht zum ersten Mal. Auch Diana und Ronny Siebert mit Tochter Annica Rost aus Pöhlde sagte, sie seien regelmäßige Besucher auf Gut Herbigshagen. „Das Gesamtpaket stimmt“, begründeten sie, außerdem würden sie die Ruhe genießen. Als Tier- und Naturfreund macht auch der Hilkeröder Christian Preitz nach eigener Aussage immer wieder mal Ausflüge zur Sielmann-Stiftung.

Von Britta Eichner-Ramm

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