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Duderstadt Welttag des Buches: Duderstädter Händler stehen zu Büchern
Die Region Duderstadt Welttag des Buches: Duderstädter Händler stehen zu Büchern
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19:42 22.04.2014
Profi-Team: Buchhändler Christian Mecke und Autorin Astrid Seehaus leben von Büchern. Quelle: Richter
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Duderstadt

Über das Internet ist jeder im Nu an jedem Ort der Welt. Und was die Filmindustrie an Tricktechnik auffährt, stellt jede aufkeimende Fantasie von Kinogängern in den Schatten.

Ist der am 23. April ausgerufene Welttag des Buches eine Hommage an eine sterbende Spezies? Mit Sicherheit nicht! Das sagen zumindest zwei Menschen, in deren Leben Bücher eine tragende Rolle spielen. Christian Mecke, Inhaber der gleichnamigen Duderstädter Buchhandlung, lebt vom Verkauf des gedruckten Lesestoffs.

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Wahleichsfelderin Astrid Seehaus schreibt hauptsächlich Kinder- und Jugendbücher und veröffentlicht diese im eigens dafür gegründeten Verlag. Doch den größten Erfolg bescherte ihr der Kriminalroman „Tod im Eichsfeld“, der mit dem Thüringer Krimipreis ausgezeichnet wurde.

Aktuell wie eh und je

Beide Profis sind sich einig, dass das Buch auch als gedrucktes Werk so aktuell ist wie eh und je. Als Beispiel nennen sie die millionenschweren Erfolge von Bestsellern wie Harry Potter, aber auch die bei Lesern immer beliebter werdenden Krimis und Romane vor Heimatkulisse.

„Vor 30 Jahren galt es als peinlich, eine Regionalgeschichte zu schreiben. Da zeigte man sich lieber weltoffen. Aber die fortschreitende Globalisierung hat zur Folge, dass sich die einzelnen Regionen wieder ihrer Einzigartigkeit bewusst werden. Die eigene Heimat ist den Leuten wichtig“, sagt Seehaus, die nach dem „Tod im Eichsfeld“ und „Loverboy“ bereits am dritten Fall von Kommissar Rothe schreibt.

Und auch ihr neues Kinderbuch „Mathildas Reisetagebuch“ spielt zum Teil in Duderstadt. Seit 2003 hat die im thüringischen Wehnde lebende Autorin mehr als 20 Bücher veröffentlicht – und zwar als Printprodukt, nicht als eBook. „Es gibt verschiedene Gründe, bei eBooks vorsichtig zu sein.

Unkenrufe vom Tod des gedruckten Wortes

Viele Bücher landen als Raubkopien auf dem Markt, wobei die Urheberrechte der Autoren verletzt werden. Und wer sich als Leser ein eBook kauft, besitzt das Buch ja nicht, weil es vom Anbieter jederzeit gelöscht werden könnte. Der Kauf eines eBooks ist eher mit einem Leihvertrag vergleichbar“, sagt Seehaus.

Buchhändler Mecke sieht in eBooks eine moderne Ergänzung zu den Printausgaben. „Mit dem eBook sparen die Verlage Herstellungs- und Lagerkosten. Einen Vorteil von digitalen Ausgaben haben außerdem Menschen, die viel unterwegs sind und keine dicken Wälzer als Lesestoff umhertragen wollen. Allerdings ändert sich die Technik rasant. Nach einer Umstellung des digitalen Systems kann man ein gekauftes eBook vielleicht später nicht mehr lesen“, gibt Mecke zu bedenken.

Die Unkenrufe vom Tod des gedruckten Werkes sieht der Händler pragmatisch. „Schon mit der Erfindung des Films wurde das Ende des Buches prophezeit. Aber bisher konnte es nie ersetzt, sondern bestenfalls durch neue Medien ergänzt werden“, vergleicht er.

„Viele Ideen kommen mir beim Frühstück“

Wie aus einem Gedanken eine Idee und schließlich ein Buch wird, zeigt sich durch die Zusammenarbeit von Schriftsteller, Verleger und Händler. „Viele Ideen kommen mir beim Frühstück“, erzählt Seehaus als Autorin. Zum Beispiel beim Meerrettich essen. Wenn der so scharf ist, dass man davon „Feuer spucken“ könnte,  ist die Idee zum Buch „Ein Drache in Opas Garten“ geboren.

Mit dem Manuskript ihres Erstlingswerkes „Meine Freundin die Hexe“ hatte sich die Autorin bei 66 Verlagen vorgestellt - und erhielt nur Absagen. Folge war die Geburtsstunde eines eigenen Verlags. Nachdem auch ein Illustrator, ein Lektor, das richtige Papier und eine Druckerei gefunden worden waren, sollte das fertige Produkt schließlich die Leser erreichen.

Also holte sich Seehaus Rat bei jemandem, dessen Job der Verkauf von Büchern ist: Christian Mecke. Der Buchhändler sieht seinen  Beruf trotz zunehmender Internetbestellungen als zeitlos.  .„Ich kann die Kunden im persönlichen Gespräch beraten, was im Internet nicht möglich ist“, sagt er.

Lesungen in Schulen

Dazu brauche er gute Kenntnisse über Bücher und Fingerspitzengefühl für die Vorlieben des Kunden. Außerdem liege ihm am Herzen, dem Nachwuchs das Lesen von Büchern schmackhaft zu machen. „Zum Welttag des Buches starten wir jedes Jahr eine Rallye durch den Laden, wo Schüler auch die Gelegenheit haben, mal in andere Ecken zu gucken, zum Beispiel bei der Reiseliteratur.

Und Eltern können ihre Kinder schon mit Vorlesen an Bücher heranführen“, rät er. Auch Seehaus möchte mit Lesungen in Schulen und auf Veranstaltungen der Jugend Spaß am Buch und an der Sprache geben. Dabei scheut sie keine Mühen, im Outfit des jeweiligen literarischen Helden zu erscheinen.

„Eine Buchseite umzublättern, das Rascheln wahrzunehmen – das ist sinnlich und entspannt viel mehr als  das Lesen am Tablet. Schon mit Vorlesen können Kinder an Bücher, an die eigene Fantasie, an die Vielfalt der Sprache und an die Freude am Schreiben herangeführt werden“, bestätigt die Autorin, der die Ideen nie auszugehen scheinen.

Als Fingerübung beschreibt sie ihre noch in der Schublade gehorteten Kurzgeschichten, Drehbücher oder Krimis. Mit einer solchen Fingerübung hatte sie sich auch beworben, als sie vom Thüringer Krimipreis erfuhr – und prompt gewonnen. Das mag zum einen daran liegen, dass ihre Ansprüche an ihre eigene Arbeit und an die ihrer Mitarbeiter sehr hoch liegen. Es zeigt aber auch, dass ein öffentliches Interesse am guten Buch nach wie vor vorhanden ist.

Von Claudia Nachtwey

Welttag des Buches

Die UNESCO erklärte im Jahr 1995 den 23. April zum Welttag des Buches. Seit 1996 hat sich auch Deutschland dem Gedenktag angeschlossen. Dabei stehen bundesweit zwei Aktionen zur Leseförderung im Vordergrund: Bei „Ich schenk dir eine Geschichte“ erhalten Schüler angemeldeter Schulklassen Gutscheine, mit denen sie sich in ihrer Buchhandlung ein Welttagsbuch abholen können. Die Aktion „Lesefreunde“ soll über ein persönliches Buchgeschenk auch diejenigen für das Lesen begeistern, die bisher noch wenig Interesse gezeigt haben. Hier kann online ein Buchtitel ausgewählt werden, der verschenkt werden soll. Die Titel werden kostenlos von den teilnehmenden Verlagen zur Verfügung gestellt. Initiiert werden die Aktionen jeweils von der Stiftung Lesen mit weiteren Kooperationspartnern. ny