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Duderstadt Von wegen Digitalisierung: Schule kämpft vergeblich um Ersatz-PC
Die Region Duderstadt Von wegen Digitalisierung: Schule kämpft vergeblich um Ersatz-PC
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00:24 23.03.2019
Papier statt PC, digital nackt statt Digitalpakt: Die Lehrerinnen Carmen van de Sand, Anelia Kretschmer-Mann und Hanka Rode sprechen von einem Trauerspiel. Quelle: Kuno Mahnkopf
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Ebergötzen

Im Digitalpakt für die Schulen geht es um Milliarden, die Pfennigfuchserei beginnt aber schon im Lehrerzimmer. Das ist in der Wilhelm-Busch-Grundschule in Ebergötzen offline, seit der von Schulleiterin Hanka Rode zur Verfügung gestellte Privat-PC den Geist aufgegeben hat. Das Problem ist ein grundsätzliches. Rode beklagt, dass weder das Land Niedersachsen noch die Kommunen als Schulträger für die Ausstattung der Lehrerzimmer zuständig seien und es keine gesetzliche Grundlage gebe. Die Verwaltung der Samtgemeinde Radolfshausen hat die Anschaffung eines Computers für das Lehrerzimmer abgelehnt.

PC für viele Aufgaben genutzt

„Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss.“ Das Busch-Zitat auf der bis dato gepflegten Homepage der Schule spricht Bände. Doch während zu Buschs Zeiten noch der Rohrstock herrschte, läuft heute nichts mehr ohne Computer. Für Unterrichtsvorbereitung und Kommunikation ist er unabdingbar geworden. Die fünf Lehrerinnen, eine Förderschullehrerin und die pädagogischen Mitarbeiter der einzügigen offenen Ganztagsschule in Ebergötzen hätten den PC im Lehrerzimmer regelmäßig genutzt, berichtet Rode –unter anderem für Recherche und Unterrichtsmaterialien, das Erstellen von Arbeitsblättern, Klassenarbeiten, Zeugnissen und Elternbriefen, Tests und Förderpläne.

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Will wieder einen PC fürs Lehrerzimmer: Rektorin Hanka Rode. Quelle: Kuno Mahnkopf

Seit im Dezember USB-Port und Monitor versagt haben und sich der PC, den Rode seit ihrem Amtsantritt vor drei Jahren zur Verfügung gestellt hatte, nicht mehr hochfahren ließ, würden die Lehrerinnen eigene Computer nutzen oder Aufgaben an Schulleitung und Sekretariat übertragen. Letzteren habe der Schulträger Dienst- und Verwaltungscomputer finanziert, zu einem Lehrerzimmer-PC sei er nicht verpflichtet, sagt die Rektorin. Einen PC fürs Lehrerzimmer müsse die Samtgemeinde zwar nicht bereitstellen, könne es aber. „Andere Schulträger zeigen sich kulanter“, meint Rode und äußert ihr Unverständnis über die ablehnende Haltung – zumal die Samtgemeinde finanziell gut dastehe und die Steuereinnahmen sprudeln würden. Auch eine Umschichtung des Ausstattungsbudgets für die Schule habe der Schulträger abgelehnt, stattdessen zu kreativen Eigenlösungen wie dem Einwerben von Spenden geraten. „Alle winden sich herum. Es geht um einen einfachen PC für 350 Euro“, sagt Rode: „Um damit arbeiten zu können, sollen wir jetzt Klinken putzen. Das ist so, als ob Polizisten sich selbst ein Funkgerät zulegen müssten.“ Rode erwägt jetzt, tatsächlich Waffeln vor dem Edeka-Markt in Ebergötzen zu verkaufen – schon, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Bürgermeister will Digitalpakt abwarten

„Wir können nicht jedem Lehrer noch einen Rechner stellen“, sagt Samtgemeinde-Bürgermeister Arne Behre (SPD). Die Schulleiterin sei bei der Landesschulbehörde angestellt, es gebe klar geregelte Zuständigkeitsbereiche. Auch vorher habe es keinen PC im Lehrerzimmer gegeben. Die Samtgemeinde sei dafür weder zuständig noch dazu verpflichtet. Es gehe dabei auch um die Datenschutzgrundverordnung, Wartung und Prüfung sowie Begehrlichkeiten anderer Schulen, gibt Behre zu bedenken. Die Samtgemeinde Radolfshausen sei finanziell nicht in der Lage, große Sprünge zu machen, widerspricht er Rode: „Wir wollen auch deshalb nicht voreilig investieren, weil wir auf die Regelungen im Zuge des Digitalpaktes warten.“ Der Schulträger habe Brücken gebaut wie das Angebot, selbst gestellte Rechner ans Netz zu nehmen. Das wiederum lehnt Rode ab, spricht von einem Mangel an Wertschätzung, führt den Datenschutz und die Fürsorge für ihre Kolleginnen ins Feld, die „Privates und Dienstliches trennen wollen und müssen.“

Behörde verweist auf Schulgesetz

Bianca Schöneich, Sprecherin der Landesschulbehörde, hört zum ersten Mal von der Grauzone und verweist auf das Landesschulgesetz. Danach trägt das Kultusministerium Verantwortung für das Personal und die inhaltliche Arbeit an den Schulen, die kommunalen Schulträger für die räumliche und sachliche Ausstattung. Neue Möglichkeiten könnten sich im Zuge des Digitalpaktes bieten, meint Schöneich.

Für den Unterricht habe die Samtgemeinde vor zehn Jahren über das Konjunkturpaket II ein Smartboard angeschafft, merkt Rode an. Auch das könne nur noch genutzt werden, weil der Hausmeister dafür einen PC zur Verfügung gestellt habe.

Von Kuno Mahnkopf