Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Windpark in Gieboldehausen rückt näher
Die Region Duderstadt Windpark in Gieboldehausen rückt näher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 09.09.2013
Von Kuno Mahnkopf
Quelle: Kunze (Symbolfoto)
Anzeige
Gieboldehausen

Die Unternehmensgruppe UKA (Umweltgerechte Kraftanlagen) aus Rostock habe den Bau eines neuen Windrades an einem Einzelstandort außerhalb der zusammenhängenden großen Vorrangfläche am Höherberg in Richtung Bodensee beantragt, bestätigt Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner.

Der Kreisbauernverband hat mit der UKA jetzt einen Rahmenvertrag für die Flächen am Höherberg abgeschlossen. Teilweise hätten Grundeigentümer bereits Einzelverträge abgeschlossen, sagt Hübner. Darüber hinaus werde für die Grundeigentümer-Gemeinschaft der noch vertragslosen Landbesitzer nach einer Lösung mit einem regionalen Partner gesucht.

Anzeige

Der Gieboldehäuser Ratsherr Wolfram Döring (Freie Wähler) weist darauf hin, dass die UKA bei einer Informationsveranstaltung im vergangenen Jahr die Zahl von 19 neuen Windrädern am Höherberg genannt habe.

Maximal neun Anlagen

Nach Vergrößerung der Abstandsgrenzen zur Ortsbebauung im Flächennutzungsplan und wegen der welligen Topographie hält Hübner maximal neun Anlagen für denkbar. „Auch das wäre immens“, meint Döring. Die UKA selbst kann über die mögliche Zahl der Windkraftanlagen im Bereich Höherberg derzeit noch keine Aussagen treffen.

Die Windräder der neuen Generation werden voraussichtlich eine Nabenhöhe von 135 Metern und eine Gesamthöhe von 185 Metern haben – wie die drei Anlagen, die jetzt im Zuge des sogenannten Repowering bei Diemarden ausgewechselt wurden.

Die Energiewende hat auch die Entwicklung der 1999 gegründeten UKA beflügelt. Aus einem Büro mit drei Mitarbeitern ist ein Unternehmen mit 250 Mitarbeitern an vier Standorten geworden.

Das Leistungsspektrum reicht von Standortsicherung und Finanzierungsmodellen über Projektentwicklung samt Genehmigungsverfahren bis zur Fertigstellung und Betriebsführung von Windenergieparks.

Das Nachsehen in der Samtgemeinde hat derweil der geplante Bürgerwindpark am Höherberg, der in den Startlöchern stecken geblieben ist.

„Es muss sich aber auch rechnen“

Die Entwicklung sei sehr problematisch, sagt Mitinitiator Josef Sorhage (CDU), der auch Energiebeauftragter der Samtgemeinde ist: „Schon wegen der Pachtvorstellungen der Landwirte wäre es für eine Bürger-Gesellschaft nicht wirtschaftlich, Windräder im Bereich Höherberg zu betreiben.“

Die sechsköpfige Gründungsgesellschaft bestehe nach wie vor und sei auch willens, etwas zu tun, sagt Sorhage: „Es muss sich aber auch rechnen.“ Ob eine GmbH und Co. KG, an der bereits mehr als 100 Bürger Interesse bekundet haben, gegründet werden könne, bleibe fraglich.

Ruhig geworden ist es zurzeit um den Pinnekenberg südlich von Gieboldehausen. Dort sind weder UKA, Landvolk noch Bürgerwindpark involviert, aber auch bereits Vorverträge einzelner Grundeigentümer mit einem Investor abgeschlossen worden.

Bürgernetzwerk fordert Baustopp

In einem Brandbrief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), weitere Spitzenpolitiker und Bundestagskandidaten aus Südniedersachsen fordert das Bürgernetzwerk Energiewende Niedersachsen-Hessen einen sofortigen Baustopp für Windräder.

Zu dem Netzwerk haben sich mehrere Bürgerinitiativen und Gruppen aus der Region zusammengeschlossen, darunter die Freien Wähler aus Gieboldehausen.

„Die Fehlentwicklung wird immer offensichtlicher“, sagt deren Vertreter Wolfram Döring: „Gieboldehausen, Bilshausen und auch Wollershausen werden massiv davon betroffen sein.“

Bei einem Treffen der Bürgerinitiativen in Adelebsen in dieser Woche habe Gero Hocker, umweltpolitischer Sprecher des niedersächsischen FDP-Landtagsfraktion, den Kritikern in vielen Belangen zugestimmt.

In dem von Günter Schlieper aus Fürstenhagen unterzeichneten Brief des Netzwerks an Merkel wird der  Stopp aller laufenden Baugenehmigungsverfahren, die sofortige Abschaffung der Privilegierung von Windkraftanlagen und Subventionszahlungen für neue Anlagen, einheitliche Regelungen auf Bundesebene und keine Windanlagen in Wäldern gefordert.

Das Erneuerbare-Energie-Gesetz werde ausgehebelt, heißt es dort. Nach Zupflastern der norddeutschen Tiefenebenen in Ost und West würden Investoren durch die Mittelgebirge streifen, um bereits beim Anschein einer Baumöglichkeit Vorverträge mit Grundeigentümern unter Versprechung höchster Pachtsummen für 20 Jahre abzuschließen.

Dabei werde weder auf die Menschen noch das Landschaftsbild und die Natur Rücksicht genommen. Nur nebenbei gehe es um Stromerzeugung, in erster Linie um Geldabschöpfung dank exorbitanter Vergütungssätze.

Die Gegenwind-Bewegung moniert die Produktion „riesiger Überschussmengen Strom“ und das Fehlen von Speichermöglichkeiten. Der Überschuss, den die kleinen Stromverbraucher teuer bezahlt hätten, werde zu Billigstpreisen exportiert, andererseits wieder Strom importiert.

Jedes zusätzlich gebaute Windrad erhöhe die Gefahr, dass man den vom Wähler teuer bezahlten Strom wegen Nichtgebrauchs und mangelnder Verwertungsmöglichkeit wieder preisgünstig verkaufen oder verschenken müsse.