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Duderstadt Duderstadt besucht, Bücherschatz entdeckt: Wissenschaftsminister Thümler zu Besuch
Die Region Duderstadt Duderstadt besucht, Bücherschatz entdeckt: Wissenschaftsminister Thümler zu Besuch
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17:36 25.08.2019
Sandra Kästner zeigt Wolfgang Nolte und Björn Thümler eine der Inkunabeln aus dem Bücherschatz in der Propstei. Quelle: Foto: Lang
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Duderstadt

Die Sommertour von Fritz Güntzler, CDU-Bundestagsabgeordneter, hat Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) nach Duderstadt geführt. „Ich bin ausdrücklich gerne nach Duderstadt gekommen“, sagte Thümler im Historischen Rathaus am Donnerstag, „diese Stadt hat etwas Besonderes, sie liegt nur nicht so oft auf dem Weg.“ Er erinnerte sich an vergangene Besuche und ließ sich nach seinem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt auf den aktuellen Stand bringen.

„Super entwickelt“

Nolte bezeichnete Duderstadt mit seinen 21 000 Einwohnern und 15 Ortsteilen als „attraktive lebendige Stadt“ und erläuterte die aktuellen Themen, die auch Bundesmittel betreffen: Die Sanierung von Hallen- und Freibad, der Hochwasserschutz und die Entwicklung des Zentralen Omnibusbahnhofs betonte der Bürgermeister.

Wissenschaftsminister Björn Thümler zu Gast in Duderstadt: Durch Rathaus, Basilika und das Archiv der Propstei begleiteten ihn Bürgermeister Wolfgang Nolte, Propst Bernd Galluschke, Landtagsabgeordneter Stefan Koch, Landtagsabgeordneter Thomas Ehbrecht, Lothar Koch als ehemaliger Landtagsabgeordneter und Fritz Güntzler.

Duderstadt hat sich super entwickelt“, sagte Thümler und lobte den ehemaligen Landtagsabgeordneten Lothar Koch (CDU) als „gerissenen Menschen, der sehr freundlich, aber auch bestimmend“ die Vorhaben der Stadt durchgesetzt habe. „Damit habt ihr das Eichsfeld nach vorne gebracht.“

Basilika als wichtiges Vorhaben

Als wichtiges Vorhaben der Stadt kam die Basilika St. Cyriakus auf den Plan. „Der Turm soll erlebbar gestaltet werden“, kündigte Nolte an. Propst Bernd Galluschke führte die angereisten Abgeordneten in die Basilika, um die Baupläne zu verdeutlichen. Ein Raum im Westwerk könnte zum Ausstellungsraum werden, der Turm soll zugänglicher gemacht werden, und zu den großen Reparaturen kommen die kleinen:. „Das Tabernakel wird zum Beispiel neu gemacht“, sagte Galluschke im Altarraum und erzählte nach einem Blick auf das Chorgestühl zu beiden Seiten: „Dieses Chorgestühl ist übrigens nicht für geistliche Würdenträger, sondern ursprünglich für die Honoratioren der Stadt gedacht gewesen.“ Nolte erinnerte sich lachend: „In den 1970ern wurde ich tatsächlich mal hier hoch gebeten und war erstaunt.“

Nach der Anekdote ging es weiter um die Basilika als Besuchermagnet: „Wir haben viele Touristen hier, die extra hierherkommen und wollen ihnen gern noch mehr bieten“, so der Propst. Die Sanierung wurde ausgeschrieben, und Architekten aus Hildesheim haben den Wettbewerb gewonnen. „Wir hoffen, dass sie noch schöner als vorher wird“, so Nolte.

Ein wahrer Schatz: Inkunabeln

Ein wahrer Schatz wartete auf die Gruppe gegenüber in der Propstei. Im Keller zeigte Sandra Kästner, Leiterin des Städtischen Museums und Kunsthistorikerin, den Bücherschatz. „Wir haben hier 37 Inkunabeln gefunden“, erläuterte sie Thümler und ließ ihn mehrere der Exemplare ansehen. Inkunabeln sind Druckerzeugnisse, die vor 1500 angefertigt wurden und somit zu den frühesten Werken des Buchdrucks gehören. Die Duderstädter Exemplare standen lange im Archiv der Propstei, bis ein Historiker aus Erfurt in einem alten Dokument auf den Hinweis stieß – und kurze Zeit später staunend vor den Frühwerken stand. „Bibliotheken haben mal zwei oder drei – aber wir haben hier eine ganze Riege und auch Ausgaben, die noch gar nicht bekannt waren“, so Kästner. Die Bücher wurden in einem Testament 1499 der Kirche vermacht. Eine Handschrift von 1436 aus Italien ist das älteste Stück, auch eine Grüninger-Bibel ist dabei.

„Wir wollen gern die Inkunabeln publizieren, das wäre eine Bereicherung für Stadt, Region und die gesamten Buchwissenschaften“, sagte Kästner und stieß bei Thümler auf Gehör. „Die Aufarbeitung braucht sicher viel Zeit und am besten die Anbindung an eine Hochschule“, so der Minister. Er gab Galluschke und Kästner Tipps, an wen sie sich im Ministerium wenden könnten mit ihren Anfragen und einem Antrag zur Förderung des Projekts. Dann hieß es Abschied nehmen – den Minister zog es weiter auf Schloss Herzberg.

Herzberg ans Herz gelegt

Hoch hinaus ging es für Björn Thümler, als er während seiner Sommertour den eingerüsteten Uhrenturm des Herzberger Schlosses bestieg: Der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur stand außen auf dem Baugerüst und ließ sich die Sanierungsarbeiten erklären. Das Fachwerk und die Figuren an der Fassade sind zum Teil in Ocker bemalt. Dieser Farbton wurde an mehreren Stellen des Schlosses gefunden, etwa hinter später zugemauerten Bereichen, die dadurch die Geschichte konserviert haben.

Seit zwei Jahren wird das Schlossensemble saniert, für bislang sieben Millionen Euro, die Bund und Land beisteuern. Die Gesamtkosten werden auf 20 Millionen Euro beziffert. Dass die sieben Millionen Euro nicht reichten, wisse man schon, sagte Thümler. Darum wolle er seinem Minister-Kollegen aus dem Finanzressort „Herzberg ans Herz legen“.

Das Schloss – er bezeichnete es als „Kleinod“ – sei der Stammsitz der Welfen gewesen, berichtete der Kulturminister. Und er danke Güntzler für seinen Einsatz um das Fördergeld: „Es ist nicht so einfach, dem Bund Millionen Euro zu entlocken.“ Bürgermeister Lutz Peters (CDU), Dr. Andreas Philippi und Ministerpräsident Stephan Weil (beide SPD) hätten sich ebenfalls dafür eingesetzt, dass das Fördergeld dem Schloss zugute kommt, sagte Mathias Melzer (CDU). „Man hat über 20  Jahre lang einen gewissen Sanierungsstau gespürt.“

Klaus Weiß vom Staatlichen Baumanagement Südniedersachsen erklärte, dass das Baumanagement seit mindestens zwei Jahrzehnten am Welfenschloss tätig sei – immer in enger Absprache mit dem Förderverein. „Die Mühlen mahlen bei uns in der Verwaltung langsam, aber auch fein.“ Hinzu kommt, dass bei einem Baudenkmal wie dem Schlossensemble bei Voruntersuchungen immer neue Erkenntnisse auftauchen, die berücksichtigt werden müssen. Aber: „Jetzt gibt es die Mittel, damit wir das in die Tat umsetzen können“, sagte Weiß. Er hoffe, dass der „Geldregen“ in den kommenden Jahren anhalte.

Von Lea Lang und Kjell Sonnemann

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