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Duderstadt Kolumne: Lieber Weihnachtsmann ...
Die Region Duderstadt Kolumne: Lieber Weihnachtsmann ...
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20:59 13.12.2019
Wunschzettel sollten keine Auslegungssache sein. Quelle: dpa
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Göttingen

E s ist schon eine Weile her, dass ich dir geschrieben habe. Ehrlich gesagt, war ich nach den ganzen Missverständnissen nicht mehr so ganz sicher, ob es dich überhaupt gibt. Erinnerst du dich noch an das Jahr 1978, als ich diesen kratzigen roten Rollkragenpullover bekam? Ich durfte ihn die ganzen Feiertage trotz Ausschlag am Hals nicht mehr ausziehen. Dabei hatte ich in Großbuchstaben eine „ELEKTRISCHE EISENBAHN“ in Auftrag gegeben. Zwei Jahre später war ich wirklich sicher, ein Schlagzeug zu bekommen, es war zur Sicherheit sogar auf dem Wunschzettel aufgemalt. Aber nein, ich bekam ein Laubsäge-Set. Sollte ich mir selbst eins bauen? Ich war sieben.

Lange Liste der Enttäuschungen

Die Liste der Enttäuschungen ließe sich hier noch einige Zeit fortsetzen: weiße Mädchen-Schlittschuhe, gebrauchte Klappräder, selbst gestrickte Socken oder diese Legostein-Attrappen, die weder auf den Originalen noch aufeinander hielten. Egal, man sollte nicht undankbar sein. Ich wollte nur erklären, weshalb ich die alljährliche Korrespondenz irgendwann eingestellt habe.

Markus Scharf Quelle: Christina Hinzmann

Jetzt aber, lieber Weihnachtsmann, muss ich auf Nummer sicher gehen. Es ist auch nicht für mich. Vielmehr geht es um meine Kinder. Mit denen stimmt was nicht. Körperlich ist, denke ich, alles in Ordnung. Aber sie verhalten sich eigenartig. Das allein wäre soweit auch noch nicht der Erwähnung wert. Aber es ist alarmierend, zumal alle drei betroffen sind. Ich mache mir aufrichtig Sorgen, denn SIE HABEN KEINE WEIHNACHTSWÜNSCHE!

Wir konsumieren fröhlich vor uns hin

Keine Ahnung, was da schief gelaufen ist. Eigentlich sind wir vorbildliche Eltern, konsumieren fröhlich vor uns hin. Auch haben wir sie rechtzeitig darauf hingewiesen, dass das Fest der Geschenke vor der Tür steht und sie sich bitte endlich Gedanken machen sollen. Aber es kam nichts. Kürzlich habe ich die Jüngste gezwungen, sich mit mir an den Tisch zu setzen, Kataloge von Spielzeug-Geschäften durchzublättern und ihren Wunschzettel anzufertigen. Sie brach nach 20 Minuten intensiver Bearbeitung in Tränen aus und lief weg. Der Zettel blieb leer.

Vielleicht haben wir sie in den vergangenen etwa zehn Jahren einfach schon mit allem abgefüllt, was das Kinderherz begehren könnte. Möglicherweise hätten wir sie einfach länger vor dem Fernsehgerät sitzen lassen müssen, damit die Werbung ihre bedarfserweckende Wirkung besser hätte entfalten können. Mich beschleicht wieder einmal das Gefühl, versagt zu haben. Jetzt haben wir der Nachkommenschaft nicht mal mitgeben können, gierig und habsüchtig zu sein.

Das Schlimmste verhindern

Der Grund, weshalb ich mich aber eigentlich an dich wende, ist, dass ich das Schlimmste verhindern möchte. Ohne kindliche Vorgaben könntest du ja wieder auf komische Ideen kommen. Also bitte keine weiteren Spielkonsolen, nichts aus den knallbunten Katalogen der einschlägigen Spielzeug-Großhändler und auch keine Instrumente, die laute Missklänge erzeugen können. – Moment mal. Kann es sein, dass du 1980 Post von meinen Eltern bekommen hast?

Liebe Grüße auch ans Christkind

Dein Markus

P.S. Gib dir Mühe, sonst war das wirklich der letzte Brief.

Sie erreichen den Autor per E-Mail an m.scharf@goettinger-tageblatt.de.

Von Markus Scharf

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