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Duderstadt Wolfgang Weng bastelt Mini-Modelle des Duderstädter Anreischken
Die Region Duderstadt Wolfgang Weng bastelt Mini-Modelle des Duderstädter Anreischken
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20:06 18.07.2014
Fleißarbeit: Anreischken-Armada im Miniaturformat Quelle: Richter
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Duderstadt

Ein Beispiel liefert Wolfgang Weng. Der 74-Jährige bastelt Miniaturausgaben der über zwei Meter großen Figuren, die seit elf Jahren vor und in Gebäuden der Brehmestadt stehen.

„Mich hat der Anreischke schon immer interessiert. Ich mag den unheimlich gerne“, sagt der gebürtige Berliner, der seit 53 Jahren in Duderstadt lebt. Mit seiner kleinen Digitalkamera hat er viele der übermannsgroßen Darstellungen des Baumeisters Andres abgelichtet. Die entwickelten Fotos sind eine wichtige Grundlage für die späteren Miniaturmodelle.

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Weng schneidet die Figuren aus dem Fotopapier aus, die jeweiligen Ausschnitte klebt er auf ein Sperrholz. „Ich säge das dann mit der Dekopiersäge schön sauber aus“, beschreibt der Hobbybastler das weitere Vorgehen. Die Kanten werden von ihm ringsum geschliffen und bemalt, ebenso wie die Rückseite. Die Figur steht schließlich auf einem runden Fuß, den er aus einer Spanplatte fertigt.

„Ich war schon ein bisschen überrascht, welche Bedeutung er hatte“

„Den Anreischke habe ich zum ersten Mal oben im Rathausturm gesehen und dann bei Schützenfesten und anderen Veranstaltungen. Da bin ich schon neugierig geworden, was das für eine Figur ist“, erinnert sich Weng, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Franken lebte, hier seine Lehre absolvierte und über eine Zwischenstation in Essen aus beruflichen Gründen in die Brehmestadt wechselte.

Gespräche mit vielen Duderstädtern können seinen Wissensdurst nicht stillen. „Die meisten wissen gar nicht, was der Anreischke für eine Funktion hatte und wie sein Name entstanden ist“, stellt er fest. Weng vertieft sich in Literatur, um mehr über den polnischen Baumeister zu erfahren. „Ich war schon ein bisschen überrascht, welche Bedeutung er hatte“, erzählt Weng.

Der Fan des Duderstädter Wahrzeichens ist beeindruckt, als er Mitte des vergangenen Jahrzehnts die ersten großen Anreischken im Stadtbild entdeckt. Vor zwei Jahren reift bei ihm die Idee für sein Projekt mit den Miniaturmodellen. „Nach und nach habe ich immer mehr gemacht, vier habe ich schon verschenkt.“

„Das ist doch mal was, das finde ich gut“

Das schwierigste ist für ihn „das tragbare Original“, da alle Finger ausgesägt werden müssten. „Beim Schützenfest fotografiere ich ihn mal, wenn der Figurenträger aus dem Fenster in der Mitte des Kostüms rausguckt“, sagt Weng. Der Ausschnitt werde dann so in ein Modell integriert, dass der Träger zu sehen ist.

22 Anreischken hat Weng bislang fotografiert, mit elf der Vorlagen hat er bereits eine Mini-Version kreiert. Noch liegt einiges an Arbeit vor ihm. Es gibt rund 45 Anreischken, berichtet der Designer und Künstler Axel Wolf, der rund die Hälfte der beim Studio 1 in Heiligenstadt gefertigten Rohlinge individuell gestaltet hat. Wengs Idee, daraus Miniaturvarianten zu basteln, findet Zustimmung von Wolf: „Das ist doch mal was, das finde ich gut.“

Nach dem gleichen Prinzip wie die Anreischken möchte Weng auch den Schutzherren der Brücken in einer Miniaturvariante herstellen. Vorlage soll die Darstellung des Heiligen Nepomuk neben der Oberkirche sein.

„Ich möchte gerne den Moment nachbasteln, wenn das Pferd über ein Hindernis springt“

Weng, der sich auch als Hobbymusiker und langjähriges Mitglied der Schützengesellschaft einen Namen in der Brehmestadt gemacht hat, will sich nicht auf Motive aus seiner Heimatstadt beschränken. Er plant, als nächstes ein Motiv aus einem großen südniedersächsischen Sportereignis umzusetzen.

Die Rede ist vom Burgturnier Hardenberg, das Weng seit zwanzig Jahren besucht. Hier sitzt er auf der Tribüne und schießt Fotos. „Ich möchte gerne den Moment nachbasteln, wenn das Pferd über ein Hindernis springt“, erzählt Weng, während er einige seiner Aufnahmen zeigt.

Stolz verweist er darauf, dass ihm der Graf von Hardenberg erlaubt hat, zur Siegerehrung in den Innenraum zu kommen. Mit einem kleinem Geschenk hat er sich dafür bei ihm in Erinnerung gebracht: einem Wildschwein, das er aus Zinn und Blei gegossen hat.