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Duderstadt „Zehn Grad und Regen ist Krötenrennwetter“
Die Region Duderstadt „Zehn Grad und Regen ist Krötenrennwetter“
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18:11 04.03.2012
Rettet im Schnitt 4000 bis 6000 Amphibien das Leben: Der Fangzaun an den Thiershäuser Teichen.
Rettet im Schnitt 4000 bis 6000 Amphibien das Leben: Der Fangzaun an den Thiershäuser Teichen. Quelle: Kunze
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Renshausen

„Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass ich manche Kröten schon mit Namen kenne“, schmunzelt Jürgen Effler, Vorsitzender der Ortsgruppe Gillersheim des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Deren Mitglieder und weitere Helfer betreuen schon seit 25 Jahren den Amphibienschutzzaun entlang der Teiche.

 Ihr Engagement beginnt in jedem Jahr mit dem Aufbau des Zauns. Die Naturfreunde trafen sich am Sonnabendvormittag, um die rund 1,5 Kilometer lange Barriere anzulegen. Sie soll verhindern, dass die Tiere die stark befahrene Straße überqueren und dabei den Tod finden.
 Bei der Suche nach einem Durchgang wandern die Amphibien am Zaun entlang, bis sie in einen der ebenerdig in die Erde eingebuddelten Eimer plumpsen. Mitglieder des Helferteams kommen jeweils morgens und abends zum Zaun und bringen die Tiere teilweise direkt bis ins Wasser.
 Am meisten zu tun haben die Naturfreunde bei feuchtem und schon relativ warmen Wetter. „Zehn Grad und Regen ist Krötenrennwetter“, beschreibt es Effler und wird noch deutlicher: „Wir haben dann abends schon mal 1000 Stück auf einmal, die Eimer sind halbvoll.“ Im Schnitt tragen die Helfer in einer Saison 4000 bis 6000 Kröten, Frösche und Molche über die Straße, im vergangenen Jahr waren es sogar 8000.

 Nach dem Ablaichen kehren die Tiere an ihren Stammplatz zurück. Dabei sind die Amphibien auf sich alleine gestellt. Sie sind nun flinker und überqueren die Straße in aller Regel ohne angefahren oder überfahren zu werden. Neben den Autos haben die Tiere auch natürliche Feinde. Der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe verweist nicht nur auf Krähen. Waschbären und Marderhunde machen den Amphibien das Überleben zunehmend schwieriger.

  Auch nach einem Vierteljahrhundert ist Effler mit Herz und Seele bei der Aktion dabei.„Man merkt, dass man selber etwas Gutes tun kann.“ In Bereichen, in denen mangels Unterstützer keine Zäune mehr aufgestellt worden seien, habe sich die Amphibienpopulation nach einigen Jahren um zwei Drittel reduziert. Letztendlich seien die Aktivitäten „Naturschutz zum Anfassen“, meint Effler.

 Das sehen auch die Helfer so, die nicht im Nabu engagiert sind. Dazu gehört Udo Berndt, der über seinen Sohn auf die Aktion aufmerksam wurde. „Ich habe ganz einfach Interesse an der Natur“, begründet der Renshäuser seine Teilnahme.

Von Axel Artmann