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Duderstadt Lorenz-Werthmann-Haus seit zehn Jahren in Duderstadt
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09:00 24.08.2019
Das Lorenz-Werthmann-Haus in Duderstadt besteht seit 2009. Unterschiedliche Gruppen organisieren Angebote für Senioren. Quelle: Picasa
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Duderstadt

Begegnungsstätte und ambulante Betreuung: Seit dem Jahr 2009 ist das Lorenz-Werthmann-Haus in der Duderstädter Innenstadt Anlaufstelle für Senioren. Das nunmehr zehnjährige Bestehen des Hauses soll in diesem Jahr gefeiert werden.

Begegnung, Beratung, Bildung

Die Ehrenamtlichen des Hauses stellen nach eigenen Angaben die Begegnung, Beratung und Bildung älterer Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Regelmäßige wöchentliche Workshops, Veranstaltungen und Exkursionen werden organisiert. In einem Seniorenservicebüro gibt es Informationen zur Lebens- und Alltagsbewältigung im Alter. Außerdem finden pflegebedürftige Senioren in zwei ambulant betreuten Wohngemeinschaften ein Zuhause.

50 Ehrenamtliche

„Das Haus lebt nur durch die vielen Ehrenamtlichen“, sagt Leiterin Lydia Ballhausen. Allein mit Hauptamtlichen wäre die Arbeit nicht zu bewältigen, ergänzt Ralf Regenhardt, Vorstandssprecher des Caritasverbandes Südniedersachsen, zu dem das Haus gehört. Insgesamt seien rund 50 Ehrenamtliche aktiv. Einige von ihnen berichten, welche Angebote es gibt und wie sich die entwickelt haben. „Ich bin hier ehrenamtlich tätig, seit das Haus steht“, erzählt Gertrud Hellbrück. Sie arbeitet in der Schreibwerkstatt mit und bietet mit zwei Helfern freitags Frühsport in der WG an. Sie gehört zum festen Stamm von „Urlaub ohne Koffer“, sorgt mit ihrem Mann für musikalische Darbietungen und ist einfach da, „wenn Hilfe benötigt wird“.

Bilder aus dem LWH:

Das Lorenz-Werthmann-Haus in Duderstadt besteht seit zehn Jahren. Hier einige Bilder vom Bau bis heute:

Schreibwerkstatt

Mit sechs Helfern organisiert Margarete Germeshausen die Schreibwerkstatt. Begonnen hat sie im Oktober 2009, ist von Anfang an im Beirat vertreten. „Mit einem Teilnehmer hat die Schreibwerkstatt angefangen“, sagt sie. Jetzt seien 14 bis 18 Aktive dabei. Einer von ihnen komme sogar aus Nordhausen. „Das Angebot ist offen für alle Senioren.“ Mittlerweile seien 34 Bücher entstanden. „Wir sind eine reine Biografiewerkstatt geworden“, erzählt Germeshausen. Sie und ihre Teammitglieder helfen, korrigieren, schreiben am Computer und bereiten den Druck vor. Die Altersspanne der Teilnehmer reiche wie bei den anderen Gruppen von 60 bis über 90 Jahre. „Es ist eine vertraute Runde, in der sich die Leute gegenseitig Anstöße geben.“ Zum zehnten Geburtstag wird ein Band mit gemeinsamen Geschichten veröffentlicht.

Senioren-Singkreis

Ebenfalls von Anfang an aktiv und Mitglied des Beirates ist Marlies Haseler aus Wollbrandshausen. Auch sie zählt zum Team der Schreibwerkstatt, organisiert darüber hinaus den Senioren-Singkreis, an dem sich 20 bis 25 Männer und Frauen beteiligen. Gesungen werden Volkslieder und Evergreens. „Erstmal wird aber geplaudert“, erzählt sie von den Treffen zweimal im Monat. Geschichten, Gedichte, Witze und – „ganz wichtig“ – Kaffee und Kuchen gehören einfach dazu. „Das Singen macht mehr Spaß als klassisches Gedächtnistraining“, ergänzt Lydia Ballhausen einen wichtigen Aspekt des Gesangs.

Rommé-Gruppe

Die Rommé-Gruppe leitete Martina Bernhard. Gespielt wird jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr. „Aus dem Engagement entstand meine Beteiligung am Projekt ’Urlaub ohne Koffer’“, erzählt sie.Schön sei zu beobachten, wie sich die Teilnehmer innerhalb der Woche verändern. „Am Anfang der Woche ist es eher ruhig, am Ende sind Freundschaften entstanden“, sagt sie. Das sei unter anderem der Sehnsucht nach Nähe und Herzlichkeit in der Einsamkeit geschuldet, so Ballhausen.

Das Lorenz-Werthmann-Haus in Duderstadt besteht seit 2009. Unterschiedliche Gruppen organisieren Angebote für Senioren. Quelle: r

Kulturpforte

„Ich bin relativ neu dabei“, erklärt Franz-Josef Dette. Er hat 2016 mit der Arbeit der Kulturpforte begonnen, die zum Start vom Landschaftsverband Südniedersachsen gefördert wurde. Die Seniorenbegegnungsstätte sei ein idealer Anlaufpunkt dafür. „Es sind vorwiegend ältere Menschen, die wir dafür werben können“, sagt er. Schwerpunktmäßig würden ältere Frauen das Angebot nutzen, die häufig von Armut im Alter betroffen seien. „In vier Jahren konnten wir fast 500 Eintrittskarten verteilen.“ Unter anderem gebe ein gutes Angebot vom Deutschen Theater.

Computer-Club

Günter Goldmann hingegen ist ebenfalls seit der ersten Stunde aktiv. Er leitet den Computer-Club der Senioren. „Das sind alles Quereinsteiger“, sagt er. Mittwochs treffen sich die rund 35 Mitglieder. Thematisch dreht sich alles um den Computer, von Sicherheit bis zum Banking. Mittlerweile sei das Lorenz-Werthmann-Haus aufgerüstet worden. „Wir haben 2017 ein Whiteboard angeschafft, gesponsert von der Glücksspirale.“ Darauf hätten die Senioren den Besuch von Kanzlerin Angela Merkel gesehen, schauen aber auch Youtube-Filme. Schüler der St.-Ursula-Schule gaben im Projekt „Verantwortung“ ihre Erfahrungen weiter. Zum zehnjährigen Bestehen präsentiert der Computer-Club einen mit einer Drohne aufgenommenen Film.

Flinke Nadel

Die Senioren im Lorenz-Werthmann-Haus stehen aber auch in Kontakt mit Emmaus. Die Jugendlichen haben die Dachterrasse gestaltet, wie Ballhausen erklärt. Hinterher sei gemeinsam gegrillt worden. Die Leiterin verweist aber auch auf die Mitglieder der Gruppe „Flinke Nadel“, die mit ihren kleinen Mützchen und Schühchen für eine besondere Willkommenskultur gesorgt hätten. Nach den Flüchtlingskindern würden nun die neuen Erdenbürger im Göttinger Krankenhaus Neu-Bethlehem begrüßt. „Die ältere Generation schaut, wo Not ist und wo sie helfen kann“, sagt Ballhausen, „und das tut sie dann einfach.“ Das würde sie sich für die gesamte Gesellschaft wünschen. Allerdings sei das Wir-Gefühl in der heutigen Ich-Gesellschaft wenig verbreitet.

Das Lorenz-Werthmann-Haus in Duderstadt besteht seit 2009. Unterschiedliche Gruppen organisieren Angebote für Senioren. Quelle: r

Gemeinsamer Mittagstisch

Gemeinsamkeit steht auch beim Mittagstisch am Dienstag und Freitag auf dem Programm. „Die Teilnehmer kommen, um in Gemeinschaft zu essen“, so Ballhausen. Das Essen werde vorher ausgesucht, angeliefert und dann noch angereichert. „Es gibt immer Salat, Nachtisch und Kaffee.“ Einmal im Monat werde ein großer Seniorennachmittag organisiert. 30 bis 40 Gäste würden zu den moderierten und thematisch aufgearbeiteten Terminen erscheinen. In den vergangenen zehn Jahren seien mehr als 10 000 Beratungsgespräche geführt worden, etwa 100 pro Monat.

Schutzraum für Senioren

„Das Lorenz-Werthmann-Haus ist ein Schutzraum für Senioren, in dem der Alltag nicht zu kurz kommt“, sagt Ballhausen. Es sei zu einem Leuchtturm geworden, der auch brennt. „Und in dem, meiner Meinung nach, durch die Ehrenamtlichen viel Beziehung gestiftet wird – jenseits von Geschlecht, Alter, Religion und Herkunft“, ergänzt Regenhardt. Deswegen sei die Arbeit im Haus „gesellschaftlich wahnsinnig wertvoll“. „Gemeinschaft erfahren ist das Wertvollste.“ Viele, die auf dem Rückzug waren, würden wieder aufblühen. „Das geht aber nur, wenn andere da sind und sich Zeit nehmen.“

Geburtstagsfeier

Zur Feier des zehnjährigen Bestehen ist für Sonnabend, 24. August, ein Straßenfest vor dem Lorenz-Werthmann-Haus, Scharrenstraße 9 in Duderstadt, geplant. Es beginnt um 10 Uhr.

Wer war Lorenz Werthmann?

Der Theologe und Priester Lorenz Werthmann (1858 bis 1921) gründete den Deutschen Caritasverband. Am 9. November 1897 hatte der damals 39-Jährige auf dem zweiten Caritastag in Köln zur Gründung des Verbandes aufgerufen und wendete damit die drohende Zersplitterung der sozialen Hilfsangebote auf katholischer Seite ab. 1883 war Werthmann zum Priester geweiht worden,promovierte in Theologie und Philosophie in Rom. 1886 kehrte er zurück nach Deutschland, wo er später als Sekretär bei Bischof Christian Roos in Limburg arbeitete, der ihn nach seiner Wahl zum Erzbischof mit nach Freiburg nahm. Dort engagierte sich Werthmann im Verein „Arbeiterwohl“ und im Vincentiusverein. Die entstehende Caritasbewegung erregte sein Interesse. Als Vorbild nahm er die von Protestanten bereits 1848 gegründete Innere Mission. 23 Jahre leitete Werthmann den „Charitasverband für das katholische Deutschland“.

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