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Duderstadt Zwangspause für Jäger
Die Region Duderstadt Zwangspause für Jäger
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18:47 03.01.2011
Von Kuno Mahnkopf
Leiden keine Not: Die Enten in der Aue bei Bernshausen am Seeburger See werden täglich von Antonia und Hermann Raabe gefüttert.
Leiden keine Not: Die Enten in der Aue bei Bernshausen am Seeburger See werden täglich von Antonia und Hermann Raabe gefüttert. Quelle: Pförtner
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Mit dem Ausrufen der Notzeit ist ein totales Jagdverbot verbunden. Das hat vielen Jägern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im Eichsfeld seien einige Jagden kurzfristig abgeblasen worden, bestätigt Kracht. Gerade die Zeit um den Jahreswechsel mit mehreren Feiertagen sei für Gesellschaftsjagden beliebt.

Statt zur Büchse greifen zu dürfen, sind die Jagdpächter aus der Region jetzt verpflichtet, in ihren Revieren auf eigene Kosten das hungernde Wild zu füttern. Wie lange, ist noch unklar. Die Notzeit wurde vorerst unbefristet ausgerufen. Wann sie aufgehoben wird, hängt vom weiteren Wetterverlauf ab. Notzeit-Beschränkungen, die jahrzehntelang nicht zur Geltung gekommen waren, galten bereits im vergangenen Winter, da allerdings erst ab Februar.

Der Wechsel von Schnee und Regen, Frost und Tauwetter habe in diesem Winter vielerorts zu einer verharschten Schneedecke geführt, die die Futtersuche für die Tiere erschwere, sagt Kracht: „Die Sauen kommen mit der Situation noch klar, das Rehwild leidet besonders, aber auch für Hasen wird es problematisch.“ Für das Zufüttern dürfe nur artgerechtes Naturfutter wie Heu, Runkeln und Maiskolben verwendet werden. Von privaten Fütterungen rät Kracht denn auch ab – es sei denn, sie seien fachlich fundiert. Es gebe auch Fütterungsgegner, die die natürliche Auslese untergraben sehen, räumt Kracht ein. Optimal sei das Wetter für Beutegreifer, die eine satt gedeckte Tafel mit viel Fallwild vorfinden würden.

Ganz wichtig sei es, das Wild nicht aufzustören und in Ruhe zu lassen, ist sich Kracht mit Michael Simmat von der Sielmann-Stiftung einig. Beide appellieren an alle Hundehalter, ihre Tiere anzuleinen – auch wenn keine Verordnung den Leinenzwang vorschreibt. Das Wild verhalte sich zurzeit ruhig und zehre Energie aus Fettpolstern, um den Stoffwechsel aufrecht zu erhalten, sagt Simmat. Stress und Unruhe würden sich fatal auf den Energiehaushalt der Tiere auswirken.

Dringend Hilfe benötigten die Vögel, für die die Nahrungssuche bei Eis und Schnee nahezu unmöglich geworden sei. Simmat rät ohnehin zu einer ganzjährigen Vogelfütterung. Derzeit sei sie allerdings lebenswichtig. Zu Herzen genommen haben sich das beispielsweise die Bernshäuser Antonia und Hermann Raabe. Täglich füttern sie an der Aue, die durch den Seeburger See fließt, mehrere hundert Enten und andere Wasservögel.