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Duderstadt Zwischen Schleppen und Meckern gibt es viel Spaß
Die Region Duderstadt Zwischen Schleppen und Meckern gibt es viel Spaß
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18:15 21.06.2011
Gemeinsam anpacken: Die Rollbahn wird aufgebaut. Quelle: Kunze
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Duderstadt

Das wechselhafte Wetter schreckt Michelle Brodka und Johanna Schenke nicht ab. Gemeinsam mit den beiden Neulingen im Team, Daniel Schanz und Jan Kanngießer, schleppen die Mädchen eine Bierzeltgarnitur über die Wiese. Hendrik Grüssner und Fabian Hartmann kämpfen derweil mit dem Wind um die Plane, aber die Handgriffe sitzen, und kurze Zeit später steht auch der Pavillon. Im Rahmen des Duderstädter Kultursommers bietet das Kinder- und Jugendbüro der Stadt regelmäßig Aktionen für Kinder im Bürgerpark an, meist in Verbindung mit anderen Veranstaltungen.

Die Jugendlichen aus dem Jugendfreizeitheim (Jufi) übernehmen eigenständig den Auf- und Abbau der verschiedenen Stände und betreuen die Kinder, die hier Spiel und Spaß haben wollen. „Die Arbeit mit den Kindern macht Spaß“, findet Michelle, die eigentlich Erzieherin werden wollte, aber nun doch andere Berufswege plant. „Aber es kann auch stressig sein“, ergänzt Johanna. Die beiden Mädchen verbringen seit einigen Jahren einen Teil ihrer Freizeit im sozialen Einsatz. „Stress“ gebe es manchmal auch im Team, sagen sie lachend. „Wenn wir unter Zeitdruck stehen, alles aufbauen müssen und dann irgendwas vergessen wurde, meckern wir uns auch mal gegenseitig an. Aber das ist gleich wieder vergessen“, meint Johanna.

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Schlimmer sei allerdings die Meckerei von außen. „Manchmal fummeln die Eltern an den Bastelarbeiten der Kinder herum, die fangen dann an zu weinen, und dann werden auch wir beschimpft, weil irgendwas nicht klappt“, sagt Michelle. „Früher haben uns solche Reaktionen gefrustet, aber hier im Team stehen doch alle zueinander, man wird getröstet und unterstützt. Langsam wächst jedem, der länger dabei ist, ein dickes Fell“, ergänzt Johanna.

Spaß haben die Jugendlichen dennoch. „Wir lernen hier Leute kennen, es herrscht eigentlich immer gute Stimmung untereinander. Außerdem merke ich, dass sich durch die ehrenamtliche Arbeit mein Sozialverhalten verändert hat. Es ist selbstverständlich, auch den Jüngeren zu helfen und sie voll im Team zu akzeptieren“, hat Michelle festgestellt.

Daniel hat schon bei zwei Aktionen in diesem Sommer mitgeholfen, Jan ist zum ersten Mal dabei. „Es macht Spaß, hier etwas Sinnvolles zu tun“, sagt Daniel. Er werde manchmal von Freunden in der Schule gefragt, warum er auch am Wochenende freiwillig helfe. „Manche sagen sogar: das ist doch total doof. Aber die haben keine Ahnung“, steht er zu seinem Engagement.

Auf eine langjährige Routine im Auf- und Abbau und bei der Kinderbetreuung blicken Hendrik und Fabian zurück. „Die Kinderaktionen beim Kultursommer gibt es schon ewig. Ich war selbst als Kind hier. Irgendwann bin ich ins Jufi-Team gekommen, und seitdem helfe ich mit.“

Der Aufbau der Rollbahn ist schnell erledigt, nachdem Dennis Kasulke das Werkzeug her-angeschafft hat. Noch ein Blick zum launischen Himmel, der heute alles zwischen Sonnenschein, Wind und Regen liefert, und dann können die Kinder kommen. „Beim ersten Mal als Helfer war ich noch ziemlich unsicher, als ich die Menschenscharen in den Stadtpark strömen sah. Ich dachte, hoffentlich schaffen wir das bloß. Aber ich war ja nicht alleine, im Team klappt das alles, und bei großem Andrang stehen die Kinder eben mal Schlange“, sagt Johanna und bestätigt, dass sie durch die ehrenamtliche Arbeit immer selbstsicherer werde.

Die Kinderaktionen sind seit Jahren ein Highlight im Duderstädter Kultursommer. Die ehrenamtlichen Helfer wurden entweder von den Jugendreferenten im Jufi angesprochen oder haben – wie Johanna – selbst gefragt, ob sie mitmachen dürften. „Nachwuchs ist immer willkommen, weil viele der Älteren wegen ihrer Ausbildung weg gehen“, beschreibt Michelle den Wandel. Aber Erfahrungen würden weitergegeben. So haben Michelle und Johanna von einer Vorgängerin das Kinderschminken gelernt. „Im Winter haben wir bei den Jufi-Besuchern geübt, jetzt geht das ganz gut“, sind sich die Mädchen einig. In ein paar Jahren werden wohl auch Daniel und Jan die Helfer-Neulinge „anlernen“, weil sie dann den Auf- und Abbau der Spielgeräte im Schlaf beherrschen.

Von Claudia Nachtwey

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