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Duderstadt Premiere für Hans Georg Näders Duderstädter Bier "Heimatliebe"
Die Region Duderstadt Premiere für Hans Georg Näders Duderstädter Bier "Heimatliebe"
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00:19 18.11.2013
Duderstädter Bier: Es gibt die Sorten Dunkles, Helles und Weizen. Quelle: Richter
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Duderstadt

Knapp unter Straßenniveau, in einem hellen Gang, unter dessen Decke glänzende Rohrleitungen verlaufen, riecht es nach frisch gebackenem Brot.

Es ist der Geruch chemischer Prozesse, in Gang gesetzt durch Hitze und Wasser. Jahrhunderte alte Tradition perfektioniert durch wissenschaftliche Erkenntnisse, gepaart mit einer guten Portion persönlichen Geschmacks und Fingerspitzengefühls des Braumeisters sorgen für den Geruch, der nur ein Nebenprodukt ist. Im Gewölbekeller wird Bier gebraut, Duderstädter Bier. Unter dem Markennamen Heimatliebe wird es ab  heutigem Sonnabend verkauft.

Ideengeber Hans Georg Näder

Spiritus Rector – Ideengeber, treibende Kraft und Finanzier – des Duderstädter Biers ist Hans Georg Näder. Der Immobilienbesitzer, Unternehmer und Sohn der Stadt wiederbelebt mit dem Duderstädter Bier die mittelalterlichen Braurechte des Hotels Zum Löwen, bringt einen weltweiten Trend zu handwerklich gefertigten Bieren ins Eichsfeld, setzt eine clevere Geschäftsidee um und gibt nebenbei dem Duderstädter Lebensgefühl einen neuen Bezugspunkt.

Der Zufall führte Näder und Ballüer, den 23-jährigen Braumeister, zusammen. Für die Kreation der ersten Sorten Heimatliebe – Duderstädter Helles, Dunkles und Weizen – habe Näder ihm weitgehend freie Hand gelassen, sagt Ballüer. Und während Unternehmer Näder schon weiter denkt, eine Erweiterung der Produktpalette der Marke Heimatliebe um Schnaps und Marmelade ins Auge fasst (Tageblatt berichtete), ist der junge Braumeister auf den heutigen Sonnabend fixiert.

Denn ob es den Duderstädtern schmeckt, wird sich heute erweisen. „Aufregung ist schon da“, bekennt Ballüer. „Liege ich mit meinem kantigen Bier richtig?“, formuliert er die Anspannung. Als „markant“ beschreibt er den Geschmack der drei neuen Sorten.

4000 Liter Bier sind vorbereitet

Seit eineinhalb Monaten wird produziert. Für den Start bekam Ballüer Verstärkung. Die Duderstädter Braumanufaktur ist noch ein Ein-Mann-Betrieb, aber zur Vorbereitung auf den heutigen Erstausschank steht dem Braumeister stundenweise eine Aushilfskraft zur Seite. So können heute 4000 Liter Heimatliebe bereit liegen – 2000 Liter Duderstädter Helles und je 1000 Liter Dunkles und Weizen.

Bleiben wir bei dieser Sorte. „Wir haben heute Weißbier laufen“, sagt Ballüer zur Begrüßung, bevor es in den Gewölbekeller hinuntergeht. Zwischen den zwei Braubottichen, unter der niedrigen Decke aus Sandsteinquadern stehend, erklärt er die Grundzüge und die Finessen des Brauvorgangs. Man stehe im sogenannten Sudhaus, erfährt der interessierte Besucher.

Im Bottich unter Ballüers linker Hand, trennt sich aus einer Schrot-Wasser-Suspension, der Maische, gerade Festes vom Flüssigem. Mit Wasser und Wärme wird der Zucker herausgelöst, die Flüssigkeit in den zweiten Bottich – die Sudpfanne, unter Ballüers rechter Hand – geleitet. Hier entsteht durch Kochen und die Zugabe von Hopfen die Würze, der Grundstoff des Biers.

500 Liter Würze

Je Arbeitsgang entstehen 500 Liter Würze. Sie werden über die bereits erwähnten Rohre ein Stockwerk höher gepumpt. Das geschieht weitgehend verlustfrei, „wir haben kurze Leitungswege“, erläutert Ballüer. So werden aus dem Grundstoff nahezu 500 Liter Bier.

Ein Wort noch zum Brauverfahren, bevor es in den Abfüllbereich geht. „Ja, die Arbeitsgänge sind seit Jahrhunderten unverändert“, bestätigt Ballüer. Aber die moderne Forschung ermögliche eine ständige Optimierung des Herstellungsprozesses. „Dass wir so effizient produzieren, mit dem ganzen technologischen Wissen, das gibt es erst seit den 60er-Jahren“, doziert Ballüer.

Steuerungseinheit mit Touchscreen

Das wird im Abfüllbereich deutlich. Während der Gewölbekeller mit den kupfernen Braubottichen nostalgischen Charme ausstrahlt – er wird für Führungen dem Publikum geöffnet, und das erwartet nun einmal Kupfer statt Edelstahl, Holzfässer statt Hightech ­– herrscht im Erdgeschoss sterile Funktionalität. „Wir haben neueste Technik“, erläutert Ballüer und hantiert am Touchscreen der Steuerungseinheit.

Auf dem Bildschirm erscheint eine schematische Darstellung der Brauanlagen und Tanks – sechs 1000-Liter-Tanks für untergäriges, zwei 500-Liter-Tanks für obergäriges Bier, ein weiterer 1000-Liter-Tank für fertiges Bier. Das sei noch einmal gefiltert, erläutert der Braumeister. Das diene der Stabilisierung, der Haltbarkeit im erwünschten Zustand.

Das geschehe sensibel. „Wir wollen aus dem Bier nicht zu viele Inhaltsstoffe herausfiltern“, erklärt Ballüer. Deshalb garantiert die Duderstädter Braumanufaktur nur ein Mindesthaltbarkeitsdatum von vier Monaten. Nur so wird aber auch der „markante“ Geschmack erhalten, auf den es dem Braumeister ankommt.

Fingerspitzengefühl des Braumeisters

Was zeichnet das Duderstädter Bier aus? Eine erhöhte Stammwürze, „wir haben mehr Alkohol im Bier als üblich“, erläutert Ballüer. Das ist kein Selbstzweck, Alkohol ist ein Geschmacksträger. Jenseits der Fakten, beim Geschmack, ringt der Braumeister nach Worten, formuliert Beschreibungen wie: „Das Duderstädter Bier ist in seinem ganzen Körper gehaltvoller.“

Er erklärt, das Duderstädter Wasser gebe dem Bier einen eigenen Geschmack. Die Auswahl der Hefe („Es gibt nur vier Hersteller“) und des Hopfens („Jeder hat sein Charakteristikum“) und schließlich das Fingerspitzengefühl bei Temperatur, Gärzeit und Druck auf dem Tank gäben dem Bier seinen spezifischen Geschmack. Tägliche Messungen im Labor helfen dem Braumeister dabei, die Gärung zum richtigen Zeitpunkt zu unterbrechen.

Fruchtiges Weizenbier

Der Worte überdrüssig greift Ballüer zum sogenannten Zwickel, einer Zapfvorrichtung mit schneckenförmigem Röhrchen, und schraubt ihn an einen der Tanks. Schäumend fließt trübes Bier ins Glas. Ein angenehmer Geruch steigt in die Nase, „nach Banane, Mango, einer Note Pfirsich“, fasst es Ballüer in Worte: „Ich bin ein Fan von fruchtigem Weizenbier.“

Gefragt nach der Richtschnur bei der Rezeptur des dunklen Biers zögert er. „Inspiration“ scheint ihm schließlich der passende Begriff zu sein. Beim Hellen orientiert er sich am gängigen Geschmack, der nach milderem Bier verlangt. Für Pilsfans fügt er hinzu: „Für den, der es herb, hopfenbetont mag, wird ein Pils nachgereicht in 2014.“

Noch steht aber die Erstverkostung am Sonnabend bevor. Anschließend gibt es Duderstädter Bier in ausgewählten Lokalen: im Duderstädter Hotel Zum Löwen sowie im Restaurant Ratskeller und dem Bistro Sabri, sowie im Seeburger Restaurant Graf Isang und dem Hotel zum Kronprinzen in Fuhrbach. Einen Werksverkauf gibt es ab kommender Woche, direkt bei der Duderstädter Braumanufaktur in der Kurzen Straße 15: jeweils montags, mittwochs und freitags zwischen 15 und 19 Uhr.

In den Gewölbekeller unter dem Duderstädter Hotel Zum Löwen wird das neue Duderstädter Bier gebraut. Drei Sorten stehen zu Auswahl: Dunkles, Helles und Weizen.
In den Gewölbekeller unter dem Duderstädter Hotel Zum Löwen wird das neue Duderstädter Bier gebraut. Drei Sorten stehen zu Auswahl: Dunkles, Helles und Weizen.