Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Friedland „1989 x 4“ – Was die Wende für KZ-Gedenkstätten und Museen in der Region bedeutete
Die Region Friedland „1989 x 4“ – Was die Wende für KZ-Gedenkstätten und Museen in der Region bedeutete
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:28 29.11.2019
Es diskutierten: Paul Schneegans für das Grenzlandmuseum Eichsfeld (l.), Angela Steinhardt für das Museum Friedland (2.v.l.), Dietmar Sedlaczek für die KZ-Gedenkstätte Moringen (2.v.r.), Regine Heubaum für die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora (r.). Tina Fibiger (Mitte) moderierte. Quelle: lel
Anzeige
Teistungen

Grenzöffnung 1989: Der Grenzübergang Duderstadt-Worbis soll für die Nachwelt erhalten bleiben, die Konzeption für einen Ort des Erinnerns beginnt. Das Grenzdurchgangslager Friedland erlebt die Nachwirkung der Überfüllung ab 1987, an das heutige Museum ist noch nicht zu denken. Für das ehemalige Konzentrationslager (KZ) Moringen gründet sich der Verein „Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen“, der Träger der 1993 eingerichteten Gedenkstätte wird. Einzig die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora erlebt die Wende als aktiver Gedenk- und Mahnort, sie wurde bereits 1964 durch die DDR gegründet und seitdem mehrfach neu konzeptioniert.

Die vier Institutionen der Geschichtsvermittlung zwischen Harz und Leine haben sich zusammen geschlossen. Unter dem Titel „1989 x 4“ haben am Donnerstagabend Vertreter der Einrichtungen diskutiert. An die Zeit kann sich Wolfgang Nolte bestens erinnern. „Heute vor 30 Jahren hat Helmut Kohl das Zehn-Punkte-Programm vorgestellt und ohne das würden wir alle hier heute nicht sitzen“, sagte er als Vorsitzender des Trägervereins des Grenzlandmuseums zur Begrüßung.

Wende = Wandel?

Ob 1989 ein Wandel eintrat, wollte Moderatorin Tina Fibiger von den Diskutanten wissen. In Teistungen sei das Museum noch im Vagen gewesen, so Paul Schneegans, ehemaliger Geschäftsführer des Grenzlandmuseums. „Wir haben sofort den Grenzdurchgang als Ort des Mahnens und Gedenkens geplant“, berichtet er. 1995 eröffnete das Museum, seitdem klären die Mitarbeiter über den Grenzdurchgang und das Grüne Band auf. „Der heutigen Schülergeneration näher zu bringen, dass diese Grenze tödlich war und im Prinzip unüberwindbar – da erntet man oft verständnislose Blicke“, sagt Schneegans.

„Bei uns hatte niemand Zeit für Gedanken an ein Museum“, so Angela Steinhardt für das Museum Friedland. Das Grenzdurchgangslager registrierte in diesem Jahr 171813 Menschen, erzählt die Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung. Heute ist das Lager Anlaufpunkt für jüdische Zuwanderer, Spätaussiedler und Asylsuchende aus der ganzen Welt. Im Museum nebenan soll seit der Eröffnung 2016 eine „identitätsstiftende Aufklärung“ möglich sein, so Steinhardt. „Das Thema Flucht und Migration hat nicht nur bei uns aktuelle Relevanz – aber eben auch eine lange Geschichte.“

Zeit des Verschweigens

Dietmar Sedlaczek, Leiter der KZ-Gedenkstätte Moringen, betont die Zeit des Verschweigens, als er auf die pädagogische Arbeit angesprochen wird. „Erst in den späten 70er-Jahren wurden Gedenktafeln aufgestellt, ehemalige Häftlinge kamen 1983 das erste Mal bei uns zusammen“, sagt er. 1989 ging der Trägerverein die Gedenkstätte erst an.

Einzig die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora hatte Vorerfahrung und erlebte die Grenzöffnung als aktiver Erinnerungsort. „Ehemalige Häftlinge besuchten ab den 90er-Jahren den Ort ihrer Haft“, berichtet Regine Heubaum. Im Dialog mit ihnen konnten die Betreiber Erinnerungen sammeln und für die Nachwelt aufarbeiten. Die Gedenkstätte konzipierte sich neu, die Geschichtsschreibung der DDR wurde mit der westdeutschen Sicht abgeglichen und ergänzt.

Wie die Bevölkerung dazu steht

Wie die Bevölkerung zu den Gedenkstätten heute steht, will ein 77-Jähriger aus dem Publikum wissen. „Allgemein erfahren wir keine Ablehnung“, so Heubaum. Es gelte immer noch, erinnerungskulturelle Vorstellungen aufzubrechen: „Lange wurde von Rechten verbreitet, dass die meisten KZ-Häftlinge bei den Luftangriffen auf Nordhausen gestorben seien – nicht durch Verhungern.“ In Moringen sei die Abgrenzung zum heutigen Maßregelvollzugszentrum Niedersachsen schwierig: „Wir sind nicht nur Erinnerungsort, es gibt auch heute Häftlinge auf dem Gelände“, sagt Sedlaczek.

„Alle vier Institutionen zeigen schwere Themen, ein Besuch bei uns ist kein fröhlicher Sonntagsausflug“, fasst Steinhardt zusammen. Trotzdem kommen viele Besucher in ihrer Freizeit in die Häuser – aber es dürfen gerne noch mehr werden. Deshalb haben die vier sich zusammen geschlossen. Auf der Facebook-Seite bewerben sie regelmäßig kommende Veranstaltungen und Ausstellungen.

Von Lea Lang

„Einen absoluten Höhepunkt für 25 Bugz und ihre Fans“ kündigt die Band für Sonnabend, 7. Dezember, um 20 Uhr an: Im Marshall-Museum Reckershausen rockt das Quintett ein Benefiz-Konzert zugunsten der Tageblatt-Weihnachtshilfe „Keiner soll einsam sein“.

29.11.2019

Der in seiner Position noch relativ neue Generalsekretär der CDU in Niedersachsen, Kai Seefried, hat das Grenzdurchgangslager Friedland besucht. Begleitet wurde er von der Landesbeauftragten für Spätaussiedler, Editha Westmann.

29.11.2019

Für jede Menge Gänsehaut-Feeling haben die Teilnehmer einer Fackelwanderung von Kirchgandern zum Rittergut Besenhausen gesorgt. In einer anschließenden Gesprächsrunde erinnerten sich Zeitzeugen an bewegende Momente rund um die Grenzöffnung vor 30 Jahren.

24.11.2019