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Friedland Protest gegen 244 Meter hohes Windrad nahe der Burg Hanstein
Die Region Friedland Protest gegen 244 Meter hohes Windrad nahe der Burg Hanstein
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08:51 02.12.2019
Das Kulturdenkmal Burg Hanstein. Quelle: R
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Bornhagen

244 Meter hoch soll das Windrad werden, das kurz hinter der Landesgrenze in Hessen gebaut werden soll. Am Stürzlieder Berg in direkter Nachbarschaft zur Burg Hanstein, einem Kulturdenkmal, ist es geplant. Bis zu vier weitere Anlagen könnten folgen, befürchten die Bürger.

Das Land hat in diesem Bereich ein Windvorranggebiet ausgewiesen. Bedenken gegen die Windkraftanlage sollten im Genehmigungsverfahren geprüft werden, erklärt Daniela Hartmann. Sie lebt in der Region und wollte am Montagabend mit anderen zusammen eine Bürgerinitiative gegen den Bau des Windrades gründen.

Zwischen 103 und 106 Dezibel

Bei einer Gesamthöhe von 244 Metern – der Rheinturm in Düsseldorf kommt auf 240,5 Meter – erreicht die Nabe des Windrads eine Höhe von 164 Metern. Der Rotor hat einen Durchmesser von nahezu 150 Metern, ein Flügel ist 73 Meter lang. Bei Volllast soll die Anlage zwischen 103 und 106 Dezibel laut sein.

Die Burg Hanstein sei ein „Kulturdenkmal mit weitreichender Raumwirkung“, erklärt Hartmann. Etwa sieben Kilometer im Umkreis dürfe diese Raumwirkung nicht beeinträchtigt werden. Das Windrad sei in direkter Sichtachse der Burganlage in einer Entfernung von etwa 2800 Metern vorgesehen, hoch würde es den Horizont überragen. Stellungnahmen aus dem thüringischen Amt für Denkmalschutz seien bereits an die Planungsbehörde in Hessen gegangen, berichtet Hartmann. Doch die Planer wollten sich wohl darüber hinwegsetzen, heißt es. Von Hohengandern übrigens beträgt die Entfernung zu der Windkraftanlage circa 1400 Meter.

Schutzwürdige Bereiche betroffen

Zwei weitere schutzwürdige Bereiche seien von dem möglichen Bau eines Windrades betroffen. Das Grüne Band verläuft in unmittelbarer Nähe, auch dieser ehemalige Grenzstreifen zwischen den beiden deutschen Staaten ist als nationales Naturmonument ausgewiesen. Nur wenige Meter entfernt liegt ein Vogelschutzgebiet.

Doch auch auf Erinnerungen aus der jüngeren und der älteren Vergangenheit verweist Hartmann. Schon weit vor Gründung der DDR sei die Burg Hanstein ein beliebtes Ausflugsziel für Göttinger Studenten gewesen. Zudem sei sie mit ihrer exponierten Lage unmittelbar an der ehemaligen innerdeutschen Grenze ein Symbol für die Teilung, aber auch die Wiedervereinigung, auf das vor allem, aber nicht nur die Menschen blickten, die in der Region aufgewachsen seien. In Sichtweite der Burg Hanstein liegt Burg Ludwigstein diesseits der Grenze.

Top-Wanderweg ausgezeichnet

Hartmann argumentiert auch aus aktueller Sicht. Ein Windrad mit einer Höhe von 244 Metern könnte die steigenden Tourismuszahlen beeinträchtigen. Gerade erst wurde in dem Bereich ein Top-Wanderweg ausgezeichnet.

Hartmann will nun mit ihren Mitstreitern Petitionen beim hessischen und beim thüringischen Landtag auf den Weg bringen. Auch dazu dient die Gründung der Bürgerinitiative.

An anderer Stelle bauen

Und was sagen die Planungsbehörden in Hessen dazu? Ein Sprecher des Regierungspräsidiums in Kassel bestätigt, dass ein Genehmigungsantrag vorliege, und derzeit die Unterlagen vervollständigt würden. Lediglich über eine Windkraftanlage soll bislang entschieden werden. „Die naturschutzrechtlichen Anforderungen müssen auch in Bezug auf die Gegebenheiten in Thüringen eingehalten werden“, teilt der Sprecher mit. Diese Verpflichtung bestehe.

Die Gegner der Anlage schließlich betonen, keinesfalls Gegner von Windkraft zu sein. Allerdings müssten Windräder an einer anderen Stelle gebaut werden.

Die zwei Burgen

Die Burg Hansteinliegt in ausgesprochen exponierter Lage in Thüringen. Wer auf dem Bergfried steht, sieht weit in die Landschaft. Rechter Hand liegen die Berge des Thüringer Waldes. Der Hohe Meißner schließt sich daran an. Im Norden sind die Göttinger Erhebungen und jene des Eichsfelds zu erkennen. Das Werratal liegt zu Füßen der imposanten Anlage, das Leinetal ist auch weit einzusehen. Diese herausgehobene Lage führt allerdings dazu, dass die Burgruine schon vor weitem zu sehen ist. In unmittelbarer Nähe liegt Burg Ludwigstein – auf hessischem Hoheitsgebiet. Sie wird heute als Jugendherberge genutzt. Gebaut wurde sie in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts als Antwort auf Burg Hanstein. Beide Anlagen dienten dem Grenzschutz. 1632 wurde die Ludwigsburg von den Schweden zerstört. Vor rund 100 Jahren haben Wandervögel den Ludwigstein neu errichtet – als Jugendburg und als vom Geist der Jugendbewegung geprägtes Ehrenmal.

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Von Peter Krüger-Lenz

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