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Friedland Mit Katzenfutter und Kamillentee: So päppelt Familie Riese ein Igelbaby auf
Die Region Friedland Mit Katzenfutter und Kamillentee: So päppelt Familie Riese ein Igelbaby auf
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07:24 14.10.2019
Bettina Riese und Tochter Lena kümmern sich um einen Igel. Wenn dieser ausreichend zugenommen hat, soll er in ein Winterquartier im Garten umziehen. Quelle: Markus Riese
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Friedland

Ein kleiner Igel als Familienmitglied? Den Rieses aus Friedland ist der vor zwei Wochen gefundene, kleine und stachelige Freund jedenfalls richtig ans Herz gewachsen. Derzeit päppeln Bettina und Markus sowie die vierjährige Lena das stark untergewichtige Jungtier auf, damit es den nahenden Winter überstehen kann.

„Ich war in Friedland unterwegs, da kam er mir auf dem Fußweg entgegengetrippelt“, erzählt Bettina Riese. Zunächst sei sie vorbeigelaufen, dann erinnerte sie sich daran, dass „ein Igel nachmittags doch eine ungewöhnliche Sichtung ist“. Wahrscheinlich sei seiner Mutter etwas passiert, denn normalerweise sind die Tiere in ihrer Jugend sehr anhänglich. Kurzerhand drehte sie um und nahm das sichtlich entkräftete, schmächtige Wesen mit nach Hause, um es zu füttern. Doch Fressen wollte der Igel zunächst nicht, verschmähte das bereitgestellte Katzenfutter. Derweil versuchte Riese, einen Igel-Experten zu finden, der ihr weiterhelfen konnte.

Wärme gefällt ihm, nur fressen möchte der Igel nicht

Sie erhielt den Tipp, das Tier auf eine Wärmflasche zu legen, es unbedingt warm zu halten. „Das gefiel ihm“, nur fressen wollte er weiterhin nicht. Am Quartier, das Bettina Riese für das kleine Säugetier bereitet hatte, lag es jedenfalls nicht. Eine Kiste wurde kurzerhand mit Heu und Stroh gefüllt, damit der Igel es kuschelig warm hat. „Wir haben Zwergkaninchen zuhause, deshalb ging das relativ fix.“

Die Internetrecherche hingegen, was denn nun zu tun ist, habe sie „eher noch mehr verunsichert“, erzählt die examinierte Altenpflegerin. „Da hat man dann 25 verschiedene Tipps, jeder gibt seinen Senf dazu, und am Ende weiß man gar nicht mehr, was man tun soll“, sagt sie.

Kamillentee und Katzenfutter

Hilfe nahte aus dem Tierschutzverein Friedland: Melanie Wollradt bot sich sofort an, vorbeizukommen und sich den kleinen Igel anzusehen. „Er wog nur 152 Gramm“, sagt Riese, um den Winterschlaf überstehen zu können, benötigen die Tiere ein Gewicht von mindestens einem halben Kilo. „Ich habe mir richtig Sorgen gemacht“, fügt sie hinzu. Die Lösung war schließlich Kamillentee. Mit dem Pflanzenextrakt wurde das Katzenfutter flüssig gemacht, über eine Spritze begann der kleine Igel nun endlich, zu trinken und zu essen. „Seit ich das so mache, frisst er richtig gut“, freut sich Riese.

Wer einen Igel aufpäppeln will, sollte einige Regeln beachten - so wie Familie Riese aus Friedland. Quelle: Markus Riese

Mittlerweile ist das neueste Familienmitglied mehr als 350 Gramm schwer – und ein richtiger Feinschmecker geworden. „Rinderhack mit wenig Öl angebraten frisst er auch“, es muss vorher aber erkaltet sein. Von gekochtem Hähnchen sei er dagegen nicht so angetan. Milch hingegen dürfe den laktoseintoleranten Tieren nicht gegeben werden. „Einige mögen zwar laktosefreie Katzenmilch, aber nur in Maßen“, sagt Riese. Auch auf den eigenen Schutz achtet die Familie: Angefasst wird das Tier nur mit Handschuhen.

Die Igelfütterung im Video:

Bald geht es für das Tier nach Draußen

Mittlerweile frisst und wächst der Igel, in etwa eineinhalb Wochen soll er in Rieses Garten ein Plätzchen für den Winterschlaf finden. „Wir werden ihm ein Quartier bauen“, blickt Riese voraus. Vorher müsse er einige Tage auf die Wärmflasche verzichten, um sich zu akklimatisieren. Sie hofft, dass sich das Tier bis dahin ein Polster von etwa 600 Gramm angefressen hat, damit es den Winter überstehe. „Jedes Gramm zählt.“ Schließlich ist der Jungigel der Familie richtig ans Herz gewachsen. „Das ist total niedlich, wenn er in die Spritze beißt und mit der Zunge daran leckt. Gerade jetzt liegt er auf der Wärmflasche, alle Viere von sich gestreckt und lässt es sich gutgehen“, freut sich Riese.

Kontakte zu Igel-Experten: Tierschutzverein Friedland, 05504 949560; Verein ProIgel 0180 55559551.

Igel und Winterschlaf

Ab Ende Oktober/Anfang November halten Igel bis in den folgenden März Winterschlaf. In dieser Zeit fahren die stacheligen Säugetiere ihre Körperfunktionen zurück: Ihre Temperatur sinkt auf sechs Grad und das Herz schlägt langsamer. Um diese Phase zu überstehen, fressen sich Igel Fettpolster an. Ihre Nahrung besteht in erster Linie aus Käfern, Regenwürmern und Schmetterlings-Larven. Auch Schnecken, Spinnen und Tausendfüßer stehen auf ihrem Speiseplan. Um ihren Winterschlaf halten zu können, suchen sich die Tiere frostfreie Verstecke. Wer in seinem Garten ein Refugium für Igel schaffen möchte, sollte Kompost- oder Holzhaufen anlegen. Dort finden die Tiere auch in der kalten Jahreszeit ihre Nahrung. Da Igel nachtaktiv sind, kann sein Antreffen an Wintertagen ein Indiz dafür sein, dass er wahrscheinlich zu schwach oder untergewichtig für den Winterschlaf ist. Erkennbar ist dies auch an der sogenannten „Hungerlinie“, einer Einbuchtung hinter dem Kopf, und eingefallenen Flanken.

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