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Friedland Friedland nimmt besonders Schutzbedürftige aus UN-Hilfsprogramm auf
Die Region Friedland Friedland nimmt besonders Schutzbedürftige aus UN-Hilfsprogramm auf
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21:00 02.08.2019
Diakon Hagop Shahinian (links) ist im Grenzdurchgangslager Friedland ein gefragter Ansprechpartner für Geflüchtete aus arabisch- und kurdischsprachigen Regionen.. Quelle: Foto: Niemann
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Friedland

Hagop Shahinian weiß, wie schwer es ist, wenn man seine Heimat verlassen muss und in einem völlig fremden Land landet. In dem die Menschen eine andere Sprache sprechen und andere kulturelle Gepflogenheiten haben.

Hagop Shahinian stammt aus der zweitgrößten syrischen Stadt Aleppo, die inzwischen zu großen Teilen zerstört ist. Der armenisch-orthodoxe Geistliche ist schon vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland geflohen. Hier hat er nicht nur eine neue Heimat, sondern auch eine neue Aufgabe gefunden: Shahinian ist als Diakon in der Inneren Mission im Grenzdurchgangslager Friedland tätig, wo er vor allem Geflüchtete aus arabischsprachigen Ländern betreut. Demnächst wird er noch mehr zu tun bekommen: Ab der zweiten Augusthälfte treffen regelmäßig Gruppen von Geflüchteten ein, die durch ein spezielles UN-Hilfsprogramm nach Deutschland kommen dürfen.

Erste Gruppe trifft am 20. August ein

Deutschland hat sich bereit erklärt, rund 10 200 Geflüchtete aus Drittstaaten, die als besonders schutzbedürftig gelten, über eines der humanitären Hilfsprogramme aufzunehmen. Diese werden von Vertretern des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR nach Befragungen in Flüchtlingslagern in Ägypten, Äthiopien, Jordanien und dem Libanon ausgewählt. Nach eingehender Sicherheitsüberprüfung stellen die Behörden dann die entsprechenden Einreiselisten zusammen. Am 20. August soll die erste Gruppe aus dem „Resettlement“-Programm mit einem Charterflugzeug in Deutschland eintreffen. Nach der Landung kommen sie zunächst in das Grenzdurchgangslager Friedland, wo sie zwei Wochen verbringen, ehe sie nach einem festgelegten Schlüssel auf die einzelnen Bundesländer verteilt werden.

Als „Tor zur Freiheit“ hat Friedland eine jahrzehntelange Erfahrung mit der Aufnahme von Vertriebenen, Flüchtlingen und Heimkehrern. Dass Friedland auch jetzt wieder eine zentrale Rolle in der Flüchtlingsaufnahme spielt, ist allerdings kein Selbstläufer.

150 bis 200 Spätaussiedler pro Woche

Vor genau 20 Jahren habe dem Grenzdurchgangslager das Aus gedroht, erzählt der stellvertretende Leiter der Einrichtung, Lorenz Große. Damals wollte das Bundesinnenministerium das Lager schließen, weil die Zahl der Spätaussiedler stark zurückgegangen war. Nach starken Protesten revidierte das Ministerium seine Pläne. Heute ist Friedland einer von vier Standorten der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen und die einzige Erstaufnahmeeinrichtung für alle neu ankommenden deutschstämmigen Spätaussiedler in Deutschland.

Humanitäres Aufnahmeprogramm für Flüchtlinge in der Türkei

Derzeitsind in Friedland auch 177 Geflüchtete untergebracht, die vorher in Flüchtlingslagern in der Türkei gelebt haben. Diese sind im Rahmen eines anderen humanitären Aufnahmeprogramms nach Deutschland gekommen, das die Europäische Union mit der Türkei abgeschlossen hat. In Friedland absolvieren die Flüchtlinge unter anderem einen „Wegweiser-Kurs“, um sich auf das Leben in Deutschland vorzubereiten. Einer von ihnen ist Shaikho Khalid. Der 42-jährige Kurde ist mit seiner Frau und drei Kindern aus Afrin in Nordsyrien geflohen und hat danach mehrere Jahre in der Türkei gelebt. In Afrin habe er ein Schuhgeschäft gehabt, erzählt er. Jetzt brennt er darauf, sich in Deutschland eine neue Existenz aufzubauen. Auch Diakon Hagop Shahinian unterstützt ihn mit hilfreichen Tipps. Da er arabisch und kurdisch spricht, ist er ein gefragter Ansprechpartner. Der Aufenthalt in Friedland habe für die Geflüchteten eine ganz wichtige Bedeutung, sagt er: „Friedland ist eine Station auf dem Weg aus der Dunkelheit zum Licht.“

Wie sehr Friedland weiterhin gebraucht wird, zeigt sich unter anderem daran, dass auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer immer noch zahlreiche Spätaussiedler aus Osteuropa nach Deutschland kommen. 250 der insgesamt 800 Plätze werden daher ständig für Spätaussiedler bereitgehalten. „Jede Woche kommen hier zwischen 150 und 200 Spätaussiedler an“, berichtet der stellvertretende Standortleiter. Im vergangenen Jahr seien rund 7000 Spätaussiedler nach Deutschland gekommen, in diesem Jahr sei mit einer ähnlichen Zahl zu rechnen.

500 weitere Plätze sind nun für die Flüchtlinge reserviert, die über die humanitären Hilfsprogramme nach Deutschland kommen. Nach den Planungen des Bundesamtes für Migration sollen bis zum Jahresende 3000 besonders schutzbedürftige Personen nach Deutschland geholt werden. „Wir rechnen damit, dass jede Woche 180 Personen hier eintreffen“, sagt Große. Die gezielt ausgesuchten Flüchtlinge haben erstmals seit vielen Jahren eine gesicherte Bleibeperspektive: Sie müssen keinen Asylantrag stellen und haben Aufenthaltstitel für zunächst drei Jahre mit der Möglichkeit der Verlängerung. Außerdem haben sie einen Anspruch auf Sozialleistungen und Zugang zum Arbeitsmarkt.

Von Heidi Niemann

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