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Friedland Geschenk von Theodor Heuss: Gestohlenes Kreuz wieder aufgetaucht
Die Region Friedland Geschenk von Theodor Heuss: Gestohlenes Kreuz wieder aufgetaucht
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00:25 22.06.2019
Nach 56 Jahren ist ein Kreuz, das im März 1963 aus der Kirche gestohlen wurde, wieder aufgetaucht. Es lag in einem Päckchen vor der Eingangstür, wie ein Findelkind. Pater Tomasz (re.) und Waltraud Schmidt stehen vor dem Tabanakel und dem Kreuz. Quelle: Foto: Hinzmann T
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Friedland

Gewissen ist das Bewusstsein von Gut und Böse beim eigenen Tun. So definiert der Duden die Fähigkeit, eine böse Tat zu erkennen. Das Gewissen muss wohl eine Rolle gespielt haben bei einer reumütigen Rückgabe von Diebesgut. Waltraud Schmidt, Pfarrsekretärin der katholischen Pfarrgemeinde Maria Frieden in Friedland, nimmt sogar das Wort „Wunder“ in den Mund. Denn ein vor 56 Jahren gestohlenes Altarkreuz ist wieder aufgetaucht. Nicht irgendein Kreuz - es war das Geschenk des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss (FDP) anlässlich der 1955 erfolgten Kirchweihe der Heimkehrer-Gedächtniskirche St. Norbert.

Ein Tag im März des Jahres 1963...

„Das Kreuz hatte damals seinen Platz auf dem Tabernakel, der auf dem Altar stand. Es stand da wohl bis zu dem Tag im März 1963, als es entwendet wurde“, erzählt Schmidt eine außergewöhnliche Geschichte. Nach so langer Zeit sei es am 25. Mai dieses Jahres, einem Sonnabend, in der rechten Beichtkapelle neben einem Bild der Maria, der Mutter Gottes, gut verpackt abgestellt worden. „Am darauffolgenden Sonntag ist das Päckchen von Küster Martin Bolik und mir vorsichtig geöffnet worden“, sieht Schmidt noch das fragende Gesicht ihres Gegenübers vor sich. Als dann ein farbiges Symbol zum Vorschein kam, schwante ihr etwas. „Wenn es das ist, was ich glaube, ist es eine Sensation“, rief Schmidt aus. Es handelte sich tatsächlich um das Kreuz von Bundespräsident Theodor Heuss. So heimlich wie es verschwunden ist, sei es auch zurückgekommen.

Pfarrer Vetter und Pater Tomasz seien zwar sofort über den Fund informiert worden, sie wurden von Schmidt aber zur Verschwiegenheit verpflichtet. „Es sollten alle aus der Gemeinde erst in der Heiligen Messe am 2. Juni davon erfahren“, freute sich die engagierte Christin auf ein gemeinschaftliches Staunen. Am 27. Mai habe sie die für die kirchliche Denkmalpflege im Bistum Hildesheim zuständige Mitarbeiterin Monika Tontsch informiert. „Sie war genau wie ich sofort der Meinung, dass wir es restaurieren lassen müssen“, erklärt Schmidt.

Polizistin freut sich über etwas Erfreuliches

Am 28. Mai folgte die Mitteilung an die Polizeistation Friedland. Die Beamtin habe sich mit ihr gefreut und gesagt: „Dann haben wir doch in der Dienstbesprechung mal etwas Erfreuliches zu berichten.“

Inzwischen hat Schmidt recherchiert und herausgefunden, dass das Kreuz in Kevelaer (Nordrhein-Westfalen) in der Goldschmiedewerkstatt Polders gearbeitet wurde. Der Kontakt mit der Werkstatt ist bereits aufgenommen worden. „Herr Polders konnte sich daran erinnern, dass sein Vater Mitte der fünfziger Jahre einen Auftrag von Bundespräsident Theodor Heuss erhalten hat“, sagt sie.

Das Kreuz mit den Maßen 40 mal 40 Zentimeter werde nun bis zu den Sommerferien an jedem Sonntag während der Heiligen Messe auf dem Tabernakel stehen. Von weiteren Diebstählen aus der Kirche ist der Pfarrsekretärin nichts bekannt – und das, obwohl die Kirche jeden Tag offen steht von morgens 9 Uhr bis Sonnenuntergang. Bezüglich des Kreuzes schätzt Schmidt ein, dass der ideelle Wert sehr viel höher ist als der materielle. Wie es sich für eine gute Christin gehört, hat sie noch eine passende Bibelstelle für diese Geschichte parat: „Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über 99 Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren“, heißt es im Lukas-Evangelium.

Ewige Licht ein Geschenk von Konrad Adenauer

Und wie hat nun die Gemeinde beim Anblick des zurückgekommenen Kreuzes reagiert? „Einige der älteren Friedländer erkannten es“, verweist Schmidt auf ein freudiges Staunen bei der Heiligen Messe. Übrigens: Das sogenannte Ewige Licht, das in katholischen Kirchen die Anwesenheit Gottes symbolisiert, ist in St. Norbert auch eine milde Gabe. Ein gewisser Konrad Adenauer schenkte es einst der Gemeinde.

Von Ulrich Meinhard

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