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Friedland Göttinger Theologieprofessor wirbt für Rückkehrhilfen für christliche Flüchtlinge
Die Region Friedland Göttinger Theologieprofessor wirbt für Rückkehrhilfen für christliche Flüchtlinge
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11:26 30.04.2019
Prof. Martin Tamcke hat in Friedland für die finanzielle Unterstützung christlicher Flüchtlinge geworben. Quelle: Hinzmann
Friedland

Von den einst knapp drei Millionen Christen in Syrien lebten heute vielleicht noch 300 000 bis 700 000 Gläubige im Land, berichtete der Direktor des Instituts für ökumenische Theologie und orientalische Kirchengeschichte an der Universität Göttingen in der katholischen Kirche St. Norbert.

In den zerstörten christlichen Dörfern, berichtete Tamcke vor etwa 70 Zuhörern, sei alles wieder neu aufzubauen: die Wasser- und Stromversorgung, die Häuser und landwirtschaftlichen Betriebe, die Schulen und das Gesundheitssystem. Aus eigener Kraft würden das die christlichen Flüchtlinge kaum schaffen. Viele junge Menschen wollten ohnehin nicht in ein Land zurück, wo sie als religiöse und ethnische Minderheit diskriminiert würden. Viele Christen in Syrien seien nämlich keine Araber, sondern sprächen Aramäisch, Jesu Muttersprache, oder Armenisch.

Bundesregierung hält sich mit Aufbauhilfen zurück

Von der Politik zeigte sich der Professor, der seit Mitte der 70er-Jahre regelmäßig die Region zwischen der Türkei und Ägypten bereist, ernüchtert. Er habe von Beginn des Kriegs an um humanitäre Hilfe für die Menschen, von denen er viele persönlich kenne, gekämpft. Die Bundesregierung halte sich aus Angst, dass die Hilfe in falsche Hände gelange, zurück. Manche Politiker wollten nicht über die Verfolgung von Christen sprechen, weil sie eine Eintrübung ihrer Beziehungen zu Muslimen befürchteten.

„Die Zivilgesellschaft hat zum Teil Beachtliches in der humanitären Hilfe geleistet, so etwa die katholische Gemeinde Maria Frieden in Göttingen“, betonte Tamcke. Am meisten Hilfe komme von christlichen Zuwanderern, die zum Teil seit Jahrzehnten im Westen lebten. So zähle die syrisch-orthodoxe Kirche in Deutschland 100 000 Mitglieder. Die meisten von ihnen stammten aus dem Tur Abdin, einer Region im Südosten der Türkei. Dort sei das christliche Leben, das in den 70er-Jahren noch geblüht habe, heute fast gänzlich erloschen.

Völkermord an den Armeniern

Der Professor machte darauf aufmerksam, dass Christen im Nahen Osten bereits zahlreiche Pogrome erlebt haben. Er erinnerte unter anderem an den Genozid an den Armeniern 1915 im Gebiet der heutigen Türkei. Diesem seien auch aramäischsprachige Christen zum Opfer gefallen. Syrien, das erst nach dem Ersten Weltkrieg vom Osmanischen Reich abgetrennt worden sei, habe damals viele Überlebende aufgenommen.

Die traumatisierten Christen, so Tamcke, würden die Opfer der Gewalt oft als Märtyrer verehren. Das befremde Westeuropäer. Er habe zum Beispiel nach der Ermordung von 21 ägyptischen Christen durch Islamisten sein Beileid ausdrücken wollen. Ihm sei gesagt worden, dass der Tod von Märtyrern kein Grund für Traurigkeit sei. Kurz darauf habe die Kirche die Toten heilig gesprochen.

Wanderausstellung noch bis Sonntag zu sehen

Der Vortrag fand anlässlich der Wanderausstellung „Verfolgte Christen weltweit“ statt. Sie ist bis Sonntag, 5. Mai, täglich zwischen 9 und 18 Uhr in der Kirche, St. Norbert-Platz 2, zu sehen.

Von Michael Caspar

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