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Friedland Friedland Station für bis zu 13000 Syrer
Die Region Friedland Friedland Station für bis zu 13000 Syrer
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00:17 29.01.2017
Von Christoph Höland
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Friedland

Hintergrund ist eine erfolgte Umwidmung von Aufnahmequoten: Die Bundesregierung hat Mitte Januar entschieden, anderen EU-Staaten weniger Flüchtlinge abzunehmen und stattdessen ihr humanitäres Aufnahme-Programm auszuweiten. Bis September 2017 sollen so nach Angaben von Annegret Korff vom Bundesministerium des Inneren bis zu 13694 Syrer und Staatenlose aus der Türkei nach Deutschland einreisen. „Vorrangig“ soll dies über Friedland erfolgen, teilte Korff weiter mit.

Flüchtlings-Aufnahme-Programme

Zuletzt waren rund 1200 Flüchtlinge über das sogenannte Resettlement-Programm des UN-Flüchtlingshilfswerks nach Deutschland eingereist. Friedland war dabei die zuständige Erstaufnahmeeinrichtung. Zugleich besteht seit September 2015 eine EU-Vereinbarung, die die innereuropäische Verteilung von rund 160000 Menschen beinhaltete. Das Relocation Programm sah vor, aus Süd- und Osteuropäischen Ländern Flüchtlinge übernehmen - Erstaufnahmeeinrichtung wäre dann das bayerische Erding gewesen. Statt 13694 Flüchtlinge aus Ungarn aufzunehmen, hat das Bundesinnenministerium Mitte Januar angeordnet, dass an deren Stelle die gleiche Zahl besonders schutzbedürftiger Syrer aus der Türkei einreisen darf.

Friedland hatte sich zuletzt zum Herzstück der deutschen Beteiligung an Resettlement-Programmen entwickelt: Als Teil des Flüchtlingsabkommens zwischen der EU und der Türkei kamen nach Korffs Angaben rund 120 Syrer monatlich auf diesem Weg nach Deutschland. Friedland war dabei die zuständige Aufnahmeeinrichtung. Standortleiter Heinrich Hörnschemeyer ist deshalb gelassen und sagt: „Wir sind darauf vorbereitet, wir machen die humanitäre Aufnahme ja schon lange.“ Auch die zuständige Landesaufnahmebehörde ist bezüglich des Vorhabens optimistisch, schließlich würden die belegten Plätze ja sehr schnell wieder frei, erklärte Sprecherin Hannah Buschmann. Anvisiert sind jeweils zweiwöchige Aufenthalte in Friedland, bei denen die Flüchtlinge laut Hörnschemeyer Gesundheitschecks und sogenannte Wegweiser-Kurse zum Leben in Deutschland durchlaufen.

Einen Asylantrag müssen die Flüchtlinge einer Erklärung des Deutschen Caritasverbands zufolge nicht mehr stellen: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) soll sie vorab anhand Vorschlagslisten der türkischen Migrationsbehörde DGMMM auswählen. In Friedland müssen dementsprechend nur noch Anträge für Sozialleistungen und Ähnliches gestellt werden, bevor die Neuankömmlinge auf Kommunen bundesweit verteilt werden, erklärte Hörnschemeyer.

Trotzdem sagt Hörnschemeyer: „Ob alle 13000 über Friedland einreisen, ist für mich unklar.“ Und auch die Landesaufnahmebehörde bereitet sich auf mögliche Kapazitätsengpässe vor: Gegebenenfalls seien auch auch andere Standorte in der Prüfung, sagte Sprecherin Buschmann.

Erstaufnahmeeinrichtung Friedland

Bevor Flüchtlinge auf Kommunen verteilt werden, durchlaufen sie im Regelfall eine Erstaufnahmeeinrichtung wie das Lager Friedland. Derzeit sind dort von 1000 Plätzen rund 430 belegt, teilte Standortleiter Heinrich Hörnschemeyer mit. 100 der derzeiten Bewohner sind sogenannte Spätaussiedler aus Russland, 90 sind Flüchtlinge aus Resettlement-Programmen und 240 sonstige Asylbewerber.