Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Friedland Groß Schneen hat wieder eine Sporthalle
Die Region Friedland Groß Schneen hat wieder eine Sporthalle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:37 27.08.2019
Die Sporthalle an der Carl-Friedrich-Gauß-Schule wird zum Schuljahr 2019/20 neu eröffnet. Quelle: Foto: Scharf
Anzeige
Groß Schneen

Hunderte Kinder turnen auf dem Schwebebalken, springen auf dem Trampolin, spielen Tischtennis oder Fußball. Die Stimmung ist ausgelassen. Wenige Augenblicke zuvor hatten Landrat Bernhard Reuter (SPD) und Schulleiter Jens Haepe ihnen die neue Sporthalle übergeben. „Tobt euch aus.“ Lange hatten die Schüler der Carl-Friedrich-Gauß-Schule auf eine eigene Sporthalle verzichten müssen.

Vor ziemlich genau vier Jahren – am 17. August 2015 – stand die alte Sporthalle wie auch Teile der Schule etwa ein Meter unter Wasser. Wenige Tage zuvor hatten Flüchtlingsfamilien hier Zuflucht gefunden, weil die Kapazitäten des Auffanglagers in Friedland erschöpft waren. Durch das Unwetter verloren viele ihr gesamtes Hab und Gut. Die anschließende großangelegte Hilfsaktion brachte die Groß Schneer Sporthalle in die überregionalen Medien. Wenig später wurde bekannt, dass alle Flüchtlinge sicher untergebracht werden konnten. Die Halle aber war nicht zu retten.

Die Eröffnung der neuen Sporthalle in Bildern

8,4 Millionen Euro Baukosten

Der Kreistag entschied sich im November 2015 nach längeren Diskussionen für den Abriss und einen Neubau. Eine Sanierung wäre nicht wesentlich günstiger geworden, so die damaligen Berechnungen der Bauverwaltung. Der reine Gebäudeschaden durch die Überschwemmung wurde auf 860 000 Euro beziffert. Gleichzeitig verwies man auf das schwer zu kalkulierende Risiko von Schimmel und Bakterienbefall in den Wänden. Zudem stand unabhängig vom aktuellen Schaden im Raum, die Halle in den kommenden Jahren grundlegend renovieren zu müssen.

Das alles summierten die Bauexperten des Landkreises auf 4,4 Millionen Euro. Ein Neubau, der die Minimalanforderungen erfüllt hätte, sollte hingegen für 5,5 Millionen Euro zu haben sein. Eine energieeffiziente Bauweise sollte mit weiteren 300 000 Euro zu Buche schlagen, hieß es in der Novembersitzung des Bauausschusses 2015. Vier Jahre später sind diese Zahlen von der Realität weit entfernt. Der Landkreis investiert 8,4 Millionen Euro in seine neue Sporthalle.

Halle komplett ausgebucht

Unabhängig von diesen Zahlen freute sich Landrat Reuter am Tag der Eröffnung über das Resultat. „Das ist ein richtig guter Tag für die Schule, den Ort und den Landkreis.“ Ein Projekt in dieser Dimension stemme man schließlich nicht alle Tage. Und viele Menschen würden davon profitieren, denn die Halle stehe nicht nur der Schule, sondern auch den Vereinen aus den umliegenden Gemeinden zur Verfügung.

„Die Halle war schnell komplett ausgebucht“, weiß Schulleiter Haepe. Er ist froh, dass die Zeit mit der Baustelle vor der Tür seiner Schule endlich vorüber sind. Und er ist stolz, dass trotz der widrigen Umstände in den vergangenen vier Jahren keine Sportunterrichtsstunde ausfallen musste. Wie das gelungen ist? „Im Prinzip waren es nur vier Anrufe.“ Er telefonierte mit den Gemeindebürgermeistern von Rosdorf und Gleichen, den Betreibern des Ballhauses in Reinhausen und dem Landkreis, der einen Buspendel-Dienst organisierte.

Zeit der Improvisation vorbei

Die Notlösung habe dank der Kreativität seiner Sportlehrer funktioniert, optimal sei es aber natürlich nicht gelaufen. Viel Zeit sei durch den Schülertransport verloren gegangen. Außerdem hätten nicht immer alle AGs angeboten werden können. Die Zeiten sind jetzt vorbei. „Wir haben eine sehr sportaffine Schülerschaft“, sagt Haepe, während in der neuen Halle hinter ihm trotz spätsommerlicher Höchsttemperaturen immer noch reges Treiben herrscht.

Es gehört zu den schönen Geschichten rund um den Neubau, dass eine Gruppe von Schülern an der Gestaltung der Halle beteiligt wurde. Die von ihnen entworfenen Sportszenen zieren unter anderem die Fassade der Halle. Hier wird der Besucher von einem Sprinter begleitet, der startet, beschleunigt und schließlich im Eingangsbereich völlig erschöpft zu Boden geht. Der Junge, der hier als Schattenriss zu sehen ist, gehört zu den Teilnehmern einer Graffiti-AG von Kunstlehrer Thomas. Viele Schüler, die hier teilgenommen haben, sind selbst erst 2015 mit ihren Familien nach Deutschland gekommen – kurz vor dem Hochwasser.

Das sagt der Architekt

Im April 2016 zeichnete Ulli Weidemann die ersten Skizzen für die Sporthalle in Groß Schneen. Der Landkreis hatte einen Architekten-Wettbewerb ausgelobt und das Büro aus Münster hatte gewonnen. Im Sommer 2019 steht der Architekt vor der Umsetzung seiner Pläne und erklärt seine Ideen. Die Halle hat zwei Höhen. Der äußere Ring aus Backstein und Glas passt sie sich eingeschossig an die umliegende Wohnbebauung an. Im Kern ragt ein Glaskasten bis zur vollen Höhe auf. Tatsächlich handelt es sich bei den oberen Wänden nicht um Glas, sondern um ein transluzentes Glasfasergewebe, das Wärmedämmung bietet und außerdem das Sonnenlicht bricht. Bei der Außenansicht hingegen soll sich der hellblaue Baukörper kaum vom Himmel abheben.

Wer die Halle durch den gläsernen Eingang betritt, steht in einem Foyer. Für größere Veranstaltungen steht jetzt eine Küche inklusive Tresen zur Verfügung. Außerdem hat man durch eine andere Aufteilung, Platz für einen Gymnastikraum gewonnen. Die Halle selbst lässt sich in drei Bereiche teilen und verfügt über eine große Tribüne, die auf zwei Ebenen begehbar ist. Weidemann am Tag der Eröffnung: „Es war ein schöner Prozess, an dem viele Menschen beteiligt waren. Der schönste Moment ist aber jetzt, wenn man sieht, dass das Gebäude angenommen wird.“

Von Markus Scharf

Friedland Vier Jahre nach dem Hochwasser Groß Schneen hat wieder eine Sporthalle

2015 hat ein schweres Unwetter die Sporthalle an der Carl-Friedrich-Gauß-Schule in Groß Schneen zerstört. Vier Jahre später steht jetzt der 8,4 Millionen Euro teure Neubau. Und der birgt einige Besonderheiten.

26.08.2019
Göttingen Schadenshöhe noch unbekannt - Mobiler Blitzer mit Lack zugeschmiert

Unbekannte haben Sonnabendnacht in Groß Schneen den mobilen Blitzer des Landkreises Göttingen mit weißem Sprühlack beschmiert.

19.08.2019

Die Späne fliegen, der Schweiß tropft, die Fans jubeln: Beim Holzhackwettbewerb sind am Sonntag 16 mutige Groß-Schneer mit Schrotsäge und Spaltaxt gegeneinander angetreten.

18.08.2019