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Friedland One-Man-Show gegen Drogenmissbrauch
Die Region Friedland One-Man-Show gegen Drogenmissbrauch
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21:52 28.10.2019
Kabarettist und Schauspieler Eisi Gulp hat sein Bühnenprogramm „Hackedicht oder was?“ vor den Schülern der Carl-Friedrich-Gauß-Schule in der Aula aufgeführt. Quelle: Foto: lel
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Groß Schneen

Gleich 210 Schüler hatte sich Eisi Gulp am Montagmorgen vorgenommen. Um Drogen sollte es gehen, um die Gefahren von Alkohol und anderen Rauschmitteln, aber das war dem Comedian nicht genug.

Zuallererst machte sich der 63-jährige Kabarettist und Schauspieler für die 15- bis 18-Jährigen zum Affen. Minutenlang nutzte er die gesamte Bühne der Aula, um seine Dance-Moves abzufeuern, bis er in Stroboskopeffekten zu James Browns „Sexmachine“ gespielt zusammenbrach und um Luft rang. Da hatte er schon viele Lacher geerntet und das schwierige Schülerpublikum kurzzeitig auf seiner Seite.

Dann fing er an mit seiner Kritik an der Jugend, der ewigen Antwort „Keine Ahnung“ auf Fragen wie „Was machst du?“ oder „Warum machst du das?“ und verließ die Bühne, um mit den Neunt- und Zehntklässlern zu sprechen. „Warum bist du hier?“ war seine erste Frage, auf die prompt „Schulpflicht“ zurückkam. Auch der nächste Kandidat sagte nur „weil ich muss“.

Getuschel in den Reihen

Trotzdem schaffte Gulp es immer wieder, Getuschel zu erzeugen – eindeutig auch auf seine Darstellungen von Drogenkonsum bezogen. „So klingt das doch nicht“, sagte eine Schülerin aus der letzten Reihe, als Gulp übertrieben das „Ziehen“ von Kokain durch die Nase oder den Zug an Zigarette oder Joint nachahmte.

Gulp ließ sich von den Nebengesprächen selten beirren, sobald es ihm zu bunt wurde, gebot er Einhalt mit klaren Nachfragen, ob das Thema nicht spannend genug sei. Sein Ritt durch statistische Werte wie die 900 bis 1100 Drogentoten im Jahr, die aber nur die Zahl von Opiattoten darstellten und nicht die 45 000, die durch Medikamentenmissbrauch sterben oder die 75 000, die „durch den Suff“ zugrunde gingen, ließ die Schüler kurz verstummen.

Eisi Gulp karikierte Betrunkene und mehr. Quelle: lel

„Strunzevoll beim Brunzen“

Ebenso die Geschichten, mit denen er die deutsche Gesellschaft karikierte. Dafür nahm er beispielsweise den „Koksskandal“ auf dem Oktoberfest zur Hand, um klar zu machen, wie akzeptiert Alkohol in Deutschland ist im Gegensatz zu anderen Drogen. „Da steht dann einer strunzevoll am Brunzen und liest auf einem Schild ,Hier sind keine Drogen erlaubt’“, sagte der Chiemgauer im O-Ton.

Nach dem Alkohol ging es weiter mit Marihuana. Gulp betonte die gute Seite von Cannabinoiden für Krebskranke und andere, verteufelte aber gleichzeitig das organisierte Verbrechen: „Meine Oma hat das Kraut schon geraucht, das gab es schon immer. Was ihr aber jetzt kauft, ist fünfzehnmal so stark und hat mit ein bisschen Aufputschen, Kichern und gutem Schlaf nichts mehr zu tun.“ Von Verboten halte er wenig, auch wenn niemand Gesundes die Droge brauchte aber die Schüler sollten auf sich aufpassen. „Es gibt viele Tests, die ihr machen könnt, bevor ihr das Zeug nehmt – wenn es schon sein muss.“ Mittlerweile werde Marihuana mit Blei-Spray schwerer gemacht. Um das herauszufinden, reiche es, ein wenig des Stoffes in ein Glas Wasser zu geben und zu schauen, ob dunkle Partikel absinken. „Natürlich solltet ihr gar keine Drogen nehmen, aber wenn schon, dann lasst euch nicht verarschen“, betonte Gulp immer wieder.

Lehrer und Schüler arbeiten zusammen

Die zehn Klassen in Groß Schneen nahmen sicher einiges mit, wie Lehrer und SV-Berater Tarek Zaibi sagte. „Wir sind Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage – das hat die Schülervertretung mit uns Lehrkräften zusammen bewirkt“, so Zaibi. Projekte und Aktionen wie diese seien den Schülern nicht fremd und immer wieder wichtig. Zaibi hatte über die Mailingliste des Kinderschutzbundes vom Bewerbungsverfahren erfahren. Die Mailingliste versendet Nicole Emden, Fachreferentin des Deutschen Kinderschutzbundes. „Es war Eisi Gulps Idee und mittlerweile machen wir das seit zehn Jahren“, sagt sie. „Die Kosten und so weiter bleiben bei uns, die Schule muss nur Raum und Technik organisieren“, so Emden.

Noch wichtiger als Drogen

Gulp hatte noch ein weiteres Anliegen neben der Prävention von Drogen. Seit der Flüchtlingskrise türme sich der Hass, vor allem im Internet und das sei genauso wichtig wie das Thema Drogenmissbrauch. „Wenn ihr in den sozialen Medien unterwegs seid, macht es bitte nicht wie die meisten Menschen und lest die Schlagzeile – am besten irgendwas mit Flüchtling und Vergewaltigung – , glaubt es einfach und klickt auf Teilen“, ist Gulps Appell. „Ihr könnt das besser, es gibt so viele Seiten, die sich mit der Wahrheit beschäftigen und Fake News entlarven“, so der Kabarettist ganz ernst. „Lasst euch nicht verarschen, der Hass darf nicht gewinnen.“

Eisi Gulp auch an die eigene Schule holen

Die „Hackedicht – Schultour der Knappschaft“ ist für Schüler der Jahrgangsstufe 9 bis 12 beziehungsweise Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren konzipiert. Jede weiterführende Schule, egal zu welchem Schultypus sie sich zählt, kann sich bundesweit um einen Auftritt von Eisi Gulp und dem dazugehörigen Programm bewerben. Bisher wurden insgesamt 145 weiterführende Schulen aller Schulformen aus allen Bundesländern unterstützt.

Bei der Auswahl der Schulen ist besonders wichtig, in was für einem Stadtteil sie angesiedelt ist. Meistens wählen die Organisatoren Schulen aus Stadtteilen aus, die viele unterschiedliche Lebenslagen aufweisen. Eine möglichst heterogene und vielfältige Mischung aus jungen Menschen seien zielführend, damit die Inhalte möglichst weit gestreut werden.

Wichtig sind dem Kinderschutzbund und der Knappschaft, dass Räumlichkeiten und Technik von der Schule gestellt werden. Außerdem erklärt sich die Schule bereit, einen Elternabend auszurichten, zusammen mit dem Verein Condrobs eine Nachbereitung mit den Schülern zu organisieren und mindestens zwölf pädagogische Fachkräfte zur Fortbildung zu schicken.

Von Lea Lang

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