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Friedland Handweberei Rosenwinkel schließt zum 30. Juni
Die Region Friedland Handweberei Rosenwinkel schließt zum 30. Juni
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00:29 21.05.2018
Friederike Sidio und Martina Fenner-Fellmann bereitet Stoffe für den Ausverkauf vor. Quelle: Christina Hinzmann
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Besenhausen

Die Handweberei war 1992 als soziales Projekt gestartet, und war nach Angaben der Vorsitzenden des Fördervereins Friederike Sidio einzigartig in Niedersachsen. Die Idee, eine Handweberei als soziales Projekt zu eröffnen, hatten Leena Butz und Gudrun Steinmetz.

Laut Sidio kannte Butz es aus ihrer finnischen Heimat, da es dort mehrere Betriebe gibt, in denen Behinderte ihren Lebensunterhalt mit Weben verdienen. „Sie hat dieses Projekt dann hier politisch durchgekämpft“, sagte Sidio. Unterstützung habe sie dabei von der SPD erhalten, die damals sozialen Betrieben eine Anschubfinanzierung gewährte. Ein Punkt dabei war aber, dass die Betriebe nach einiger Zeit allein in der Lage sein mussten, am Markt zu bestehen. Doch dies ist der Handweberei Rosenwinkel nicht gelungen. „Dies liegt auch mit daran, dass unsere Mitarbeiterinnen aufgrund ihrer besonderen Voraussetzungen nicht in der Lage sind, industriell zu fertigen“, erklärte Sidio.

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2007: Entlassung von 18 Mitarbeitern

In dem Betrieb haben, nach der Grundidee von Butz, mehrere Menschen mit Behinderungen zusammengearbeitet. Unter anderem waren sie als Webhelferinnen und Webmeisterinnen tätig. „Von dem, was die Menschen bei uns gelernt haben, war das Projekt handwerklich ein Erfolg“, sagte Sidio. Doch bereits vor zehn Jahren gab es in dem Betrieb einen großen Umbruch, als von 28 Mitarbeitern 18 entlassen werden mussten. Damit habe man dann für Vertrieb, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit auf einmal weniger Personal zur Verfügung gehabt. Doch die, die noch dabei waren, hätten ihre Aufgaben mit viel Herzblut erledigt. Unter anderem seien zahlreiche Märkte in ganz Deutschland besucht und Kontakte geknüpft worden. Dennoch sei es nicht gelungen, die entstandenen Produkte in der notwendigen Menge zu vertreiben. Über die Gründe könne aber nur spekuliert werden.

Tücher zum Papstbesuch

Vor zwei Jahren, nach einem Wechsel in der Geschäftsführung, sei das Café von Familie Flechtner übernommen worden, was eine weitere Einnahmequelle darstellen sollte. „Doch leider sind in dieser Zeit auch einige Sachen, wie beispielsweise ein Internetshop, nicht zustande gekommen“, berichtete Sidio.

Mehr als 25 Jahre hat es die Handweberei Rosenwinkel in Besenhausen (Gemeinde Friedland) gegeben. Doch zum 30. Juni schließt die Handweberei ihre Türen für immer. Bereits jetzt hat der Betrieb die Produktion eingestellt.

Für die Vorsitzende des Fördervereins ist es nach eigenen Angaben nicht leicht, über das Aus für die Handweberei zu sprechen, weil damit auch zahlreiche Erinnerungen verbunden sein. Beispielsweise sind in der Handweberei auch Tücher für den Besuch von Papst Benedikt XVI. im September 2011 im Eichsfeld entstanden. Deshalb habe man auch alle Möglichkeit versucht, um den Betrieb in der Handweberei am Laufen zu halten. Unter anderem sei überlegt worden, einen Antrag auf Leaderförderung zu stellen. Dadurch hätte eine Stelle für zwei Jahre gefördert werden können, doch gleichzeitig hätte sichergestellt werden müssen, dass der Betrieb noch fünf Jahre weiter läuft.

Ausverkauf beim Pfingstmarkt

Die Produkte aus der Handweberei werden während des Pfingstmarktes von Sonnabend, 19. Mai, bis Montag, 21. Mai, zum Verlauf angeboten. An allen drei Tagen haben Interessierte von 12 bis 18 Uhr die Gelegenheit unter anderem Schals und Decken zu erwerben. Zusätzlich werden auch Garne, Webgeräte und Zubehör verkauft. Während des Pfingstmarktes hat auch das Café geöffnet. „Was wir an Pfingsten nicht verkaufen, werden wir danach eventuell zu den Öffnungszeiten des Cafés noch weiterhin zum Verkauf anbieten“, sagte Friederike Sidio. Der Pfingstmarkt ist gleichzeitig die letzte öffentliche Veranstaltung vor der Schließung der Handweberei zum 30. Juni.

Davon hätte ihnen Hartmut Berndt, Leader-Regionalmanager beim Landkreis, aber wegen der unsicheren Zukunft der Handweberei abgeraten. Am Gründonnerstag habe der Vorstand dann entschlossen, die Betrieb der Handweberei aufzugeben. „Die letzten sechs Monate waren nicht einfach. Doch für uns war es auch wichtig, dass wir den Betrieb ohne Insolvenz zu Ende bringen können“, erklärte Sidio. Von Seite der Friedländer Gemeindeverwaltung sei das Bedauern über das Ende der Handweberei Rosenwinkel groß. „Wir haben von der Gemeinde auch immer eine finanzielle Unterstützung bekommen. Und konnten uns auch ansonsten immer an den Bürgermeister wenden, wenn wir Fragen hatten“, sagte die Fördervereinsvorsitzende.

Suche nach Betreiber für Café

Sidio hofft, dass das Café was erst einmal noch bis zum Saisonende Anfang Oktober geöffnet sein und auch im kommenden Jahr wieder eröffnen wird. „Wir sind gerade dabei zu überlegen, wie es weiter gehen soll. Aus meiner Sicht ist ein Café an diesem Standort aus touristischer Sicht ein Muss“, sagte Sidio. Deshalb hoffe sie, dass sich jemand findet, der das Café übernehmen möchte.

Von Vera Wölk

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