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Friedland Lichtenhagen feiert 700-jähriges Bestehen
Die Region Friedland Lichtenhagen feiert 700-jähriges Bestehen
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17:45 10.06.2018
Bilder erzählen den jüngsten Teil der Dorfgeschichte: Frank Alberding, Vera Wölk und Ortsbürgermeisterin Anni Dembke besichtigen die Ausstellung zum 700-jährigen Bestehen. Quelle: Scharf
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Lichtenhagen

Heute sind die Männer längst im fortgeschrittenen Rentenalter und leben in Hamburg und Berlin. Früher aber lebten sie in Lichtenhagen – in den Zöllnerhäusern am Ortsrand. Sie bewachten einst den eisernen Vorhang, der wenige hundert Meter südlich des Dorfes verlief. Auf einer Reise durch Deutschland hatten sie kürzlich an ihrer alten Wirkungsstätte Halt gemacht und sofort eine Einladung zum Dorfjubiläum erhalten. Sie kamen und hatten einige Anekdoten im Gepäck.

Unter anderem die von den Liebesbriefes, die zwischen einem der Zöllner und einem Mädchen aus dem Dorf ausgetauscht wurden, erzählt Ortsbürgermeisterin Anni Dembke. Als heimlicher Briefkasten war damals ausgerechnet ein Mauerspalt in der Kirche ausgewählt worden. Auch an anderer Stelle wurden während der Jubiläumsfeier viele der alten Geschichten erzählt. So entwickelte sich beispielsweise die Ausstellung des Heimatvereins mit Fotos aus den Privatarchiven des Dorfes zu einem kommunikativen Treffpunkt.

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Postkarte aus dem Jahr 1912

„Ist das nicht der ...?“, „Das ist doch der Junge von...“ oder „Weißt du noch, als damals der Milchwagen durchs Dorf fuhr?“ waren als Gesprächsfetzen der Besucher zu hören. Und wo die Ausstellungsmacher bei der Beschriftung nicht weitergekommen waren, half das kollektive Dorfgedächtnis. Ein Foto der Ortsfeuerwehr aus dem 70ern konnte so schnell mit den passenden Namen versehen werden. Das älteste Exponat stammt aus dem Jahr 1912 – eine Postkarte an eine Familie aus dem Ort. „Die Nachkommen leben immer noch hier.“ Die Bilder sollen auch nach dem Fest im Dorfgemeinschaftshaus hängen bleiben.

Und wie bringt es ein Dorf mit 128 Einwohnern auf 300 Gäste beim Festabend am Sonnabend? Mit reichlich Gästen aus der Umgebung. „Die Rohrberger waren mit dem Juchtenexpress da“, freute sich Dembke über den Besuch aus dem Südosten. Außerdem hätten drei Gemeindebürgermeister und ein Landtagsabgeordneter den Weg nach Lichtenhagen gefunden.

Eingesperrte Ortsbürgermeisterin

Natürlich sei auch dabei einiges aus dem Nähkästchen geplaudert worden, erzählte Dembke von den Ereignissen aus vorgerückter Stunde. Bei einer Aufführung des Ortsrates gingen die Lacher auch auf ihre Kosten. Vor gar nicht langer Zeit soll ihr Ehemann Detlef so gründlich die heimischen Türen verriegelt haben, dass er dabei die Ortsbürgermeisterin in den eigenen Mauern eingesperrt hatte – angeblich unabsichtlich. Natürlich ist eine so schöne Geschichte bestens geeignet für den aktuellen Dorfklatsch. Aber vielleicht es auch eine der Anekdoten, die man sich bei zukünftigen Dorfjubiläen erzählt.

Von Markus Scharf

08.06.2018
08.06.2018