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Friedland Millionen Spätaussiedler betreut
Die Region Friedland Millionen Spätaussiedler betreut
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00:19 01.12.2017
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Friedland

Am 21. November 1957 wurde der Verein ins Vereinsregister des damaligen Amtsgerichts Reinhausen eingetragen. In dieser Zeit trafen um die 9000 Menschen in Friedland ein – pro Woche. Danach sanken die Zahlen. Im Zuge des Zusammenbruchs der Sowjetunion jedoch stiegen die Zahlen wieder stark an, bevor sie um das Jahr 2011 mit etwa 1200 Menschen einen absoluten Tiefpunkt erreichten. Damals habe es durchaus Überlegungen gegeben, die Arbeit des Vereins einzustellen, sagt Vereinschef Karl-Heinz Keudel.

Mittlerweile pendeln sich die Zahlen bei 6500 bis 7000 pro Jahr ein, was zum Teil auf eine Gesetzesänderung vor einigen Jahren zurückzuführen ist. Damit wurde der Familiennachzug für Russlanddeutsche erheblich erleichtert. Die meisten Menschen kommen derzeit aus Russland, Kasachstan, der Ukraine und Weißrussland nach Friedland – auch wegen der aus verschiedenen gründen angespannten politischen Lage in diesen Ländern. „Kein Mensch hat damit gerechnet“, sagt Vorstandsmitglied Heidrun Böttger, „dass noch einmal so viele Leute zu uns kommen.“

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Dass die Zahlen sich in nächster Zeit stark sinken könnten, sei nicht zu erwarten, meint Klaus Magnus vom Vorstand. Die Zahl der Anträge auf Übersiedelung sei zuletzt wieder gestiegen. Derzeit lägen dem Bund etwa 18000 solcher Anträge vor.

In den 60 Jahren seines Bestehens hat die Friedlandhilfe insgesamt knapp 61 Millionen Euro an Spenden gesammelt, listet Keudel auf. Allein in den Jahren 1992 bis 2017 kamen 1,76 Millionen Menschen aus dem Osten nach Deutschland. Erst kürzlich habe der Bund für die kommenden Jahre zugesagt, bis zu einer Obergrenze von 7000 Menschen jährlich für jeden Spätaussiedler 38,50 Euro zur Verfügung zu stellen. Damit werden den Menschen erste Dinge des Alltagsbedarfs zur Verfügung gestellt.

Allerdings sei das Spendenaufkommen in den vergangenen Jahren bedauerlicherweise gesunken, meint Magnus. Während früher oft siebenstellige Euro-Beträge pro Jahr zusammenkamen, seien es zuletzt nur gut 200 000 Euro gewesen.

Derzeit verfügt die Friedlandhilfe über eine Spenderliste mit etwa 6500 Namen, die meisten von ihnen Menschen, die selbst einmal im Lager Friedland aufgenommen worden waren. Aber es gibt auch eine Reihe von Firmen, die den Verein mit Geld- oder auch Sachspenden unterstützen.

Zweimal im Jahr verschickt der Verein seine Bittbriefe. In den vergangenen Jahren seien nur gut 200000 Euro pro Jahr zusammengekommen – ein deutlicher Rückgag gegenüber früher, als oft siebenstellige Euro-Beträge pro Jahr zusammenkamen.

Das Geld verteilt der Verein nicht selbst. Sie leitet das Geld an Wohltätigkeitsorganisationen weiter – derzeit sind es die Caritas und die Diakonie. Vereinschef Keudel: „Wir sind ein reiner Spendensammelverein.“ Früher seien auch das Deutsche Rote Kreuz und die Arbeiterwohlfahrt mit im Boot gewesen, beide Organisationen hätten sich jedoch aus Friedland zurückgezogen.

Angesichts der aktuellen zahlen gehen Keudel und die anderen Vereinsmitglieder davon aus, dass die Friedlandhilfe auch weiterhin benötigt wird. Ein kleineres Projekt unter vielen liegt dem Vorstand besonders am Herzen: ankommenden Kindern im schulpflichtigen Alter einen Schulranzen zur Verfügung zu stellen, ganz traditionell bestückt mit Atlas, Schreibblock, Stiften, Malfarbe und anderen Utensilien. „Dieser Ranzen“, sagt Keudel, „ist den Kindern ganz wichtig. Für sie ist das ein Zeichen, mit dem sie anderen mitteilen können, ,ich bin jetzt ein Schüler’.“

Von Matthias Heinzel

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