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Friedland Friedland: Generalsekretär ist beeindruckt
Die Region Friedland Friedland: Generalsekretär ist beeindruckt
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07:00 29.11.2019
Der niedersächsische CDU-Generalsekretär Kai Seefried besuchte gemeinsam mit der Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Editha Westmann, das Grenzdurchgangslager Friedland. Quelle: Markus Hartwig
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Friedland

Keine Zäune, keine Mauern, keine Kontrollen. Das Grenzdurchgangslager Friedland hat den Generalsekretär der CDU in Niedersachsen, Kai Seefried, positiv beeindruckt. Erstmals besuchte er am 28. November das auch als „Tor zur Freiheit“ bezeichnete Lager. Begleitet wurde der Landtagsabgeordnete dabei von der Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Editha Westmann. Die Führung über das Gelände übernahmen der Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen, Jens Grote sowie der Leiter der Friedländer Einrichtung, Heinrich Hörnschemeyer.

Seefried und Westmann nahmen sich drei Stunden Zeit, um sich das zweigeteilte Lager (das Ost- und das Westlager wird durch eine öffentliche Straße geteilt) als auch das Museum zur Dokumentation der Lager-Geschichte anzusehen. Dabei erfuhren sie, dass die Arbeiten für eine weitreichende Umgestaltung der Wohngebäude bereits begonnen haben. In einem ersten Bauabschnitt sollen rund 20 Millionen Euro in Abriss und Neubau von Unterkünften sowie in die Sanierung der Kantine und der Wirtschaftsgebäude gesteckt werden. Rück- und Neubau seien nötig, weil etliche Häuser nicht mehr dem heutigen Standard entsprechen: „Sie sind in die Jahre gekommen“, sagte Hörnschemeyer.

Rundgang durch das Lager Friedland

Lehrer unterrichten ohne Dolmetscher

Die Gäste nahmen die gesamte Anlage in Augenschein und besuchten somit auch die Schule auf dem Gelände. Respekt zollte Seefried den hier tätigen Lehrern, die Kinder aus vielen Ländern unterrichten: ohne Hilfe von Dolmetschern. Komplettiert wird das Lager unter anderem durch eine Kleiderkammer, betrieben von der Inneren Mission der Evangelischen Kirche, einem Jugendclub, betrieben durch die Caritas und einer Krankenstation, betrieben durch die Malteser. 120 im Dienst des Landes stehende Frauen und Männer sorgen für die alltäglichen, möglichst reibungslosen Abläufe im Lager.

Es komme durchaus auch zu Problemen, sagte Hörnschemeyer. So seien Vorfälle häuslicher Gewalt auch hier zu verzeichnen. Insbesondere den betroffenen Frauen müsse dann erläutert werden, dass sie sich solche Behandlung in Deutschland keineswegs gefallen lassen müssen. Zuweilen mit Problemen behaftet sei auch die ärztliche Versorgung, weil Medikamente nicht einfach nach Wunsch ausgehändigt werden können. Auf den Hinweis der bevorstehenden Weihnachtsfeier im Lager merkte Editha Westmann an, dass sie es für wichtig halte, dass bei solchen Gelegenheiten auf den christlichen Ursprung von Weihnachten hingewiesen werden sollte. Weihnachten sei mehr, als Geschenke bekommen, sagte sie.

Jährlich kommen etwa 7000 Spätaussiedler

Etwas mehr als 800 Bettplätze stehen im Lager zur Verfügung, 250 davon sind für Spätaussiedler reserviert, aktuell leben 98 von ihnen in Friedland. Ende des Jahres werden etwa 7000 Spätaussiedler im Lager registriert worden sein, eine Zahl, die seit einigen Jahren konstant ist. Anfang der 1990er Jahre waren es zeitweilig bis zu 400 000 Spätaussiedler jährlich.

Im Moment sei die Situation relativ ruhig, sagte Hörnschemeyer. Seinen Worten nach bleiben die Neuankömmlinge, darunter auch Asylbewerber und Flüchtlinge aus Staaten, die als nicht sicher gelten, nur sehr kurz, nämlich gerade einmal eine Woche in Friedland. Sie werden hier registriert und dann auf die Bundesländer verteilt. Spätaussiedler, die zumeist aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion kommen, genießen Freizügigkeit, sie können ihren Wohnsitz nach ihren Wünschen wählen. Fast alle haben bereits Verwandte in Deutschland, die sich um den Zuzug kümmern. Nur bei wenigen Personen müsse bei der Wohnungssuche geholfen werden.

Problematisch sei die Situation im Jahr 2015 gewesen, als die große Flüchtlingswelle Deutschland nahezu überrollte und – wie Seefried bilanzierte – die Grenzen des Möglichen überschritten waren. Knapp 3000 Flüchtlinge mussten zeitweise im Lager untergebracht werden: auf Fluren, in Containern, in Zelten, berichtete Hörnschemeyer. Die erprobten Friedländer nahmen es dennoch recht gelassen hin.

Zum Abschluss des Rundgangs würdigte der CDU-Generalsekretär: „Die Ruhe, die der Ort Friedland ausstrahlt, ist wichtig und gut für ein Ankommen in einem fremden Land. Mich hat besonders das befreite Spielen der Kinder hier beeindruckt. Ich habe in ihren Augen keine Angst gesehen.“

Bundespräsident ist zum 75. Geburtstag eingeladen

Im nächsten Jahr besteht das Grenzdurchgangslager Friedland 75 Jahre. Zu einem Festakt, der um den 21. September herum stattfinden soll, ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) eingeladen. Eine Zusage seinerseits liegt aber noch nicht vor.

An den Grenzen der britischen, amerikanischen und sowjetischen Besatzungszone liegend, wurde das Lager Friedland am 20. September 1945 auf Anordnung der britischen Besatzungsmacht zur Durchschleusung und ersten Betreuung von Evakuierten und Flüchtlingen eingerichtet, zunächst provisorisch in den Viehställen des Versuchsgutes Friedland der Universität Göttingen. Binnen kürzester Zeit wurden auf dem jetzigen Gelände des Grenzdurchgangslagers Blechbaracken errichtet, die sogenannten Nissenhütten. Eine dieser Wellblechhütten ist zu Anschauungszwecken noch heute erhalten. Bis Ende des Jahres 1945 haben mehr als 500 000 Flüchtlinge, Vertriebene und Heimkehrer das Lager „durchlaufen“. In den Jahren 1946 und 1947 war Friedland die erste Anlaufstelle für fast 800 000 Menschen.

Am 11. Februar 1948 übernahm das neu eingerichtete Niedersächsische Ministerium für Flüchtlingsangelegenheiten die Verantwortung, heute liegt die Dienst- und Fachaufsicht beim Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport. (Quelle: www.lab.niedersachsen.de)

Von Ulrich Meinhard

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