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Friedland „Vieles geht auf dem kurzen Dienstweg“
Die Region Friedland „Vieles geht auf dem kurzen Dienstweg“
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19:22 08.08.2019
Andreas Momberg leitet die Polizeistation Friedland seit einem Jahr. Quelle: Scharf
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Friedland/Rosdorf

„Take it easy“ flackert als Leuchtschrift über den kleinen Ventilator, der auf dem Schreibtisch von Andreas Momberg für ein wenig kühle Luft sorgen soll. 26 Grad zeigt das Thermometer. Das Büro des Chefs der Friedländer Polizei liegt unterm Dach und heizt sich an sonnigen Tagen schnell auf. In der Luft liegt der sanfte Geruch von Duftstäbchen. „Happy Buddha“, verrät der Hauptkommissar.

Vor einem Jahr hat der Mann mit den lachenden Augen seinen Dienst in dem ehemaligen Zweifamilienhaus Am Kirschgarten 1 in Groß Schneen angetreten. Zuvor hatte er verschiedenste dienstliche Stationen durchlaufen, war bei der Bereitschaftspolizei in Braunschweig, beim Einsatz- und Streifendienst in Göttingen oder im Kommissariat Hann. Münden. Bevor er 2018 in die Polizeistation Friedland wechselte, bekleidete er den Posten des Inspektionsabteilungsleiters in der Groner Landstraße.

Großer Zuständigkeitsbereich

Der 51-Jährige kennt die Polizeiarbeit aus vielen Perspektiven und beschreibt das Besondere an seiner jetzigen Dienststelle so: „Es geht prinzipiell ruhiger zu, kann aber spontan sehr schnell unruhig werden.“ Wenn nämlich seine Kollegen an mehreren Orten ihres großen Einsatzgebiets gleichzeitig gebraucht werden. Momberg blickt aus dem Fenster: „So weit man gucken kann, ist alles PSt Friedland.“ Tatsächlich umspannt sein Zuständigkeitsbereich die Gemeinden Friedland, Rosdorf und Gleichen.

Die Wege sind lang, entsprechend sind es auch die Einsatzfahrten. Egal ob Ruhestörung, Verkehrsunfall oder Vermisstenmeldung, egal ob Atzenhausen, Beienrode oder Mollenfelde. Immer sind die Friedländer als ersten Fahrzeug da. Sie beurteilen die Lage, beruhigen die Betroffenen und entscheiden über das weitere Vorgehen. Bis bei größeren Einsätzen Verstärkung aus Göttingen oder Duderstadt angerückt ist, sind die Kollegen auf sich gestellt. „Sagen wir es so: Hier kommt keine Langeweile auf“, so Momberg.

SEK-Einsatz

Ein weiterer Vorteil der Arbeit in einer ländlichen Station: Hier wird die gesamte Bandbreite der Ermittlungsarbeit abgerufen. Die Vorgänge bleiben in der Regel von Anfang bis Ende in den Händen eines Mitarbeiters. Wo in größeren Organisationseinheiten Spezialisten bestimmte Aufgaben übernehmen, ist der Beamte in kleineren Polizeistationen idealerweise als Universalist für alles zuständig. Im Zweifel leitet er auch einen SEK-Einsatz, weil ein Mann droht um sich zu schießen. Mombergs bisheriges Highlight in seiner Friedländer Zeit.

„Wir sind Problemlöser, Vertrauensperson und Mädchen für alles.“ So formuliert es Rolf Schlote. Der Oberkommissar versieht seinen Dienst in Rosdorf. Seit einem Jahr sitzt er mit seinen beiden Kollegen im Gebäude der Gemeindeverwaltung in der Langen Straße 12. Wie von der Landesregierung in Hannover gewünscht sind die Organisationseinheiten zusammengerückt. Wo früher der Hausmeister wohnte, wird jetzt ermittelt.

Persönliches Gespräch statt Anzeige

„Vieles geht hier auf kurzem Dienstweg“, sagt der erfahrene Kripo-Mann. Auf dem kleinen Sofa vor seinem Schreibtisch liegt ein Plüsch-Polizeiauto, an den Wänden hängen Urlaubsfotos, nebenan ist ein kleiner gemütlicher Wintergarten, er allerdings nur selten genutzt wird. Unter dem Dach der Gemeindeverwaltung erinnert nicht viel an eine schlichte sterile Amtsstube. Fast könnte man sich wohlfühlen bei der Rosdorfer Polizei. Entsprechend würden

Rolf Schlote versieht seinen Dienst in der Polizeistation Rosdorf. Quelle: Scharf

die Menschen mit ihren Sorgen gern zu ihm kommen, erzählt Schlote. „Oft reicht es schon, wenn man zuhört und eine Lösung vorschlägt.“ Der persönliche Kontakt hat schon so manche Anzeige unnötig gemacht.

Das persönliche Gespräch scheint ohnehin die Geheimwaffe der Polizisten in den kleineren Dienststellen zu sein. Momberg erzählt von guter Nachbarschaft und dem ein oder anderen netten Plausch über den Gartenzaun. Seine Kollegen pflegen persönliche Kontakte in alle Teile der Gesellschaft, er selbst steht in regelmäßigem Austausch mit den Feuerwehren oder den Gemeindeverwaltungen. Der Stationsleiter mag die Anonymität einer schriftlichen Nachricht und den inflationären Gebrauch von Emails nicht sonderlich. „Besser man greift zum Telefon und spricht miteinander.“

Momberg ist jetzt seit etwas mehr als einem Jahr in Groß Schneen. Und während viele seiner Kollegen der beschaulichen Polizeistation über Jahrzehnte treu bleiben, verließen seine Vorgänger das Büro unterm Dach des Zweifamilienhauses nach deutlich kürzerer Zeit. Verrät der 51-Jährige seine Zukunftspläne? Nein. Er lächelt und sagt: „Ich fühle mich hier wohl.“

Rosdorf gehört zu Göttingen, Friedland zu Duderstadt

Seit der Umstrukturierung der Polizeiinspektionen Göttingen am 1. Januar 2019 ist die Polizeistation Friedland nicht mehr eigenständig. Sie wurde dem Polizeikommissariat Duderstadt zugeordnet. Die Organisationsreform war im Nachgang zur Landkreisfusion nötig geworden. Die Polizeiinspektion Göttingen sollte die gesamte Fläche des Landkreises abdecken – also auch die Polizeikommissariate Osterode und Bad Lauterberg.

Inspektionsleiter Thomas Rath hatte als Anspruch formuliert, dass der Bürger von den strukturellen Änderungen möglichst nichts mitbekommen sollte. Und tatsächlich mache sich die Änderung auch in Friedland im Alltag kaum bemerkbar, so Polizeistationsleiter Andreas Momberg. Weiterhin stehen hier die Kollegen jeden Tag 24 Stunden für den Bürger zur Verfügung.

Während die Friedländer also gen Duderstadt blicken, haben die Rosdorfer ihren Bezugspunkt in der Groner Landstraße. Ihre Polizeistation gehört als Organisationseinheit zum Zentralen Kriminaldienst der Polizeiinspektion. Die Rosdorfer Station ist täglich zwischen 7.30 und 16 Uhr besetzt.

Von Markus Scharf

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