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Friedland Neue Autobahnabfahrt bei Niedergandern geplant
Die Region Friedland Neue Autobahnabfahrt bei Niedergandern geplant
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11:39 12.04.2019
Der Heidkopftunnel bei Reiffenhausen: Die Fahrbahndecke muss auf allen Fahrspuren erneuert werden. Quelle: dpa
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Göttingen/Friedland

Der Heidkopftunnel macht immer wieder Schlagzeilen. Bald muss er für mehrere Monate gesperrt werden, die Fahrbahn hält nicht mehr. Übergangsweise soll eine neue Autobahnab- und auffahrt bei Niedergandern gebaut werden, um den Verkehr während der Bauarbeiten aufzunehmen. Der Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (Grüne) hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zum Thema befragt und die Antworten kritisiert. Trittin fordert, die Verantwortlichen für den Fahrbahndefekt zu benennen und die Vorschläge der Landräte von Göttingen, Eichsfeld und Werra-Meißer zum Verkehr in der Bauzeit zu berücksichtigen.

Über den Pannentunnel und die kommenden Großbaustellen spricht der Chef der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau in Bad Gandersheim, Udo Othmer.

Tageblatt: Das Wort “Pannentunnel” hören Sie häufiger, oder?

Udo Othmer: Ja, natürlich kenne ich das. Aber der Tunnel kann ja nichts dafür, wenn er gesperrt werden muss, weil sich dort ein Lastwagen-Unfall ereignet oder der Hang wegrutscht. Technische Störungen gibt es im Heidkopftunnel nicht signifikant häufiger als in anderen Tunneln.

 

Dennoch gibt es dort immer wieder Probleme. Woran liegt das?

In der Tat haben wir Probleme. Aktuell sogar ein ziemlich großes. Die hydraulisch gebundene Tragschicht im Tunnel ist marode und muss erneuert werden.

 

Was heißt das?

Das ist eine mit Zement gebundene Schicht, die unter den Fahrbahnbeton-Platten liegt. Diese Platten kippeln. Und das ist ein Alarmzeichen, da infolge der Hohllage Brüche entstehen könnten.

Udo Othmer, Chef der Niedersächsischen Behörde für Straßenbau in Bad Gandersheim Quelle: bib

Die Platten kippeln, wie haben Sie das herausgefunden?

Unsere Mitarbeiter kontrollieren den Tunnel jeden Tag, dabei ist ihnen das aufgefallen. Wir haben kleine Schäden mit Harz-Injektionen behoben. Das löst aber auf Dauer nicht das Problem.

 

Der Tunnel wurde 2006 fertiggestellt. Ist es normal, dass bereits nach 13 Jahren derartig gravierende Schäden auftreten?

Nein, das ist es nicht. Der Verbund dieser Schicht unter den Platten löst sich auf. Die Schicht müsste eigentlich mindestens zehn Jahre länger halten. Eine Lebensdauer von mindestens 25 Jahren wäre normal.

Wie kommt das und wer hat das zu verantworten?

In einem Gutachten zur Schadensanalyse, das wir in Auftrag gegeben haben, sind Fachleute zu dem Schluss gelangt, dass Baumängel nicht ausgeschlossen werden können. Nur: Beweisbar sind sie nicht.

Wer hat den Tunnel denn gebaut?

Das war damals die Firma Deges, sie hat auch die A 38 in Thüringen gebaut. In Niedersachsen war es eine andere Firma. Der Schaden betrifft nur den Tunnel, nicht die Autobahn in Niedersachsen.

Wie lange werden die Bauarbeiten dauern?

Wir müssen ja die komplette Fahrbahn auf gut 1,7 Kilometern Länge im Tunnel erneuern, jeweils beide Spuren in beiden Richtungen. Wir gehen davon aus, dass wir im optimalen Fall sechs bis acht Wochen pro Fahrtrichtung brauchen.

Was passiert mit dem Verkehr in dieser Zeit.

Da gibt es noch ein Problem. Bislang haben wir den Verkehr aus Thüringen über die B 80 durch Hessen und über die B 27 bei Neu-Eichenberg wieder auf die A 38 geleitet. Die Deutsche Bahn plant allerdings, die Bahnbrücke an der B 80/B 27 zu sanieren. Dafür muss dann die B 80 gesperrt werden und steht nicht als Umleitungsstrecke zur Verfügung.

Und nun?

Gute Frage. Wir arbeiten in Zusammenarbeit mit allen drei Ländern – Thüringen, Niedersachsen und Hessen – an einer Lösung.

Wie sieht die aus?

Wir planen den Bau einer provisorischen Aus- und Auffahrt an der A 38 in Höhe der L 566. Der Verkehr wird dann von dort an Kirchgandern vorbei auf der L 1001 auf die B 80 geführt. Das alles wird derzeit auf verschiedenen Arbeitsgebieten geprüft, geplant und verhandelt.

So sieht die geplante Umleitungsstrecke aus

Das klingt ziemlich aufwendig.

Ja, das ist es, da wir unter Zeitdruck stehen. Wir wollen möglichst noch in diesem Jahr den Bau der Rampen umsetzen.

Sollen die Rampen nach Abschluss der Bauarbeiten wieder zurückgebaut werden?

Das wäre möglich. Grundsätzlich sollte bei anstehenden länger dauernden Bauarbeiten im Zuge der Autobahn der Verkehr möglichst auf der Autobahn bleiben, auch wenn dann nicht mehr alle Fahrspuren zur Verfügung stehen. Das untergeordnete Straßennetz ist immer weniger gut geeignet, eine Verkehrsbelastung wie hier von 30000 Fahrzeugen täglich aufzunehmen – von der Belastung für die Anwohner mal ganz abgesehen. Um dieses zu gewährleisten, müssen aber die Tunnelröhren im Gegenverkehr zu befahren sein, was derzeit nicht möglich ist. Wir prüfen deshalb auch im Rahmen einer Machbarkeitsstudie, was für eine solche technische Tunnelaufrüstung erforderlich ist. Neben der direkten Gegenverkehrsregelung wäre eine weitere Möglichkeit eine Block-Abfertigung, die mit Ampeln gesteuert wird. Dann könnte eine Röhre temporär die Funktion beider Röhren übernehmen, und wechselnd Verkehr in Richtung West und Richtung Ost durchlassen. Die Ergebnisse der Studie bleiben abzuwarten.

Von Britta Bielefeld

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