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Friedland Eisenmänner aus ganz Europa prügeln sich zu Füßen von Schloss Berlepsch
Die Region Friedland Eisenmänner aus ganz Europa prügeln sich zu Füßen von Schloss Berlepsch
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20:01 05.10.2019
Wer zu Boden geht, scheidet aus: Beim „Vollkontakt-Turnier“ am Schloss Berlepsch ist ritterliche Standhaftigkeit gefragt. Quelle: Swen Pförtner
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Friedland

“They're wearing steel that's bright and true.“ Die Songzeile aus Led Zeppelins „No Quarter“ drängt sich auf, wenn die Eisenliga zum Kampf in der Arena zu Füßen von Schloss Berlepsch ruft und wuchtige Hiebe stumpfer Schwerter auf Rüstungen aus Titan und Stahl treffen. Zum zweiten Mal ist der Dachverband für „Historisch-Gerüsteten Vollkontakt“ an diesem Wochenende federführend für den Berlepsch Cup im Buhurt, dem mittelalterlichen Gruppenkampf, zum fünften Mal ist Hausherr Fabian von Berlepsch Gastgeber des Turniers.

Vierstellige Besucherzahl beim Berlepsch-Cup

Die Eisenmänner zeigen magnetische Wirkung: Mehr als 3000 Gäste strömten am Sonnabend zu dem zweitägigen Kampf-Spektakel mit internationalem Charakter. 20 Teams aus Deutschland, Polen, der Ukraine, den Niederlanden, Tschechien, England und Luxemburg treten gegeneinander an. Als Gastkämpfer sind auch ein Chinese und eine Norwegerin dabei. So alt die Waffen-Vorbilder sind, so jung ist der Sport mit zwei Weltverbänden, dem HBM (Historical Medieval Battle) und der IMCF (International Medieval Combat Federation). Das erste Buhurt-Turnier habe vor zehn Jahren in der Ukraine stattgefunden, berichtet Eisenliga-Vizepräsident Merten Ackermann aus Berlin.

Kämpfer von Kiel bis Koblenz

Anspielungen auf die Eisenmänner aus „Game of Thrones“ bekommt Ackermann häufig zu hören. Mit deren Motto „Was tot ist, kann niemals sterben“ haben die Buhurt-Kämpfer aber nichts am Helm. Sie leben und brennen für ihr ungewöhnliches Hobby, das sie mit professionellem Eifer betreiben. So wie Metal-Fan Karsten Fricke aus Bad Harzburg, der unter der Rüstung ein Iron-Maiden-T-Shirt trägt und zum Team „Decima“ gehört. Kämpfer von Kiel bis Koblenz haben sich unter diesem Namen bei einem Turnier zusammengefunden.

Bei den Kämpfen wird heftig miteinander gerungen, die ganze Körperkraft eingesetzt. Hämatome trage man nur davon, wenn die Rüstung nicht stimme, sagt Fricke: „Ich habe schon seit Jahren keinen blauen Fleck mehr gehabt.“ In der gängigsten Kategorie treten Teams mit jeweils fünf Kämpen gegeneinander an, ansonsten auch jeweils ein Dutzend Kämpfer. Bei der Weltmeisterschaft Anfang Mai in Serbien habe es auch Teams mit 100 Buhurt-Kämpfern gegeben, erzählt ein weiterer Turnier-Teilnehmer.

Video vom Vollkontakt-Turnier:

Nicht nur mit der Montur, auch mit Vollbärten, Pferdeschwänzen oder kahlrasierten Köpfen eifern die muskelbepackten Recken optisch ihren martialisch-mittelalterlichen Vorbildern nach. Modische Man Buns und Smartphones sind Zugeständnisse an die Gegenwart. Zu genau nimmt man es dann doch nicht mit der historischen Authentizität. Das Bedürfnis danach können die Besucher an diversen Verkaufsständen befriedigen oder im Softkit den Kampf erproben – mit gepolsterten Schilden, schaumstoffumwickelten Schlagwaffen und vergitterten Helmen.

Die Schneiderei „Zum roten Tuch“ aus Österreich bietet Gewänder, Gugelmützen und Templerhauben an, das „Fellwerk“ aus Friesland Schafs-, Kaninchen-, Wildschwein-, Rinder- und Ponyfelle, die „Riemerey“ Gürtel und Lederaccessoires. Elbische Spitzohren feilschen mit krämerischen Schlitzohren, Kinder schwingen Holzschwerter, so weit das Auge blickt, sind Ritterlager aufgeschlagen. Der Sport- und Mittelalterverein „Swaiut Toringi“ aus Mühlhausen wirbt für den modernen Schwertkampf: „Bei uns kann jeder der historschen Darstellung nachgehen, die ihm gefällt.“

Waffen aus Osteuropa

Hobbyschmied Fricke ist „schon ewig“ in der Mittelalter-Szene unterwegs. Was dort auf Märkten bei Schaukämpfen geboten wurde, war ihm „auf Dauer zu langweilig“. Jetzt trägt er eine 25 Kilo schwere Rüstung und wappnet sich zum Kampf gegen Gegner wie die „Lions of Steel“, „Ad arma“, „Lions of Steel“, „Euro Bastards“ oder „Blood Griffins“. Sich ineinander schiebende Platten lassen Raum für Bewegungsfreiheit, das Gewicht macht ihm nicht zu schaffen: „Es ist halt Sport. Wenn man gut sein will, muss man trainieren.“ Das meint auch Mike Rusitschka. Der Teamcaptain der „Nassauer Löwen“ muss es wissen: Er trägt eine 50 Kilo schwere Stahlrüstung. Hinzu kommen die Waffen, die bis zu drei Kilo schwer sind.

Die meisten Rüstungen, Schwerter und Streitkolben der Vollmontur-Mediävisten stammen aus osteuropäischen Waffenschmieden. Kostproben präsentiert Igor Parfintew aus der Ukraine, der auch Training-Workshops anbietet, am „Buhurt-Tech“-Stand. Die Warteliste sei lang, da die Rüstungen individuell nach Maß angefertigt würden. Ein Suspensorium zum Schutz der Genitalien sei Pflicht, berichtet der Nürnberger Simon Hörmann: „Tiefschläge sind verboten, man rutscht aber auch mal aus.“ Ansonsten seien die Regeln nicht schwer, sagt der 24-Jährige. Trefferanzeigen wie beim Fechten gibt es nicht. Wenn nach den Beinen ein dritter Abstützpunkt den Boden berührt, scheidet man aus.

Nationales Frauen-Team im Aufbau

Der Buhurt-Kampf ist keine reine Männerdomäne. Es gibt auch eine Frauen-Liga. „Wir bauen gerade ein nationales Team auf“, berichtet Melanie Gras. Beim Berlepsch-Cup tritt sie noch in einem gemischten Team mit Däninnen und Polinnen an, den „Blood Griffins“ (Blutgreife), Gegner sind ein englisches und ein tschechisches Team: „Wir kämpfen am Sonntag.“ „Gegen den Kater“, frotzelt ein Mitkombattant.

Daniela von Berlepsch hat am Sonnabend im Kreis vieler „gewandeter, vielleicht auch schon leicht verbeulter Menschen“ die „fairen und spektakulären Kämpfe“ mit 20 Teams und 160 Kämpfern eröffnet. Mit Kampfrufen und engem Körper- respektive Rüstungskontakt ging es ins Schlachtgetümmel. Alle Rüstungsteile müssen authentisch sein und zur jeweiligen Epoche passen, erklärt Ackermann: „Wir wollen auch ein historisches Bild abgeben. Beinzeug aus dem 14. und Armzeug aus dem 17. Jahrhundert geht nicht.“ Die meisten Rüstungen würden sich an Vorbildern aus dem 15. Jahrhundert orientieren: „Die bieten das beste Balancing zwischen Schutz, Gewicht und Beweglichkeit.“ Schläge in den Nackenbereich oder die Kniekehlen sind verboten, ebenso Würgen und Helmziehen.

Beim Berlepsch-Cup können die Buhurt-Kämpfer Punkte fürs internationale Ranking sammeln. Die Top Ten nehmen am Jahresturnier teil, das Ackermann mit der Champions League vergleicht.

Kampfspektakel mit Rüstungskontrolle

Mit dem Halbfinale und Finale der jeweils fünfköpfigen Buhurt-Teams wird der Berlepsch-Cup am Sonntag, 6. Okober, ab 11 Uhr fortgesetzt. Um 12 Uhr sind die Frauen-Teams an der Reihe, ab 13 Uhr wird in Zwölfergruppen gegeneinander gekämpft, ab 15 Uhr heißt es „Jeder gegen Jeden“. Abseits des Kampfgetümmels in der Arena gibt es diverse Angebote für Kinder, auf der Bühne im Schlosshof Live-Musik. Um 11.30, 13.45 und 16.15 Uhr tritt dort Timo von Rabenweiß auf, um 12.15, 14.45 und 16.45 Uhr Feuerdorn und um 14.15 Uhr Rauhbein. Cedrus Inflammnia entfacht um 17.30 Uhr eine Feuershow, im Schlosspark wird um 12.30 und 15.30 Uhr eine Falknershow präsentiert. Zum weiteren Programm gehören Turmführungen, Massagezelt, Walking Acts, Gauklerei, Armbrust- und Bogenschießen. An diversen Ständen können sich die Besucher von Steampunk-Accessoires bis Elfenhaar mit allem eindecken, was ihr Herz begehrt. Als Wegezoll werden von Rittern und Edeldamen ab zwölf Jahren acht Gulden, als Sippenpreis für Familien 16 Gulden erhoben.

Von Kuno Mahnkopf

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