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Friedland Planungen liegen auf Eis: Was passiert jetzt mit dem Sondergebiet Logistik?
Die Region Friedland Planungen liegen auf Eis: Was passiert jetzt mit dem Sondergebiet Logistik?
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11:50 24.01.2020
Die Gegner des Gewerbegebiets in Hebenshausen haben einen Erfolg errungen: Die Planungen liegen erstmal auf Eis. Quelle: Niklas Richter
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Neu-Eichenberg

Jubelstürme bei den Gegnern des Sondergebiets Logistik (SoLo) in Hebenshausen: Die Gemeindevertretung beschloss am Dienstagabend, die Planungen für den Logistikpark für ein halbes Jahr auf Eis zu legen. Dadurch besteht nun eine Chance, ernsthafte Alternativen für die Nutzung der Ackerfläche zu suchen.

Der Hintergrund: Seitdem bekanntgegeben wurde, dass am Ortsrand von Hebenshausen ein Gewerbegebiet entstehen soll, war es ein Streitthema. Nachdem jahrelang nicht viel passierte – der erste Bebauungsplan des Projekts stammt aus dem Jahr 2009 – gingen die Bürger nach der Änderung des Plans im Jahr 2018 auf die Barrikaden. Vorher sollte ein Drittel der Fläche bebaut werden, nun handelte es sich um „eine Vollbebauung“, wie Bürgermeister Jens Wilhelm (SPD) auf Nachfrage mitteilte. Nach der Ankündigung, für namhafte Konzerne bis zu 14 Meter hohe Hallen errichten zu wollen, regte sich in der Region heftiger Widerspruch. Die Anwohner organisierten Mahnwachen, besetzten den Acker und taten ihren Unmut kund, wo sie nur konnten. Vor der Sitzung am Dienstag waren 500 (!) Stellungnahmen zu der Thematik eingegangen.

Was sind die Hauptkritikpunkte am Logistikgebiet? Da ist zum einen die verkehrstechnische Erschließung. Der Lastwagen-Verkehr würde stark zunehmen, zudem müsste die dafür notwendige Infrastruktur erst geschaffen werden. Zum anderen sollten die Lagerhallen direkt am Ortsrand errichtet werden – nur eine kleine Kreisstraße würde das Gewerbegebiet von den Wohnhäusern trennen. Und wer möchte schon aus dem Wohnzimmerfenster auf eine 14 Meter hohe Lagerhalle gucken? Zudem wären 77 Prozent der Neu-Eichenberger Bevölkerung – aus den Orten Berge, Hebenshausen und Eichenberg – „mehr oder weniger direkt von den Auswirkungen“ der Erschließung betroffen, erläutert Sven Schreivogel, der für die SPD in der Gemeindevertretung sitzt.

Der Logistikpark sollte direkt an den Ortsrand angegliedert werden. Quelle: Thomas Meder

Was geschieht jetzt?Gibt es schon alternative Nutzungsmöglichkeiten? Zwei Ideen wurden bereits kurz angerissen, berichtet Wilhelm. Zum einen sei das „Böllert-Jaschke-Modell“, das von den Diplom-Ingenieuren Dirk Böllert und Rita Jaschke entwickelt wurde, vorgestellt worden. Das Modell setzt mit Photovoltaik-Anlagen auf eine „kostensenkende Umstellung auf Erneuerbare Energien“, wie es im Konzeptpapier heißt. Das Programm besteht aus fünf Säulen und reicht von der primären Stromerzeugung über Energiespeicherung und Nutzung der Abwärme zu Heizzwecken. Ebenfalls bereits vorgestellt wurde ein Projekt der Studentengruppe „Land schafft Zukunft“ des Fachbereichs Landbau Witzenhausen der Universität Kassel. Die Studierenden entwickeln darin ein Modell zur kleinteiligen Parzellierung der Flächen, um die agrarliche Nutzung zu optimieren. Weitere Ideen seien willkommen, sagt Wilhelm.

Wem gehört die Fläche und welche Kosten sind für die Planungen bisher aufgelaufen?Das Gebiet gehört der Hessischen Landgesellschaft (HLG). Die bisherigen Planungskosten betragen laut Wilhelm 1,5 Millionen Euro.

Wer finanziert und investiert?„Die Planungskosten werden derzeit von der HLG bezahlt“, sagt der Bürgermeister. Allerdings würde die Gesellschaft das Geld „irgendwann zurückfordern“. Deshalb wäre eine schnelle Amortisierung des Logistikparks wichtig gewesen – doch daraus wird nun nichts. Zudem zog sich Ende vergangenen Jahres der Investor, die Dietz AG aus Bensheim, vorerst zurück, nachdem ihr Vorvertrag ausgelaufen war. Weitere Interessenten gebe es derzeit nicht, betont Wilhelm.

Stimmen aus der Politik

„Für mich war es überraschend,dass der Antrag der Grünen auf Planungsstopp angenommen wurde“, meint Neu-Eichenbergs Bürgermeister Jens Wilhelm (SPD). „Wir folgen der Entscheidung der Gemeindevertretung und werden nun Alternativen prüfen“, sagt er. Freude herrscht dagegen bei Sven Schreivogel (SPD): „Mir ist wichtig, dass Neu-Eichenberg eigenständig bleibt. Deswegen ist es unerlässlich, die Gemeinde auf ein sicheres finanzielles Fundament zu stellen. Dass dieses mit der jetzigen Planung zum Sondergebiet Logistik passiert, daran habe ich erhebliche Zweifel.“ Er sei kein Logistikgegner, fügt Schreivogel hinzu. Einer kleineren, den örtlichen Gegebenheiten angepassten und für die Bürger verträglichen Planung hätte er sich nicht verweigert. „Aber ein Gebiet dieser Größe so nah an einer Ortslage halte ich einfach für überdimensioniert.“ Dass jetzt die Möglichkeit bestehe, eine alternative Nutzung des Gebiets ernsthaft zu prüfen, freue ihn sehr.

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