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Friedland Welche Alternativen gibt es zum geplanten Logistikgebiet in Hebenshausen?
Die Region Friedland Welche Alternativen gibt es zum geplanten Logistikgebiet in Hebenshausen?
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10:00 20.01.2020
Auf einer 80 Hektar großen Fläche direkt am Dorf Hebenshausen sollen 14 Lagerhallen entstehen. Hebenshausen ist ein Ortsteil von Neu-Eichenberg. Quelle: R
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Neu-Eichenberg

Wie ist es nun: Entstehen auf einem Acker bei Hebenshausen Lagerhallen oder nicht? So genau weiß das im Moment niemand: „Die Frage kann nicht eindeutig beantwortet werden“, sagt Bettina Biehler. Sie ist Geschäftsführerin von Bündnis90/Die Grünen im Kreisverband Werra-Meissner sowie grüne Fraktionschefin in der Gemeindevertretung von Neu-Eichenberg.

Allerdings hätten Investoren wohl nach wie vor Interesse, auf einem knapp 80 Hektar großen Areal, das direkt am Dorf Hebenshausen, einem Ortsteil von Neu-Eichenberg, liegt, entsprechend tätig zu werden, schätzt sie ein. Bei der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung am 20. Januar wird das Thema erneut zur Sprache kommen – und wenn der Abend nicht reicht, geht es am 21. Januar weiter. Die grüne Fraktion hat zur zweiten Abwägung des zu ändernden Bebauungsplans „Sondergebiet Logistik“ mehrere Änderungsanträge gestellt.

Acker von Kritikern besetzt

Zum Hintergrund: Nach der Ankündigung der Dietz AG aus Bensheim, für namhafte Konzerne zwölf bis zu 14 Meter hohe Hallen errichten zu wollen, regte sich in der Region heftiger Widerspruch – freilich gab es auch Befürworter. Der im Besitz des Landes Hessen, beziehungsweise der landeseigenen Hessischen Landgesellschaft befindliche Acker ist 2019 von Aktivisten besetzt worden.

Darüber lief ein von der Dietz AG geschlossener Vorvertrag aus, ohne dass die Gemeinde den alten Bebauungsplan für das Vorhaben ändern konnte. Allerdings sind bislang erhebliche Planungs- und Vermarktungskosten entstanden, rund 1,5 Millionen Euro sollen sie betragen. Zu schultern hat sie die Gemeinde, die als Entwickler des Projektes fungiert.

Was geschieht im Falle eines Brandes?

Die grüne Fraktion in der Gemeindevertretung hat unter anderem beantragt, ein Konzept zur Gefahrenabwehr im Brandfall zu erstellen. Dieses Thema sei bislang nicht in einem ausreichendem Umfang betrachtet worden. „Das Logistikgebiet stellt an die Gefahrenabwehr im Brandfall, für die unsere Gemeinde zuständig ist, ganz neue und höhere Anforderungen hinsichtlich Ausrüstung, Personal, Fahrzeuge, Gebäude. Aus dem bisherigen Verlauf der Diskussion über die Änderung des B-Plans ist uns nicht klar geworden, wie unsere Feuerwehr diesen höheren Brandschutzanforderungen gerecht werden kann“, argumentiert Bettina Biehler.

Zudem fordern die Grünen die Erstellung eines aktuellen Umweltgutachtens. Eine vorliegende Kurzbewertung sei nicht umfassend genug, da sie nur auf einer Einmalbegehung im Oktober 2019 basiere und lediglich die Aufgabe hatte, eine etwaige temporär befristete landwirtschaftliche Zwischennutzung der Logistikflächen gutachterlich vorzubereiten. „Diese Aufgabenstellung deckt sich nicht mit der Aufgabenstellung eines Umweltberichtes, mit dem die dauerhafte Versiegelung von 80 Hektar Ackerboden gutachterlich betrachtet werden soll“, so Biehler.

Nächtliche Ruhepause im Logistikgebiet

Weiterhin haben die Grünen beantragt, dass in den textlichen Festsetzungen zum B-Plan Ruhezeiten für das Logistikgebiet festgeschrieben werden. Erreicht werden soll, dass im Logistikgebiet von Montag bis Sonnabend von 22 bis 6 Uhr und an Sonn- und Feiertagen ganztags nicht gearbeitet wird.

„Wir haben uns entschlossen, diesen Antrag erneut zu stellen, da wir den Schutz der Anwohner vor der enormen Lärmbelastung mit als eines der wichtigsten Themen erachten“ sagt Biehler. Mit Blick auf das Göttinger Logistikunternehmen Distribo verweist die grüne Fraktionsvorsitzende darauf, dass eingeschränkte Betriebszeiten auch im Logistikbereich möglich sind. Distribo arbeite laut öffentlicher Berichte von 7 bis 19 Uhr.

500 Stellungnahmen sollen eingegangen sein

In einer Mitteilung der Bürgerinitiative (BI) für ein lebenswertes Neu-Eichenberg heißt es, dass die Auseinandersetzung um das Für und Wider des Sondergebietes Logistik am 20. und 21. Januar ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen wird. Dann werde über die mehr als 500 Stellungnahmen befunden und darüber im Rat abgestimmt, ob es eine erneute öffentliche Auslegung des geänderten Bebauungsplanes gibt.

„Wir sind optimistisch, dass sich die Gemeindevertreter für eine Pause in der weiteren Planung aussprechen“, erklärt die Sprecherin der Bürgerinitiative, Carolin Benzinger. Es sei jetzt die Gelegenheit, sich mit Alternativen zu beschäftigen, statt immer weiter Geld in ein Projekt aus einer „längst vergangenen Zeit zu investieren“.

Das Projekt nach Einschätzung von Benzinger wirtschaftlich ein Nullsummenspiel. Mit großer Wahrscheinlichkeit würde die Gemeinde sogar Verluste machen. „Wer will mit all den negativen Effekten des Logistikgebietes leben, wenn es sich nicht einmal wirtschaftlich lohnt“, fragt Co-Sprecherin Britta Mallach im Vorfeld der Ratssitzung. Es werde immer deutlicher, dass der zu erwartende Lastwagenverkehr die gesamte Region überfordern wird.

Jeder Bürger soll sich selbst ein Bild machen

Eine Alternative zum Logistikgebiet sei die weitere landwirtschaftliche Nutzung der Fläche, plus „Ausbau einer kommunalen Energieversorgung“, „Etablierung eines Forschungsstandortes“ und „Schaffung sozialer Orte“, die Raum für Bildung und Naherholung bieten sollen. Die BI, so Mallach, bitte alle Gemeindevertreter, sich gegen eine erneute öffentliche Auslegung des Bebauungsplanes auszusprechen und ruft alle Menschen in der Region auf, die Sitzungen der Gemeindevertretung am 20. und 21. Januar, jeweils ab 19 Uhr, im Gasthaus Waldmann in Hebenshausen zu besuchen. So könne sich jeder ein Bild davon machen, wie die Einwendungen der Bürger umgesetzt werden.

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