Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Gieboldehausen Altbischof Huber spricht in Wollershausen über Dietrich Bonhoeffer
Die Region Gieboldehausen Altbischof Huber spricht in Wollershausen über Dietrich Bonhoeffer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:00 23.11.2019
Altbischof Wolfgang Huber hat im Anschluss an die Veranstaltung sein Buch signiert. Quelle: Rüdiger Franke
Anzeige
Wollershausen

Altbischof Wolfgang Huber, ehemaliger Vorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), hat in Wollershausen über Diedrich Bonhoeffer gesprochen. Dabei las er auch aus seinem aktuellen Buch über den Theologen.

110 Besucher kamen am Freitagabend in die St. Marien-Kirche in Wollershausen. Einige hatten sich sogar aus Kassel, Braunschweig, Hamburg und Berlin auf den Weg gemacht. Superintendent Volkmar Keil stellte den Referenten vor, dessen wichtigstes Amt das des EKD-Vorsitzenden gewesen sei. „Ich bin gespannt, welche Aspekte Bonhoeffers Sie heute ansprechen“, sagte Keil, denn Huber ginge es in seinem Porträt nicht nur um die Theologie Bonhoeffers.

Altbischof Wolfgang Huber (l.) und Christian Richter Quelle: Rüdiger Franke

Neben dem Altbischof saß Christian Richter im Altarraum. Er moderierte den Abend. „Sie sind in Wollershausen kein Unbekannter“, erklärte Keil. Schließlich habe Richter einen Nebenwohnsitz in dem Dorf, da seine Frau von dort stamme. „Am Westportal der Westminster Abbey gibt es 15 Skulpturen der Märtyrer aus dem Zweiten Weltkrieg. Eine von ihnen trägt den Namen von Dietrich Bonhoeffer“, sagte Richter und startete in die Diskussion mit der Frage „Wer bin ich?“ aus einem von Bonhoeffers Gedichten, die dieser im Gefängnis in Tegel schrieb. „Sie nennen Ihr Buch bewusst ein Porträt“, gab er an Huber ab.

Leben und Glauben

„Angesichts der Tatsache, dass Biografien über Diedrich Bonhoeffer in großer Zahl vorliegen, stellte sich mir die Frage: Was lässt mich daran unbefriedigt?“ Das Spannende sei, was in seiner Lebensgeschichte passiere, aber es müsse auch das Verhältnis zu seinem Glauben eingeschlossen werden. „Deshalb ein Porträt, weil es versucht, eine Person als Ganzes darzustellen.“ Derjenige, der für ein Porträt eine Szene aussucht, habe trotzdem die Aufgabe das Ganze darzustellen. „Auch wenn mein Buch weniger Seiten hat, als die meisten modernen Biografien, hoffe ich trotzdem, die Einheit von Leben und Glauben, Theologie und Biografie zu zeigen.“

Altbischof Wolfgang Huber signiert sein Buch. Quelle: Rüdiger Franke

Bonhoeffer sei am 4. Februar 1906 als sechstes von acht Geschwistern geboren worden, startete Huber in Bonhoeffers Lebensgeschichte. Eine Familie mit acht Kindern stelle einen eigenen Bildungskosmos dar. Der Altersunterschied zwischen dem ältesten und dem jüngsten Kind betrug lediglich zehn Jahre. Unterrichtet wurden die Bonhoeffer-Kinder zunächst von der Mutter zu Hause in einem eigens eingerichteten Bildungszimmer.

Lesen Sie auch: Interview mit Wolfgang Huber zur Lesung in Wollershausen

Mit 17 Jahren Abitur, mit 21 promoviert, mit 24 habilitiert

Später besuchte Dietrich Bonhoeffer das Gymnasium und bestand kurz nach seinem 17. Geburtstag das Abitur. Mit 21 Jahren promovierte er, mit 24 wurde er habilitiert. Sein Studium habe er in Tübingen begonnen. „Wie viele hier vielleicht hoffen, hatte er da noch keinen Bezug zu Göttingen“, so der Altbischof. Den habe er erst durch die Hochzeit seiner Schwester Sabine mit dem Göttinger Juristen Leipholz bekommen. Die Zeit in Göttingen sei für Bonhoeffer sehr erfreulich gewesen, erklärte Huber, „weil er Urlaub bei seiner Schwester und seinem Schwager machen konnte.“ Und auch wegen des Tennisspiels. „Es war für ihn eine Art Oase in seinem Leben.“

Altbischof Wolfgang Huber (3.v.r.) im Gespräch mit Kirchenvorstandsmitgliedern. Quelle: Rüdiger Franke

„Bonhoeffer hatte bereits mit 13 Jahren klare Vorstellungen von dem, was er später machen wollte“, erklärte Huber. Seine spätere Haltung stammte aus der christlichen Erziehung seitens der Mutter und der Erziehung auf dem Schulhof. Schon die Erziehung auf dem Schulhof habe es ihm unmöglich gemacht später staatliches Unrecht zu dulden. „Das widersprach der Ritterlichkeit.“

An der Seite der Schwachen

Bonhoeffer habe Kirche nur als Kirche gesehen, wenn sie eine Kirche sei, die für andere da sei, erklärte Huber. Der Theologe habe früh die Zeichen der Zeit erkannt. Kirche habe ein Wächteramt gegenüber dem Staat, hatte er 1933 in einem Konzept für die Kirche geschrieben. Sie stehe immer auf der Seite der Schwachen und Bedrohten. Seine Kritik an der Kirche im Jahr 1944: Die Kirche sei in der Selbstverteidigung und gehe kein Wagnis für die anderen ein.

Bonhoeffer habe sich Zeit seines Lebens für die Schwachen eingesetzt, sei sogar aus New York nach Deutschland zurückgekehrt, weil er das Gefühl gehabt habe, die anderen im Stich zu lassen. Bei allem, was er Tat, sei er durch seinen Glauben bestärkt worden. Am 8. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer zum Tod verurteilt, einen Tag später hingerichtet. Huber beendete den Abend mit einem der Gedichte, die der Theologe aus der Haft 1944 an seine Schwester schrieb. „Es wurde als das geistliche Gedicht des 20. Jahrhunderts bezeichnet“, so der Altbischof. Die siebente Strophe werde immer noch oft zitiert und in Poesiealben geschrieben:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist bei uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Erich Schakowske (r.) übergibt Altbischof Wolfgang Huber Eichsfelder Spezialitäten. Quelle: Rüdiger Franke

336 Seiten über Diedrich Bonhoeffer

Das Buch „Dietrich Bonhoeffer: Auf dem Weg zur Freiheit – Ein Porträt“ von Wolfgang Huber ist am 14. Februar 2019 im Verlag C.H.Beck erschienen. Es umfasst 336 Seiten mit 25 Abbildungen. Huber stellt dabei nicht nur das Leben des Theologen in den Mittelpunkt, sondern verknüpft dieses mit der Entwicklung Bonhoeffers zu eben dem Theologen. Die ISBN-Nummer lautet 978-3-406-73137-2.

Von Rüdiger Franke

Ein Unwetter hat im Sommer in Rhumspringe Schäden von mehr als 300 000 Euro verursacht. Mit einer Spendenaktion soll unversicherten Opfern geholfen werden. Ein Windenergieparkentwickler spendet dafür 5000 Euro.

23.11.2019

Mit einer Messe haben sich die Augustiner am Freitagabend nach 155 Jahren aus Germershausen verabschiedet. Unter den 250 Christen, die den Mönchen Lebewohl sagten, war auch ein Hildesheimer Weihbischof. Es war ein rührender Abschied.

24.11.2019

Verwirrung um ein Tempolimit auf der Gemeindeverbindungsstraße Gieboldehausen – Bilshausen. Was es damit und mit Abstimmungsschwierigkeiten von Behörden auf sich hat, kam jetzt im Flecken Gieboldehausen zur Sprache.

22.11.2019