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Gieboldehausen Dieser Lkw-Fahrer aus Rhumspringe spricht mit Puppen
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08:42 26.10.2019
Bauchredner Steffen Bistry aus Rhumspringe mit seiner Puppe Horst, einem Spät-68er. Quelle: Eichner-Ramm
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Rhumspringe

Wenn erwachsene Männer mit Puppen sprechen, heißen sie entweder Sascha Grammel oder Steffen Bistry. Beide haben eines gemeinsam – sie sind Bauchredner. Und während der eine auf den großen Bühnen der Republik steht, tritt Bistry vorwiegend auf Familien- und Vereinsfeiern, Bällen oder Stadtfesten auf.

„Ich bin viel unterwegs“, sagt der 49-Jährige und meint damit nicht nur seinen Hauptberuf als Lkw-Fahrer für die Spedition Sommer in Gieboldehausen, sondern auch seine Auftritte als Bauchredner in Südniedersachsen und den angrenzenden Bundesländern. „Humor aus dem Bauch“ nennt Bistry seine Show, die er je nach Anlass und Publikum mit verschiedenen Handpuppen bestreitet.

Erster Auftritt bei der eigenen Jugendweihe

Bistry ist in der früheren DDR aufgewachsen. 2014 zog er mit seiner Frau und den beiden Söhnen (18 und 8 Jahre) aus dem Obereichsfeld nach Rhumspringe. „Wir fühlen uns dort wohl“, sagt er. Seine Familie stehe hinter seinem Hobby, auch wenn ihm dafür noch weniger Zeit mit der Familie bleibe. „Ich mache das seit 35 Jahren“, erzählt der Rhumspringer, „mit 14 Jahren hatte ich meine erste Veranstaltung“, bei seiner eigenen Jugendweihe in der Schule.

Die Begeisterung für das Spiel mit den Puppen weckte allerdings ein kleiner Hund namens Strupp, „eine Handpuppe die ich als Kind geschenkt bekam“. Bei einem Besuch bei der Patentante sei im Fernsehen damals eine Bauchrednershow zu sehen gewesen, erinnert sich Bistry und lacht, als er weiter erzählt: „Ich stand mit meinem Hund vor dem Fernseher und habe mitgemacht.“ Die Patentante habe ihn ermutert, das zu lernen.

Jüngster lizensierter Bauchredner der DDR

Drei Jahre lang habe er sich das Bauchreden selbst beigebracht. „Youtube-Videos oder Lehrbücher gab es in der DDR nicht“, so Bistry. Es folgten verschiedene Talentwettbewerbe – auf Schulebene, im Kreiswettbewerb, auf Bezirksebene und schließlich beim DDR-weiten Wettbewerb, „ich habe alle gewonnen“. Damit war der Weg frei, sich als Bauchredner offiziell lizensieren zu lassen, berichtet Bistry weiter. „1989 war ich der jüngste registrierte Bauchredner der DDR.“

Bauchredner Steffen Bistry aus Rhumspringe mit seiner Puppe Horst, einem Spät-68er. Quelle: Eichner-Ramm

„Bauchredner sind Künstler“, betont der Rhumspringer, und man müsse bei Auftritten ein guter Performer sein. „Ich beobachte das Publikum und agiere mit ihm“, sagt er. Komme ein Gag gut an oder spiele ein direkt angesprochener Zuhörer mit, könne das zum „Running Gag“ werden. Für seine Bauchrednershows habe er ein Programmgrundgerüst, „alles andere entwickelt sich“, so Bistry. Dabei gelte es, schlagfertig zu reagieren.

Mit Herz, Seele und Spaß dabei sein

„Man muss nicht der beste Bauchredner sein, sondern mit Herz, Seele und Spaß dabei sein.“ Dann gelinge es, die Puppe zum Leben zu erwecken und das Publikum mitzunehmen, ist Bistry überzeugt.

Horst, der Spät-68er

Seine neuste Puppe ist Horst, ein Spät-68er mit Anti-Atomkraft-Aufnäher auf der Jacke, Ohrring im Ohr, Bart und Lachfalten im Gesicht sowie Turnschuhen an den Füßen. Es handelt sich um eine Einzelanfertigung von Manfred Werner, einem der besten Puppenbauer in Europa, so Bistry. Horst ist aus Schaumstoff, hat Echthaar auf dem Kopf und gelbliche Zähne, die eigens ein Dentallabor angefertigt habe, berichtet der Rhumspringer. Und obwohl weder Nase noch Augen sondern nur der Unterkiefer von Horst beweglich sind, habe die Puppe einen ganz eigenen Charakter, sei authentisch, freut sich der 49-Jährige.

Schweinehund und sprechendes Klo

Eine vierstellige Summe hat sich Bistry seinen neuen Begleiter kosten lassen. „Die ersten Woche ist er bei mir im Lkw auf dem Beifahrersitz mitgefahren“, verrät Bistry. Und auch bei seinen ersten Auftritten kam Horst gut an. „Horst findet noch seine richtige Rolle“, meint der Bauchredner. Mit den anderen Puppen aus seinem Fundus sei er bereits eingespielt. Da wären zum Beispiel Schweinehund Rudi, der „frech und vorlaut“ sei und Bistry zufolge genau das Gegenteil von dem darstelle, was das Publikum erwarte. Weitere eigens für ihn angefertigte Puppen seien noch Dr. Motzki und das sprechende Klo. „Außerdem habe ich noch ein paar Affen.“

Zwei Bauchredner könnten die selbe Puppe haben – wie beispielsweise der Opa, eine Kaufpuppe aus Latex –, und doch wären die Auftritte nicht vergleichbar, sagt Bistry, denn jeder ziehe seine Puppe anders an und gebe ihr eine andere Stimme.

Bauchreden ist Illusion

„Jeder weiß, dass es eine Puppe ist“, so der 49-Jährige weiter. Aber Bauchreden sei Illusion. Dabei komme es auf den Charakter der Puppe, ihre Bewegungen, Schlagfertigkeit und das Zusammenspiel mit der Puppe an, nennt Bistry Faktoren für die perfekte Illusion. Und natürlich die Sprechtechnik.

Spiegel ist beim Lernen wichtig

Die Stimme komme ja nicht wirklich aus dem Bauch sondern von den Stimmbändern. Das müsse ebenso trainiert werden, wie der Klang, den die Stimme der Puppe haben soll. Am wichtigsten sei es aber, erklärt Bistry, dass sich die eigenen Lippen nicht bewegen. Er verrät, wie er sich das selbst beigebracht hat: Bleistift in den Mund und dann sprechen, ohne die Lippen zu bewegen. Idealerweise sollte der Text keine Presslaute enthalten. Die Buchstaben V, W, P, B, M und F gelte es zu vermeiden. „Ein Spiegel ist beim Lernen das wichtigste“, betont der Bauchredner. Viel Zeit und Disziplin seien notwendig, will man dann auch ohne Bleistift und Lippenbewegung reden.

„Erfolg muss man sich erarbeiten“, sagt Bistry. Dafür trainiere er regelmäßig. Und wenn bei einem Auftritt dann doch einmal leicht die Lippen flattern oder „sich Dinge entwickeln, die nicht geprobt waren“, tröstet den 49-jährigen Hobby-Bauchredner eines: auch ein Profi wie Sascha Grammel mache Fehler. Das habe er festgestellt, nachdem er unlängst dessen Show gesehen hatte. Seine Familie habe ihm ein Ticket geschenkt, so Bistry.

Kartenvorverkauf für Festival

Festival der Bauchrednerkunst

Der Rhumspringer Bauchredner Steffen Bistry gehört dem Verein Bauchrednerfreunde an, der etwa 50 Mitglieder zählt und mit dessen Gründung das Bauchreden „nach vielen Jahren des Nischendaseins in Deutschland wieder seinen Platz in Varietés und Showveranstaltungen gefunden hat“. Der Verein hat seinen Sitz in Walsrode, wo der Vorsitzende Dietmar Belda, selbst Bauchredner, lebt. Der Verein veranstaltet ein Festival der Bauchrednerkunst im April 2020 – mit Workshops und Galaveranstaltung. Die zwölfte Auflage des Festivals wird auf Initiative von Bistry im Niedersachenhof in Gieboldehausen über die Bühne gehen.

Beim Workshop geht es den Organisatoren zufolge um kollegialen Austausch beispielsweise bei Ideenentwicklung neuer Figuren oder der Entwicklung von Texten und Dialogen. Über das Puppenspiel referiert die Schauspielerin und Puppenspielerin Dorothee Jordan in einem der beiden Workshops, im anderen geht es unter Anleitung des Stimmtherapeuten und Logopäden Prof. Karl-Heinz Stier um Stimmbildung. Außerdem werden Bauchredner und Puppenbauer Belda und Manfred Werner aus Dänemark die Teilnehmer beraten, was beim Puppenbau möglich ist.

In Kürze soll endgültig feststehen, welche Künstler bei der Galaveranstaltung auftreten werden, kündigt Bistry an. Er selbst übernehme zusammen mit Eddi Steinfatt die Moderation.

Der Kartenvorverkauf für die Bühnenshow, bei der zehn Künstler die Vielfalt ihres Genres präsentieren werden, hat begonnen. Tickets sind in den Tageblatt-Geschäftsstellen in Duderstadt, Marktstraße 9, Telefon 05527/9499773, und Göttingen, Wiesenstraße 1, Telefon 0551/901255, erhältlich.

Von Britta Eichner-Ramm

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