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Gieboldehausen Niklas und Miriam Rohde werfen mit der Angel weit und zielen genau
Die Region Gieboldehausen Niklas und Miriam Rohde werfen mit der Angel weit und zielen genau
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12:43 14.09.2018
Sie brauchen kein Wasser, sondern eine große Wiese, um ihre Angelruten einzusetzen: Miriam und Niklas Rohde Quelle: Kathrin Lienig
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Gieboldehausen

„Es gibt Casting-Sportler, die noch nie eine Angel ins Wasser gehalten haben“, erzählt Niklas Rohde.

Der 18-Jährige Gieboldehäuser und seine drei Jahre jüngere Schwester Miriam sind mit dem Angelsport aufgewachsen, haben ihren Vater Hubertus begleitet. Stolz erzählt die Zehntklässlerin des Duderstädter Eichsfeld-Gymnasiums, dass sie schon einmal einen 80 Zentimeter langen Hecht aus dem Seeburger See gefangen hat. Fisch essen beide gern, er wird im Hause Rohde auch eigenhändig geräuchert.

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Niklas Rohde bezeichnet sich als „Späteinsteiger“ in den Casting-Sport. Vor vier Jahren sind die Geschwister als Mitglieder des ASV Gieboldehaussen bei einem Angelwettkampf auch mit dem Casting in Berührung gekommen, haben Gefallen daran gefunden und begonnen, regelmäßig zu trainieren. Weil der Landesverband Niedersachsen nicht mehr zum Deutschen Angelfischerverband (DAFV) gehört, war das Geschwisterpaar gezwungen, sich einen Verein in einem der Nachbarverbände zu suchen, um an Meisterschaften teilnehmen zu können. Inzwischen starten sie für Bremen-Hemelingen – und das sehr erfolgreich. Bei der letzten nationalen Jugend-Meisterschaft im August, die unter hessischer Regie auf dem Sportplatz im nahegelegenen Lindau ausgetragen wurde, sicherte sich Miriam Rohde in den Einzelwertungen zwei Mal Silber und drei Mal Bronze sowie zusammen mit der Elvershäuserin Hannah Rien Silber im Team. Niklas Rohde holte in seiner Lieblingsdisziplin „Fliege weit Einhand“ die Bronzemedaille.

Präzisionssport mit Tradition

Casting ist ein Präzisionssport der Angler, bei dem an der Angel kleine Gewichte oder künstliche Köderfliegen befestigt sind, die präzise auf Ziele in unterschiedlichen Entfernungen platziert oder weit geworfen werden müssen. Je nach Disziplin – von denen gibt es immerhin neun – erfolgen unterschiedliche Wertungen. Bei den Zieldisziplinen sind maximal 100 Punkte zu erreichen, bei den Weitwurfdisziplinen entscheiden die Weiten. Bei den „Fliege“ dagegen werden die beiden weitesten Würfe addiert und als Punkte gezählt. Es wird unterschieden zwischen 3-Kampf, 5-Kampf, 7-Kampf und 9-Kampf. Erste Wettkämpfe wurden bereits 1864 in den USA ausgetragen, das erste Turnier in Deutschland fand 1923 in Berlin statt.

Dass die Wettkämpfe in unmittelbarer Nachbarschaft stattfinden, ist eher selten. Normalerweise fährt Familie Rohde an den Wochenenden viel und lange. Kellinghusen, Halle, Ludwigslust – Turniere gibt es viele. Dann beginnt so ein Tag schon einmal morgens um 3.30 Uhr und endet gegen Mitternacht. Bislang war Vater Hubertus Rohde der Fahrer, inzwischen hat sein Sohn Niklas den Führerschein, sodass die Geschwister in der nächsten Saison allein losfahren können.

Während Niklas, der zurzeit in Göttingen eine Ausbildung zum Tischler macht, sich komplett aufs Casting konzentriert, spielt Miriam noch Handball in der weiblichen B-Jugend des TV Jahn Duderstadt. „Das passt gut zusammen, zeitliche Überscheidungen gibt es eigentlich nicht“, erzählt die Schülerin, die bei der Erwähnung ihres Hobbys schon seltsame Reaktionen erlebt hat. „Manche haben große Fragezeichen in den Augen. Wenn sie Casting hören, denken sie immer an DSDS oder Germanys Next Topmodel. Den Sport kennt kaum jemand.“

Konzentration, Kraft und Ausdauer

Der Präzisionssport erfordert aber nicht nur Konzentration, um zielgenau zu treffen, sondern auch Kraft und Ausdauer. Immerhin gibt es Disziplinen, in denen der Werfer bis zu sechs Minuten Zeit hat, um besonders weite Würfe in einem Sektor zu landen. Bei anderen Teildisziplinen ist dagegen die Zahl der Würfe limitiert, müssen Ziele in unterschiedlichen Entfernungen getroffen werden. Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen wechseln auch die Sportgeräte. Die Länge der Angelruten reicht von 1,37 Meter bis zu 5,20 Meter, bei größeren Meisterschaften gibt es auch Materialkontrollen. Fünf verschiedene Kohlefaser-Ruten hat Niklas Rohde bei einem Siebenkampf in Gebrauch, hinzu kommen die Rollen und Angelschnur. Im Materialkkoffer liegt auch immer ein „Spickzettel“, auf dem alle Materialien, Schnur- und Rutenlängen aufgelistet sind. „Wir nutzen einiges gemeinsam, da kann man ein bisschen sparen“, erzählt er. „Und wir unterstützen uns auch gegenseitig“, fügt seine Schwester hinzu. „Natürlich gibt es auch so kleine Familien-Wettkämpfe, wir rasseln auch mal aneinander. Aber wir bauen uns auch gegenseitig auf.“

Sein Training organisiert das Geschwisterpaar selbstständig. Dabei versuchen beide, die Tipps, die sie bei Wettkämpfen von gestandenen Casting-Sportlern erhalten, umzusetzen. Miriam Rohde hat sich zum Ziel gesetzt, „irgendwann mal bei einer Weltmeisterschaft zu starten“. Ihre Chance, das in diesem Sport, den sie als „Jungending“ bezeichnet, zu erreichen, ist groß. Allerdings erhält er auch immer mehr Zulauf von Mädchen. Wenn sie nicht gerade auf der Wiese nahe des Anglerheims an der Hahle trainieren, muss der eigene Garten herhalten. Da können einige Disziplinen im Kleinformat aufgebaut werden. Zum Rasenmähen müssen sie aber immer wieder weggeräumt werden. „Wenn man dann mal ein paar kleine Nägel übersieht, fliegen die einem beim Rasenmähen um die Ohren“, hat Niklas Rohde schon so seine Erfahrungen gemacht.

Von Kathrin Lienig

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