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Gieboldehausen Brand in Bilshausen: Familie steht vor dem Nichts
Die Region Gieboldehausen Brand in Bilshausen: Familie steht vor dem Nichts
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00:22 06.05.2019
Alexander Mierzwiak im Eingangsbereich seines Hauses. Hier ist der Brand ausgebrochen. Quelle: Eichner-Ramm
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Bilshausen

Familie Mierzwiak aus Bilshausen denkt noch heute mit Schrecken an den 17. April 2019. An diesem Tag zerstörte ein Brand ihren kompletten Hausrat.

Gegen 12.40 Uhr wurde die Bilshäuser Feuerwehr am Mittwoch, 17. April, zum Haldessenweg gerufen. In dem Einfamilienhaus war ein Brand ausgebrochen – „vermutlich in Folge eines technischen Defekts“, wie noch am selben Tag Polizei und Feuerwehr mitteilten. Nachdem die Einsatzkräfte gut eine Stunde später wieder abrücken konnten, übernahmen die Brandermittler der Polizei die Ermittlungen zur Ursache und beschlagnahmten den Brandort. „Die Ermittlungen laufen noch“, sagt die Göttinger Polizeisprecherin Jasmin Kaatz.

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Hoverboard wird untersucht

Dass der Lithium-Akku eines Hoverboards den Brand ausgelöst haben müsse, wie sich Alexander und Andrea Mierzwiak sicher sind, „kann noch nicht endgültig bestätigt werden“, so die Polizeisprecherin. Das Gerät werde derzeit noch von den Experten beim Landeskriminalamt in Hannover untersucht.

Voriges Jahr hätten sie sich das Hoverboard gebraucht gekauft, berichtet der 35-Jährige Vater des neunjährigen Colin und der sechsjährigen Mia Sophie. „Wir hatten das nahezu täglich benutzt“, so der 35-Jährige und meint damit seinen Sohn und sich selbst und fügt hinzu: „Das macht einen Heidenspaß.“ An jenem 17. April habe die von einem Akku angetriebenen Variante eines Skateboards im Eingangsbereich des Hauses unter der Treppe ins Obergeschoss zum Aufladen an der Steckdose gehangen, sagt der Familienvater.

Colin allein zuhause

Tür im Obergeschoss: Vor allem durch die extreme Hitze kam es zu Schäden im Haus. Quelle: R

Was dann passierte kann sich Mierzwiak nur aus dem Bericht seines Sohnes und aus den Gesprächen mit der Feuerwehr herleiten. Denn außer Colin war um die Mittagszeit des 17. April niemand zuhause. Die 34 Jahre alte Andrea Mierzwiak sagt, sie sei im Nachbarort und Mia Sophie im Kindergarten gewesen. Er selbst sei auf dem Brocken wandern gewesen, ergänzt Alexander Mierzwiak.

Colin gibt an, er habe gerade zur Toilette im Eingangsbereich gehen wollen, als das Hoverboard „explodiert“ sei und es „eine Stichflamme gegeben“ habe. Daraufhin sei er ohne Schuhe aus dem Haus zum Nachbarn gelaufen, der daraufhin die Feuerwehr gerufen habe. Sein Sohn sei Mitglied in der örtlichen Kinderfeuerwehr, und habe sich vorbildlich verhalten, so Alexander Mierzwiak. Er habe den Einsatzkräften sofort gesagt, dass niemand sonst im Haus sei.

Erhebliche Rußschäden

Geschmolzene Spielzeugbox aus Plastik. Quelle: R

Direkt nach dem Einsatz sprach die Feuerwehr von erheblichen Rauch- und Rußschäden, die entstanden seien. Es sei eine extreme Hitze entstanden, Flammen, Rauch und Hitze durch das Treppenhaus nach oben gezogen. Türrahmen hätten sich selbst entzündet, Spraydosen im Bad seien geplatzt, die Gurte der Rollläden, das Spielzeug der Kinder, Steckdosen und Lichtschalter – alles sei geschmolzen, zählt der Familienvater einige Beispiele auf.

Selbst das, was nicht durch Flammen zerstört wurde, sei nicht mehr zu retten, denn über allem liege ein Rußfilm, dessen Partikel schädlich seien. „Es ist schon schlimm, wenn man registriert, es ist alles weg“, sagt Alexander Mierzwiak, und auch seiner Frau macht der Verlust des gesamten Hausrates zu schaffen.

Derzeit ist die vierköpfige Familie im Haus der Mutter untergekommen. In ihr eigenes Heim, das sie gerade vor fünf Jahren erst bezogen hätten, könnten sie frühestens Ende des Jahres wieder einziehen. Zuvor werde es komplett auf den Zustand eines Rohbaus versetzt. Mauerwerk und Dachstuhl seien noch in Ordnung, so der 35-Jährige.

Eines steht für die Familie jedoch fest: „Akkus werden wir definitiv nicht mehr im Haus aufladen, und Handys auch nicht mehr am Kopfende des Bettes.“ Mierzwiak erinnert an den Fall Anfang April in Göttingen, bei dem ein Mann ums Leben kam. Nach Polizeiangaben „hatte der Brand seinen Ursprung im Bereich einer Mehrfachsteckdose, an die ein Smartphone mit Ladegerät sowie eine sogenannte Powerbank angeschlossen waren“.

Sicherheitstipps und Gefahren

Verlässliche Statistiken, wie häufig defekte und oder überhitzte Akkus ursächlich für einen Brand sind, gibt es nicht. Aber: mit der Zahl der akkubetriebenen Geräte steigt auch die potenzielle Gefahr. Ob E-Bike, Saugroboter oder Hoverboard – fast immer sind leistungsstarke Lithium-Akkupacks verbaut, um den Elektromotor anzutreiben. Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IfS) der öffentlichen Versicherer e.V. weist außerdem darauf hin, dass Hoverboards und E-Scooter „in sehr unterschiedlichen Preisklassen und häufig als Billigimport aus Fernost angeboten“ würden. Das IfS weiter: „Die Warnmeldungen wegen Brandgefahr häufen sich.“ Verbrauchern wird geraten, sich vor dem Kauf zum Beispiel Rapex, dem Schnellwarnsystem der EU für Verbraucherschutz, zu informieren.

Das IfS informiert darüber hinaus über die Brandgefahren von Lithium-Akkus in einem Film:

Für den Umgang mit Akkus hat der stellvertretende Kreisbrandmeister des Landkreises Göttingen, Karsten Krügener, einige Tipps parat. Zum Aufladen sollten immer die Original-Ladegeräte verwendet werden, sagt er. Außerdem empfiehlt er, Akkus nicht auf brennbarem Untergrund zu lagern und Rauchmelder in den Räumen, in denen geladen wird, zu installieren. „Wenn es vermeidbar ist, die Akkus nicht im Wohnhaus laden“, rät Krügener weiter. Besser wäre zum Beispiel die Garage. Und beim Kauf von akkubetriebenen Geräten sollte auf die Einhaltung gültiger Normen und Bestimmungen geachtet werden.

Einer der spektakulärsten Brände, die mit einer Entzüngung von Akkus in Verbindung gebracht werden, hat sich im vergangenen Jahr in Hannover ereignet. In einem unter dem Parkhaus gelegenen Fahrradgeschäft war mutmaßlich der Akku eines Pedelec explodiert. Dazu gibt es auch einen Filmbeitrag:

Wie ein Pedelec-Akku explodieren kann, erklärt ein Fahrrad-Sachverständiger.

Von Britta Eichner-Ramm

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