Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Gieboldehausen Freibad Duderstadt: Schwimm-Marathon für Flutopfer und sonntägliches Familienfest
Die Region Gieboldehausen

Freibad Duderstadt: Schwimm-Marathon für Flutopfer gestartet 

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:37 19.09.2021
Sophia von der DLRG Eichsfeld protokolliert die geschwommenen Bahnen.
Sophia von der DLRG Eichsfeld protokolliert die geschwommenen Bahnen. Quelle: Claudia Bartels
Anzeige
Duderstadt

Für jeden Kilometer, der an diesem Wochenende im Duderstädter Freibad geschwommen wird, fließen drei Euro an Flutopfer in Rheinland-Pfalz. Auch Nichtschwimmer können ihren Beitrag leisten: Die Einnahmen des sonntäglichen Familienfestes fließen ebenfalls in die Spendensumme.

Am Beckenrand protokollieren die Mitglieder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) gewissenhaft die gezogenen Bahnen. Die Schwimmprofis, die im Sommer auch den Wachdienst im Schwimmbad übernehmen, setzen sich ehrenamtlich ein und wechseln sich im zwei bis drei Stunden-Takt ab. Lilly und Emma sind beide 14 Jahre alt und schwimmen im C-Team der Eichsfelder DLRG, Sophia ist 20 und Mitglied des A-Teams.

Katastrophe im Unterricht thematisiert

Sophia, Lilly und Emma (von links) engagieren sich ehrenamtlich bei der DLRG. Quelle: Claudia Bartels

Nach ihrer Schicht am Beckenrand wollen sie selbst auch ins Wasser und sportlich einen weiteren Beitrag für den guten Zweck leisten. In Emmas und Lillys Klasse ist die Flutkatastrophe im Unterricht thematisiert worden: „Das ist schon krass“, sagt Emma und Lilly ergänzt: „Es ist erschreckend. Ein Mädchen aus unserem Schwimmteam hat Familie dort.“

Die Motivation ist wohl auch aus diesem Grund sehr hoch: 11,4 Kilometer ist das Team der 14-Jährigen bereits geschwommen. „228 Bahnen“, sagt Emma, „nur die Mädelsgruppe.“ Auch die Schulen am Ort seien involviert, erzählen die jungen Frauen. Die Schülerinnen und Schüler des Eichsfeld-Gymnasiums (EGD) und der Heinz-Sielmann-Realschule hatten in der vergangenen Woche Schwimmunterricht – und auch die so geschwommenen Kilometer zählen für die Spendenaktion.

Das Wasser ist warm

Mehr als 260 Kilometer, also 720 Euro, sind bis zum Abend des ersten Tages zusammengekommen, bilanziert der Betriebsleiter des Duderstädter Freibads, Uwe Tuma. Mehr als 70 Menschen hätten bisher die Gelegenheit zu einem Sprung ins kühle Nass genutzt. „Das Wasser ist wärmer als die Luft“, sagt Tuma. 23 Grad seien am Morgen gemessen worden, Angst vor kaltem Wasser ist also unbegründet. Unter den ersten, die am Morgen ihre Bahnen zogen, war auch Sparkassen-Chef Markus Teichert, dessen Bank gemeinsam mit der EEB die kilometerbasierte Spendensumme aufbringen wird.

Für alle, die mit sportlichem Ehrgeiz an den Start gehen, gilt es, Claudia Zimmermann aus dem 10. Jahrgang des EGD zu schlagen: Sie hat fünf Kilometer in knapp 1,5 Stunden vorgelegt. „Im Schnitt schwimmen aber alle Teilnehmer rund zwei Kilometer“, erzählt Sophia.

Johannes Müller hat sich 20 Bahnen vorgenommen. Quelle: Claudia Bartels

Exakt diese Strecke hat Johannes Müller auf dem Plan: „Ich will locker schwimmen, wenn das nichts wird, ist es auch nicht schlimm“, sagt er. Als er von dem Spendenmarathon erfahren habe, habe er sich die Teilnahme fest vorgenommen. Sonst ist er eher unregelmäßig zu Gast im Schwimmbad.

Kein Anmeldung nötig

Eine Anmeldung ist nicht nötig, es ist jederzeit möglich, in den Schwimmspendenmarathon einzusteigen und seinen Teil zu leisten, sagt Markus Kuhlmann, Geschäftsführer der Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe. „Wer kommt, der kommt“, sagt er. Das Schwimmen könne auch jederzeit unterbrochen und später fortgesetzt werden.

GT/ET-Update – Der Newsletter

Die wichtigsten Nachrichten aus Göttingen, dem Eichsfeld und darüber hinaus täglich um 17 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Zusätzliche Einnahmen soll das Rahmenprogramm liefern, Sonntag findet ein Familienfest statt – den Eintrittspreis übernimmt die Duderstädter Stadtverwaltung. Für Kuhlmann ist das Engagement Ehrensache: „Ich bin selbst Mitglied der Feuerwehr“, sagt er. „Als das Unwetter war, war uns gleich klar, dass wir etwas machen wollen.“ Über die Feuerwehr sei dann der Kontakt nach Rheinland-Pfalz entstanden. Die gesammelten Spenden gehen direkt an die Flutopfer – und zwar an jene, die angesichts des eigenen Verlusts dennoch auch anderen geholfen und vor Ort unterstützt haben.

Von Claudia Bartels